WENN DIE BLASE NERVT…
… sobald man sich der Wohnungstür nähert, beim Gedanken an eine längere Zugfahrt, wenn das Wasser irgendwo rinnt, wenn man eine Toilette in der Nähe weiß oder auch bei anderen Auslö-sern – dann hat man es mit einem ausgeprägten Harndrang zu tun.
Oft genug sind es kleine Mengen Harn, die schon ordentlich Stress machen – dabei gibt es vielleicht auch Zeiten oder Gelegenheiten, wo man nicht so oft aufs Klo muss und größere Mengen speichern kann. Woran liegt das und was kann man gegen den starken Harndrang tun?
In der Entstehung von Harndrang spielen mehrere Komponenten zusammen, wie zum Beispiel häufige vorsorgliche Toilettenbesuche (also Harnlassen obwohl man keinen Drang verspürt), häufige Harnwegsinfekte in der Vergangenheit – bei denen man „verlernt“ hat größere Harnmengen zu speichern, aber auch neurologische Faktoren, die mit Dysbalancen im vegetativen Nervensystem einhergehen. All das kann dazu führen, dass man sehr häufig die Toilette aufsucht und nur mehr kleine Mengen Harn speichern kann, was in weiterer Folge zu einer Schwäche und/oder Verspannung des muskulären Verschlusssystems führt. Sowohl eine Schwäche als auch eine Verspannung der Schließmuskulatur bzw. des Beckenbodens reduzieren ihrerseits die Kontrolle über die Blase im Alltag und speziell in Drangsituationen.
Es gibt neben der medikamentösen Therapie auch einige Möglichkeiten nebenwirkungsfrei auf diese Situation Einfluss zu nehmen. Die wichtigsten Faktoren sind:
- Vorsorgliche Toilettenbesuche reduzieren und nach Möglichkeit ganz vermeiden.
- Kontakt mit dem eigenen Beckenboden aufnehmen, zum Beispiel selber tasten ob man aktivieren im Sinne von einziehen und danach wieder loslassen kann, ev. auch mit einem Handspiegel schauen.
- Sobald Sie sicher sind, dass Sie den Beckenboden ansteuern können üben Sie selbstständig das Aktivieren und Lösen der Beckenbodenmuskulatur - beginnend in stressfreien Situationen mit leerer Blase, bevor Sie es auch in schwierigeren Situationen versuchen. Wichtig ist dabei immer, dass Sie ruhig weiteratmen und keinesfalls den Bauch anspannen.
- In der Drangsituation mit der Blase sprechen und ganz klar formulieren, dass es jetzt noch nicht Zeit und Ort ist! Sie sind der/die Chef*in – das muss Ihre Blase wieder lernen!
Tipp: Wenn Sie unsicher sind ob „Sie es richtig machen“ ist es empfehlenswert eine/n Physiotherapeut*in aufzusuchen, der/die sich zum Thema Beckenboden vertieft hat und der/die eine Tastuntersuchung anbieten kann. Ein klares Feedback zur Aktivität dieser doch sehr versteckten Muskelgruppe ist hilfreich, insbesondere weil neben einer Schwäche auch mögliche Verspannungen die Funktion und damit die Kontrolle über Blase und Darm deutlich reduzieren können.
Tipp: Das gezielte Anspannen des Beckenbodens während einer Drangsituation ist auf doppelte Art und Weise hilfreich: einerseits wirkt die Muskelaktivität verschließend und andererseits wird dadurch auf neurologischem Weg der Drang gehemmt. Wie oben erwähnt, macht das nur Sinn, wenn die Bauchmuskeln dabei locker bleiben – da diese sonst zeitgleich Druck auf die Blase ausüben und den Drang verstärken würden.
Passend zur warmen Jahreszeit kann Schwimmen als Training für den gesamten Körper – also auch für den Beckenboden – durchaus empfohlen werden. Auch der Einsatz von geeigneten Hilfsmitteln wie z.B. Schwimmbrettern oder Gummiwürsten ist für viele hilfreich und steigert die Sicherheit. Fitnesseinheiten im Wasser, idealerweise mit guter Anleitung, können auf gezielte und abwechslungsreiche Art und Weise auch in der Gruppe das Training und den Spaß kombinieren – unter gleichzeitiger Schonung von Gelenken.
Tipp: Achten Sie darauf nach dem Aufenthalt im Wasser rasch wieder trockene Bekleidung anzuziehen, da sich die kühlende Wirkung eines nassen Badeanzugs im Beckenbereich negativ auf eine vorhandene Drangsymptomatik auswirken kann.
AutorIn
Christine Stelzhammer, MEd