Was ist eigentlich Dry Needling oder intramuskuläre Triggerpunkttherapie?

Dry Needling heißt übersetzt „trockenes Nadeln“, womit erklärt wird, dass eine sehr dünne Nadel verwendet wird und keine Substanzen - wie Medikamente - eingebracht werden. Die Methode hat sich aus der Triggerpunkttherapie entwickelt und ist eine spezifische, schonende und gezielte Technik, um Triggerpunkte in der Muskulatur aufzulösen.
Was sind Triggerpunkte?

Triggerpunkte sind mikroskopisch kleine Verkrampfungen in der Muskulatur, die sich nicht von alleine lösen. Sie sind gekennzeichnet durch Minderdurchblutung, Druckschmerzhaftigkeit, erhöhte Ansammlung von Stoffen, die bei Entzündungen im Körper vorkommen, und bindegewebige Veränderungen in Muskeln und Faszien.

Sie entstehen durch verschiedene Faktoren:

-    Statische Belastungen wie schlechte Haltung,
-    einseitige Muskelbelastung vor allem in Verkürzung, z.B. beim Telefonieren ohne Headset,
-    exzentrische Belastungen - wie z.B. durch steiles Bergabgehen,
-    Zerrungen und Überlastungen des Muskels - v.a. bei schlechtem Trainingszustand,
-    Stress – hat einen direkten Zusammenhang mit Muskelspannung!,
-    Kälte, Zugluft, Klimaanlagen,
-    Wechselwirkung Gelenk und Muskel – natürlich kann ein Bandscheibenvorfall oder eine starke Arthrose Triggerpunkte in der Muskulatur auslösen.

Was können Triggerpunkte in der Muskulatur machen?

Triggerpunkte können die Ursache sein für:

-    Schmerzen,
-    Bewegungseinschränkungen,
-    Gefühlsstörungen – leider ganz ähnlich wie bei Nerven, weswegen Patient*innen gelegentlich auch Fehldiagnosen bekommen,
-    vegetative Symptome wie Schwitzen, Gänsehaut, Schwindel,
-    Muskelschwäche – die/der Patient*in kann den Muskel nicht mehr gut „ansteuern“ – der Kopf will, der Körper nicht.

Was bringt diese Methode für Patient*innen?

Wenn es sich um ein muskuläres Problem handelt – die Wahrscheinlichkeit ist groß, denn beim Menschen macht die Muskulatur ca. 40% des Körpergewichtes aus – ist Dry Needling eine Methode, die richtig angewendet, sehr schnell zum Erfolg führen kann. Mit wenigen Behandlungen können die Schmerzen reduziert oder bestenfalls beseitigt werden. Die Methode ist nicht angenehm, aber die/der Patient*in kann jederzeit sagen, wann es genug ist, sie oder er ist in dem Fall die/der Chef*in!

Ist die Methode Akupunktur?

Nein – das ist der große Unterschied! Akupunktur will vereinfacht gesagt, den Energiefluss im Körper harmonisieren, Energie zu- oder abführen, und Akupunkturpunkte und Meridiane (Energiebahnen im Körper) sind vordefiniert. Dry Needling oder intramuskuläre Triggerpunkttherapie ist ein mechanisches, auf medizinischen Grundlagen basierendes Konzept, wo versucht wird, die lästigen Knoten in der Muskulatur durch eine feine Nadel, mit präzisem Stich, aufzulösen.

Ist die Methode ein physiotherapeutisches Konzept?

Auf jeden Fall – die Basis ist ein extrem guter Tastsinn, fundierte anatomische Kenntnisse, Hygieneregeln und natürlich Kontraindikationen – ganz nach dem Grundsatz in der Medizin „primun non nocere“ – zuerst einmal nicht schaden. Patient*innensicherheit steht an erster Stelle! Aus diesem Grunde muss die Technik in Kursen fundiert gelernt werden – unter Kontrolle durch Spezialist*innen.

 

AutorIn

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Mathias Meusburger, PT

Senior Instruktor für myofasziale Triggerpunkttherapie beim Verein Triggerpunkt Österreich und Obmann von Dry Needling Austria

Aus der Ausgabe

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2024|12

Bewegt-Magazin Dezember 2024

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