Physiotherapie bewegt Gesundheit und Wirtschaft

Die Bedeutung der Physiotherapie in Österreich wurde in den vergangenen zwei Jahren in zwei umfassenden Studien von Physio Austria und dem Wirtschaftsforschungsinstitut Economica beleuchtet. Während die erste Untersuchung aus dem Jahr 2024 unter dem Titel „Wirtschaftsfaktor Physiotherapie“ die volkswirtschaftliche Bedeutung der Physiotherapie aus Nachfrage- und Angebotsperspektive analysierte, richtete die im Jahr 2026 veröffentlichte Studie „Physiotherapie in Österreich – eine Relevanzanalyse“ den Fokus auf den konkreten gesellschaftlichen und ökonomischen Nutzen physiotherapeutischer Versorgung.

Die Ergebnisse beider Studien zeichnen ein klares Bild: Physiotherapie verbessert nicht nur die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung, sondern leistet auch einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung des Gesundheitswesens und stärkt die österreichische Volkswirtschaft. Kurz gesagt: Physiotherapie wirkt und bewegt weit mehr als nur Menschen. Sie bewegt auch die Wirtschaft.

 

Studie 2026: Relevanzanalyse 

Neue Relevanzanalyse zeigt: Physiotherapeutische Versorgung vermeidet Operationen, reduziert Krankenstände und entlastet das Gesundheitswesen nachhaltig

Physiotherapie leistet einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung und schafft zugleich einen beträchtlichen volkswirtschaftlichen Nutzen. Das zeigen die Ergebnisse der Studie „Physiotherapie in Österreich – eine Relevanzanalyse“, die von Physio Austria gemeinsam mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut Economica erarbeitet wurde. Anhand konkreter Lebenssituationen wurde untersucht, wie physiotherapeutische Maßnahmen Krankheitsverläufe positiv beeinflussen und dadurch Kosten im Gesundheits-, Sozial- und Erwerbssystem reduzieren können. 

Entscheidend an Wendepunkten

Die Analyse betrachtet typische Versorgungssituationen bei chronischen Rückenschmerzen, Kniearthrose, Sturzprävention, Schlaganfallrehabilitation sowie diabetischer Neuropathie. Die Ergebnisse zeigen ein klares Muster: Physiotherapie setzt genau an jenen Wendepunkten an, an denen sich entscheidet, ob Operationen notwendig werden, Menschen ihre Erwerbsfähigkeit behalten, einen gesundheitsförderlichen Lebensstil wählen oder Pflegebedürftigkeit verhindert werden kann. 

 

„Die Studie belegt mit Zahlen, was Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten aus ihrer Praxis seit Langem kennen: Physiotherapie verbessert nicht nur die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen, sondern trägt auch wesentlich zur Entlastung des Gesundheits- und Sozialsystems bei“, betont Constance Schlegl, Präsidentin von Physio Austria.

Den umfassenden Studienbericht finden Sie zum Download im untenstehenden Anhang.

Zur Presseaussendung.

 

 

 

Studie 2024: Wirtschaftsfaktor Physiotherapie

Physio Austria hat das Economica Institut mit der Umsetzung einer Studie zum ökonomischen Fußabdruck der Physiotherapie in Österreich beauftragt.

Die Ergebnisse sind beeindruckend. Für die Studie wurden 6.500 Mitglieder von Physio Austria zur Teilnahme an einer Befragung eingeladen. 860 Physiotherapeut*innen haben teilgenommen, das entspricht einer Rücklaufquote von 13 Prozent. Constance Schlegl, Präsidentin von Physio Austria und Univ.-Prof. Dr. Christian Helmenstein, Geschäftsführer von Economica, haben die Ergebnisse präsentiert. Den Bericht zur Studie „Bedeutung und Entwicklung der Physiotherapie in Österreich“ finden Sie im Downloadbereich, ebenso eine grafische Darstellung der wichtigsten Studienergebnisse.
 

Foto von Constance Schlegl, MPH und Univ.-Prof. Dr. Christian Helmenstein, Vorstand des Economica Instituts bei der Präsentation der Ergebnisse.


1,16 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung

Die direkte und multiplikative Bruttowertschöpfung der Physiotherapie im Kern beträgt 1,16 Milliarden Euro. Direkt sind es 871 Millionen Euro. Im Vergleich dazu: Die direkte Bruttowertschöpfung aller Rundfunkveranstalter betrug 738,4 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Bei der Physiotherapie im weiteren Sinne sind es 1,58 Milliarden Euro, damit liegt die Wirtschaftsleistung der Physiotherapie zwischen der sonstiger freiberuflicher Tätigkeiten und des Veterinärwesens (1,10 Milliarden Euro) einerseits und dem Verlagswesen (1,23 Milliarden Euro) andererseits. Circa 0,4% der Wertschöpfung in Österreich hängen direkt oder indirekt mit der Physiotherapie zusammen. Univ.-Prof. Dr. Christian Helmenstein: „Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Physiotherapie ist enorm, sogar wenn die therapeutischen Effekte ausgeklammert werden. Es handelt sich um einen wachsenden Wirtschaftszweig, dessen tatsächliche ökonomische Relevanz statistisch bis dato kaum sichtbar wurde.“

Physiotherapie aus ökonomischer Perspektive – Methodik

In der Studie wurde der ökonomische Impact von Physiotherapie in zwei Kategorien erhoben: Physiotherapie im Kern sowie im weiteren Sinn. Der Kern umfasst die Dienstleistung per se, im weiteren Sinn wird auch das erweiterte Wertschöpfungsnetzwerk wie das auf die Physiotherapie bezogene z.B. Verlagswesen, Forschung und Entwicklung oder Erziehung und Unterricht abgebildet.

Nahezu zwei Physiotherapeut*innen pro 1.000 Einwohner*innen

Die Physiotherapie-Versorgungsdichte ist in den vergangenen Jahren in allen Bundesländern gestiegen. Im Jahr 2022 lag sie bei 1,96 Physiotherapeut*innen pro 1.000 Einwohner*innen. In den westlichen Bundesländern liegt der Wert über 2. Bei der Leistungsorganisation zeichnet sich folgendes Bild: Die meisten Freiberuflichen Physiotherapeut*innen arbeiten in Einzelpraxen, dicht gefolgt von Praxisgemeinschaften. Bei den Angestellten sind die meisten in Krankenanstalten tätig, gefolgt von Kuranstalten und Rehabilitationszentren.

Beschäftigungseffekte

Im Kern haben knapp 0,5 % der in Österreich Beschäftigten einen unmittelbaren Bezug zur Physiotherapie. Im weiteren Sinne sind es 23.533 Personen. Im Vergleich dazu: Im 8. Wiener Gemeindebezirk leben 24.674 Einwohner*innen oder in den Dienstleistungen des Sports und der Unterhaltung gibt es 24.000 Beschäftigte.

Fiskalische Effekte

Die gesamte Steuer- und Abgabenleistung der Physiotherapie beträgt im Kern 273,3 Millionen Euro. Der direkte Effekt beläuft sich auf 187,2 Millionen Euro und ist damit doppelt so hoch wie das Aufkommen durch die Werbeabgabe (96 Millionen Euro). Im weiteren Sinn beträgt die gesamte Steuer- und Abgabenleistung 442,7 Millionen Euro. Der direkte Effekt macht 280,2 Millionen Euro aus und erreicht damit das Aufkommensniveau der Fremdenverkehrsabgabe (282 Millionen Euro).

Studie 2024 economica x Physio Austria Wirtschaftsfaktor Physiotherapie


Constance Schlegl: „Die Wertschöpfungs- und Fiskaleffekte unterstreichen die Bedeutung der Physiotherapeut*innen als drittgrößter Berufsgruppe im Gesundheitswesen. Damit sind die großartigen Leistungen der Kolleg*innen auch in Zahlen gegossen. Diese Studienergebnisse unterstreichen beeindruckend den Stellenwert der Physiotherapie in Österreich und untermauern die Notwendigkeit unserer Forderungen nach der gesetzlich geregelten Einbindung von Physio Austria in die Versorgungsplanung, der Physiotherapie als elementaren Grundbaustein von Primärversorgungszentren und die Anbindung der Physiotherapeut*innen an den elektronischen Datenaustausch (ELGA).“ 

Hier geht es zur Presseaussendung.