Was bringen Mobility Checks?
Gesundheitliche Beschwerden plagen laut einer aktuellen Erhebung der Initiative „Wie gesund ist eigentlich…“ zwei Drittel der Österreicher*innen, wobei Erkrankungen am Bewegungsapparat und Herz-Kreislauf-Probleme besonders häufig vorkommen. Um dem entgegenzuwirken, können Screeningverfahren zur frühzeitigen Erkennung von Gesundheitsrisiken eingesetzt werden.
Diese sollen dazu ermutigen, noch bevor Krankheiten auftreten oder sich verschlimmern, proaktiv zu handeln, um die eigene Gesundheit zu stärken. Screeningverfahren im Gesundheitsbereich sind Tests, die Ärzt*innen und Therapeut*innen anwenden, um den Gesundheitszustand einer Person zu erheben. Sie zeigen nicht nur, ob jemand ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten hat, sondern können, wie in der Physiotherapie, auch auf Risiken wie eine erhöhte Sturzgefahr oder andere zukünftige bewegungsbezogene Problematiken hinweisen.
Das Ziel ist es, durch frühes aktiv werden, Risikofaktoren zu minimieren, um die eigene Mobilität und in weiterer Folge eine hohe Lebensqualität so lang als möglich zu erhalten. Durch gezieltes Testen können Physiotherapeut*innen den Zustand der Patient*innen genau einschätzen und individuelle Behandlungspläne erstellen. Patient*innen können dadurch aktiv an ihrer Gesundheitsvorsorge mitwirken. Die Mobility Checks von Physio Austria stellen eine effektive Möglichkeit dar, Screenings durchzuführen. Sie dienen dazu, wertvolle Einblicke in die körperlichen Fähigkeiten zu erhalten. Bisher wurden diese bei verschiedenen Veranstaltungen in Österreich, unter anderem den „Tut-gut Vorsorgetagen“ in Niederösterreich sowie beim Austrian Health Forum in Gastein und den Gesundheitsgesprächen in Alpbach angeboten. Die Checks beinhalten physio-therapeutische Tests zur Erhebung der Muskelkraft sowie der Koordinations- und Gleichgewichtsfähigkeit. Dazu wird die Handkraft mittels Handdynamometermessung, die Kraftausdauer der Beine durch den 1-Minute Sit-to-Stand-Test und die Gleichgewichts- und Koordinationsfähigkeit anhand der Short Physical Performance Battery ermittelt.
In umfangreichen Studien erhobene Vergleichswerte ermöglichen eine Einstufung der eigenen Messergebnisse und zeigen, ob die Werte im Vergleich zu den Durchschnittswerten der jeweiligen Alters- und Geschlechtsgruppe unter- oder überdurchschnittlich sind. Zusätzlich können basierend auf den Ergebnissen Prognosen für die zukünftige Entwicklung des Gesundheitszustands erstellt werden. Beispielsweise deutet eine schwache Handgreifkraft auf eine generelle Kraftminderung und ein höheres Osteoporoserisiko hin (Massy-Westropp, 2011). Ebenso der 1-Minute Sit-to-Stand-Test, welcher Rückschlüsse auf die gesamte funktionelle Fitness und das Sturzrisiko zulässt (Strassmann et al. 2013). Die Short Physical Performance Battery (SPPB) ist ebenfalls ein bewährtes Verfahren, das speziell zur Messung der körperlichen Leistungsfähigkeit von älteren Erwachsenen entwickelt wurde (de Fátima Ribeiro Silva 2021). So zeigt ein schlechtes Ergebnis (0–6 Punkte) eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Verschlechterung der Alltagsmobilität, ein erhöhtes Risiko für Krankenhauseinweisungen und Langzeitaufenthalte in diesen sowie ein erhöhtes Risiko für Pflegebedürftigkeit. Dagegen weist ein gutes Ergebnis (7–12 Punkte) auf eine geringere Wahrscheinlichkeit dieser Risiken hin. Dieses Wissen unterstützt die Planung präventiver Maßnahmen zur langfristigen Mobilitätserhaltung.
Der Nutzen von Screening-Verfahren in der Physiotherapie, wie bei den Mobility Checks von Physio Austria, liegt daher in der frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Bewegungseinschränkungen und Gesundheitsrisiken. Solche frühen Hinweise ermöglichen es, präventive Maßnahmen zu planen, Behandlungen individuell anzupassen und die langfristige Mobilität und Lebensqualität zu erhalten. Zudem sind sie leicht durchführbar, was dazu beiträgt, ein zugängliches, flächendeckendes Screening zu ermöglichen. So helfen die Mobility Checks, aktiv zur Gesundheitsvorsorge beizutragen und die Wahrscheinlichkeit ernsthafter gesundheitlicher Beeinträchtigungen zu reduzieren.
Literatur:
de Fátima Ribeiro Silva, C., Ohara, D. G., Matos, A. P., Pinto, A. C. P. N., & Pegorari, M. S. (2021). Short Physical Performance Battery as a Measure of Physical Performance and Mortality Predictor in Older Adults: A Comprehensive Literature Review. International journal of environmental research and public health, 18(20), 10612. https://doi.org/10.3390/ijerph182010612
Massy-Westropp, N. M., Gill, T. K., Taylor, A. W., Bo-hannon, R. W., & Hill, C. L. (2011). Hand Grip Strength: age and gender stratified normative data in a population-based study. BMC research notes, 4, 127. https://doi.org/10.1186/1756-0500-4-127
Strassmann, A., Steurer-Stey, C., Lana, K. D., Zol-
ler, M., Turk, A. J., Suter, P., & Puhan, M. A. (2013). Population-based reference values for the 1-min sit-to-stand test. International journal of public health, 58(6), 949–953. https://doi.org/10.1007/s00038-013-0504-z
AutorIn
Hannah Moser, BSc BA
Assistentin der Geschäftsleitung