FAQ: Fragen und Antworten zum Rahmenvertrag ÖGK

Wieso sollte man VertragstherapeutIn werden? Was ist der Vorteil?

Als VertragstherapeutIn übernimmt man Verantwortung für das Funktionieren der öffentlichen Gesundheitsversorgung und kann dazu beitragen, dass Physiotherapie auch für all jene PatientInnen erreichbar wird, die sich keine Privathonorare leisten können. Man ist weiterhin freiberuflich tätig und hat die Sicherheit eines Kassenvertrags, welcher dauerhafte Auslastung in der Praxis mit sich bringt. Durch den Rahmenvertrag ist die System- und Versorgungsrelevanz der Physiotherapie in Österreich
fest verankert.

Vorteile für den/die Physiotherapeuten/in als VertragspartnerIn:

  • Monatliche Akontierungen der ÖGK sichern regelmäßige Einnahmen zur Abdeckung der Praxiskosten  Die Akontozahlung wird auf Basis der erbrachten Leistung des ersten Monats berechnet und beträgt ca.  30 % des Quartalshonorars für jeden Monat im Quartal, die Endabrechnung erfolgt am Quartalsende
  • Automatische Tarifvalorisierung = Indexanpassung
  • Zusätzlich zu einheitlichen Leistungsposition der Physiotherapie auch Honorierung von u. a. Telemedizin (unter definierten Voraussetzungen), Vernetzungstätigkeiten, Befundung und Anleitung ohne nachfolgende Therapie, ausführlichen Befundberichten, Fallbesprechungen, Gesprächen mit Bezugspersonen, Helferkonferenzen
  • Hausbesuchspauschale und amtliches Kilometergeld
  • Wegfall der PatientInnenakquise

Wieviele Leistungsstunden muss man als KassentherapeutIn erbringen?

Ein Vollvertrag  umfasst 32 Wochenstunden, dies gerechnet auf 43 Arbeitswochen im Jahr. Ein „geteilter“ Vertrag umfasst 16 Wochenstunden. Alle erbrachten Therapieleistungen zählen dazu, sowie auch weitere Leistungspositionen wie Vernetzungstätigkeiten, ausführliche Befundberichte, Fallbesprechungen, Gespräche mit Bezugspersonen oder Helferkonferenzen.  Je nach Therapiezeit und anderen Leistungen wird die Anzahl der PatientInnen pro Woche also variieren.

Beispiel1: 30 Stunden reine Therapiezeit und 2 Stunden Fallbesprechungen, Gespräche mit Bezugspersonen usw.

Beispiel 2: 20 Stunden Therapiezeit, 10 Stunden Hausbesuchspauschale, 2 Stunden Helferkonferenz.

Beispiel 3: geteilter Vertrag: 10 Stunden Therapiezeit, 4 Stunden Hausbesuchspauschale, 2 Stunden Gespräche mit Bezugspersonen

Ist man als VertragstherapeutIn angestellt bei der ÖGK?

Nein. Als VertragstherapeutIn ist man weiterhin freiberuflich und selbständig tätig und nicht im Angestelltenverhältnis. Das bedeutet, dass man selber für die Versteuerung des Honorars und die Versicherungsbeiträge verantwortlich ist.

Wie finde ich PatientInnen, wenn ich VertragspartnerIn der ÖGK bin?

Als VertragstherapeutIn ist man weiterhin freiberuflich und selbständig tätig und nicht im Angestelltenverhältnis. Physiotherapie wird wie gewohnt von Ärzten verordnet und es besteht weiterhin freie TherapeutInnenwahl.  Bei der ÖGK wird gibt es ein Verzeichnis von VertragstherapeutInnen. Erfahrungsgemäß ist mit einer hohen Auslastung als VertragstherapeutIn zu rechnen.

Ab und bis wann kann man sich für eine Planstelle anmelden?

Die Ausschreibung der Stellen erfolgt durch die ÖGK in den nächsten Tagen und ab diesem Zeitpunkt kann man eine Bewerbung abgeben. Die Verteilung der Planstellen erfolgt grundsätzlich im Einvernehmen von Physio Austria und der ÖGK nach Bevölkerungsdichte und bisheriger Versorgungssituation durch bereits bestehende Vertragseinrichtungen. Damit der Vertrag in Kraft tritt, müssen mindestens 60 % der 590 Planstellen österreichweit und mindestens 25% in jedem Bundesland besetzt sein. „Bei Interesse einfach bewerben“, heisst es seitens der ÖGK!

Wo meldet man sich für eine der 590 Planstellen an?

Die Bewerbung erfolgt direkt bei der ÖGK.

  • Dafür ist ein Datenblatt auszufüllen und Unterlagen über eventuelle Zusatzausbildungen sind abzugeben.
  • Eine Schwerpunktsetzung ist im Vertrag nicht vorgesehen. Informationen über Zusatzausbildungen können aber angegeben werden und werden im Verzeichnis der ÖGK veröffentlicht.
  • Es ist ein Nachweis über die Ausübung des physiotherapeutischen Dienstes im Rahmen einer Vollzeittätigkeit von zumindest einem Jahr (bei Teilzeittätigkeit entsprechend länger) im Dienstverhältnis zum Träger einer Krankenanstalt oder sonstiger unter ärztlicher Leitung bzw. ärztlicher Aufsicht stehender Einrichtungen, die der Vorbeugung, Feststellung oder Heilung von Krankheiten oder der Betreuung pflegebedürftiger Personen dienen, zu erbringen.
  • Auch ein mindestens einjähriges Dienstverhältnis zu freiberuflichen tätigen Ärztinnen/Ärzten oder ein Angestelltenverhältnis zu freiberuflich tätigen PhysiotherapeutInnen reicht zum Nachweis oder auch ein Dienstverhältnis zu einer sonstigen im Bereich der Krankenbehandlung tätigen Institution, wenn das Kriterium der intensiven Zusammenarbeit mit ÄrztInnen/Ärzten bzw. mit anderen Gesundheitsberufen erfüllt ist.
  • Alternativ dazu kann auch eine mindestens dreijährige freiberufliche Tätigkeit zum Nachweis der Berufserfahrung dienen oder im Einzelfall eine gesonderte Gesamtbewertung der Berufsaktivität durch die ÖGK im Einvernehmen mit Physio Austria erfolgen (z. B. Zusammenarbeit mit erfahrenen Angehörigen der Gesundheitsberufe, Vertragsverhältnis zu einem Krankenversicherungsträger.

Braucht man Berufserfahrung, um VertragstherapeutIn der ÖGK zu werden?

Dafür ist bei der Bewerbung ein Jahr Berufserfahrung entsprechend einem Vollzeitäquivalent nachzuweisen. Die Berufserfahrung kann entweder im Angestelltenverhältnis z.B. in einer Kranken- oder Rehabilitationsanstalt, einem Ambulatorium, bei einem/r niedergelassenen Arzt/Ärtin oder einem/r niedergelassenen PhysiotherapeutIn  erworben worden sein. Ebenso ist es möglich, als WahltherapeutIn gelistet zu sein, wenn man bis zum 01.01.2022 bereits 3 Jahre als freiberufliche/r PhysiotherapeutIn tätig gewesen ist.

Wenn ein Vertrag mit mehreren Kassen besteht (z. B. auch mit der BVAEB), zählen die Behandlungsstunden der BVAEB-Patienten dann auch zu den 32 Stunden oder müssen diese alleine mit ÖGK-Patienten erfüllt werden?

Nein. Die Leistungen für die Versicherungsträger werden getrennt voneinander erbracht und auch verrechnet.

Sind mit den anderen Kassen ähnliche Verträge in Planung?

Ja, mit SVS und BVAEB sind bereits Gespräche in Vorbereitung.

Ist möglich, gleichzeitig VertragstherapeutIn und WahltherapeutIn der ÖGK zu sein?

Nein. Allerdings können PaitentInnen aller andereren Kassen nach dem Wahlprinzip behandelt werden.

Ist es möglich, neben dem Vertrag angestellt tätig zu sein?

Ja, das ist möglich, bedarf aber einer Zustimmung des Dienstgebers und soll der ÖGK mitgeteilt werden, wenn die andere Tätigkeit mehr als 10 Stunden/Woche beträgt.

Ist es möglich, als Vertragspartner der ÖGK für Versicherte anderer Krankenkassen (z. B. SVS, Privatleistungen, die keine Kassenleistung sind (z. B. Craniosacrale Therapie) zu erbringen?

Ja, das ist möglich.

Ist es möglich, als Vertragspartner der ÖGK für Versicherte der ÖGK Privatleistungen als Zusatzleistung, die keine Kassenleistung sind (z. B. Craniosacrale Therapie) zu erbringen?

Nein, das ist nicht möglich. Für VertragspartnerInnen besteht ein Zuzahlungsverbot.

Was ist der Behandlungsplan?

Den Behandlungsplan finden sie in der Anlage 4 zum Rahmenvertrag. Es handelt sich dabei um ein standardisiertes Befundungs- und Planungstool, welches einerseits zur Dokumentation und andererseits zu Planung für die etwaige Folgeverordnung dient.

Ist der Behandlungsplan für VertragstherapeutInnen verpflichtend?

Ja.

Darf ich als VertragstherapeutIn eine/n weitere/n PhysiotherapeutIn anstellen und wie ist das Stundenhonorar für die Leistung des/r Angestellten?

Ja. Das Brutto-Stundenhonorar für die Leistungserbringung durch angestellte TherapeutInnen an die Versicherten der ÖGK beträgt für 60 Minuten Physiotherapie 50 Euro.

Wo finde ich die Leistungspositionen und Vertragstarife?

Die Leistungspositionen und Vertragstarife sind in der Tarifanlage 6 der Rahmenvereinbarung zu finden.

Ist die Fahrtzeit Teil der 16/32 Wochenstunden? Wie wird diese zugerechnet bzw. wie setzt sich der Bruttojahresumsatz mit dem amtlichen Fahrgeld(etc.) zusammen?

Nein, die Fahrzeit wird nicht in die zu erbringende Leistung eingerechnet. Diese wird durch die Hausbesuchspauschale von 30 Euro, die zusätzlich zur Therapiezeit bezahlt wird, abgegolten. Das zusätzliche amtliche Kilometergeld beträgt 0,42 Euro pro Kilometer und bemisst sich individuell je nach gefahrenen Kilometern. Der auf Basis von 32 Wochenstunden errechnete Bruttojahresumsatz errechnet sich alleine aus den Leistungsposition wie Therapiezeit und anderen Leistungen wie ggf. das Erstellen ausführlicher Befundberichte, Vernetzungstätigkeit, Fallbesprechungen Gesprächen mit Bezugspersonen. Die genaue Auflistung ist dem Rahmenvertrag zu entnehmen. Eventuelle Vor- und Nachbereitungszeit ist nicht im Leistungskatalog enthalten und zählt nicht zu den 32/16 Stunden.

Kann man mit einem Teilzeitvertrag zusätzlich noch Verträge mit anderen Kassen haben?

Davon ausgehend, dass das Vertragsausmaß erfüllt wird, ist das grundsätzlich möglich. Jede Nebentätigkeit von mehr als 10 Stunden ist der ÖGK zu melden.

Kann ich nach neuem Vertrag der ÖGK auch z. B. auch NiederösterreicherInnen auf Krankenkasse behandeln, wenn meine Praxis in Wien ist? Muss die Praxis in Wien sein oder kann sie auch in Niederösterreich sein?

Die Verteilung der Planstellen hängt vom jeweiligen Bedarf und bereits bestehender Versorgung durch andere Kasseneinrichtungen ab. Wenn Sie eine Planstelle als VertragsparterIn am Ort Ihrer Praxis haben, dürfen Sie durchaus auch PatientInnen aus benachbarten Bundesländern behandeln, wenn der Bedarf im Sinne der flächendeckenden Versorgung gegeben ist.

Kann man von der Arbeit als KassentherapeutIn zum vertraglich geregelten Tarif leben?

Ja. Für den Bereich der Sachleistung gibt es künftig eine mit Physio Austria abgestimmte, an Bevölkerungsdichte und anderen gesundheitsökonomischen Faktoren orientierte Versorgungsplanung – eine Auslastung ist vorprogrammiert. Mit Kassenvollvertrag – das heißt 32 Wochenstunden bei 43 Leistungswochen ist ein Jahresbruttohonorar von rund 82.500 Euro verbunden.