Vorbeugung von lagebedingten Kopfverformungen bei Säuglingen
Was hat die Bauchlage mit der Kopfform des Babys zu tun und wie hängt das mit der motori-schen Entwicklung zusammen?
Die Geburt eines Kindes ist ein überwältigendes und einschneidendes Ereignis für frischgebackene Eltern. Die ersten Lebenswochen und -monate sind eine Zeit des gegenseitigen Kennenlernens und der Gewöhnung im Umgang mit dem Baby. Dabei wollen alle Eltern das Beste für ihr Kind. Das bedeutet einerseits, die Bedürfnisse des Säuglings zu stillen (durch Füttern, Wickeln und einen liebevollen Umgang), andererseits kann gleichzeitig mit wenigen Mitteln die motorische Entwicklung des Kindes direkt ab der Geburt gefördert werden.
Eine der effektivsten Maßnahmen dazu ist die Positionierung des Babys in Bauchlage. Am besten gelingt das, wenn die Bauchlage gleich ab der ersten Lebenswoche mehrmals täglich für wenige Minuten durchgeführt wird. Wichtig dabei ist, das Baby nur im wachen Zustand und unter Aufsicht auf den Bauch zu legen. Denn man kann mit dieser Lagerung einer Verformung des noch sehr weichen Schädels vorbeugen. Lagebedingte Kopffehlformen (auch Schiefschädel oder Plagiozephalie genannt) sind eine der häufigsten Auffälligkeiten im Säuglingsalter und entwickeln sich meist in den ersten Lebenswochen. Dabei kommt es zu einer (einseitigen) Abflachung des Hinterkopfes. Vor allem Zwillinge, Früh- oder Erstgeborene haben ein höheres Risiko, diese Kopf-fehlform zu entwickeln, aber auch Babys, die keine oder wenig Zeit in der Bauchlage verbringen, mit der Flasche gefüttert werden oder eine einseitige Einschränkung der Kopfbewegung aufweisen. In diesem Fall bemerken die Eltern vielleicht, dass ihr Baby vermehrt auf eine Seite schaut oder das Stillen auf einer Seite viel besser klappt.
Wussten Sie, dass ...?
… Babys die Bauchlage besser akzeptieren, wenn sie gleich ab der ersten Lebenswoche auf den Bauch gelegt werden? Zu Beginn ist es oft nur für wenige Minuten am Stück möglich, dafür am besten mehrmals täglich.
Lagebedingte Kopfverformungen sind prinzipiell ungefährlich und bilden sich in vielen Fällen bis zum zweiten Geburtstag zurück. Allerdings wurden Zusammenhänge mit Entwicklungsverzögerungen nachgewiesen. So treten etwa im Kleinkind- oder Vorschulalter bei diesen Kindern häufiger Auffälligkei-ten auf, vor allem in den Bereichen Motorik, Sprache und Kognition (dies beinhaltet etwa Fähigkeiten wie Lernen, Denken, Aufmerksamkeit und Wahrnehmung).
Mit einfachen Maßnahmen ab der Geburt kann man einer lagebedingten Kopfverformung vorbeugen. Das heißt, das Risiko, dass sich der Kopf des Babys abflacht, kann reduziert werden bzw. wenn sich der Kopf doch verformen sollte, ist dies weniger stark ausgeprägt.
Wie sehen diese Präventionsmaßnahmen nun konkret aus?
- Rückenlage als Schlafposition, um das Risiko hin-sichtlich des plötzlichen Kindstods zu reduzieren.
- Bauchlage unter Aufsicht im wachen Zustand
- mehr als dreimal täglich,
- langsam steigern bis 30 Minuten.
- Abwechseln der Kopfposition während des Schlafens und Fütterns, z.B. durch abwechselndes Trinken an rechter und linker Brust.
- Anregung des Babys, den Kopf auf beide Seiten zu drehen z.B. durch Angebot von Spielzeug einmal von rechts und einmal von links.
- Einschränkung der Zeit in Rückenlage auf harten Oberflächen.
- Erleichterung und Förderung aktiver, spontaner Bewegung.
- Keine oder nur kurze Zeit in Autositzen, Wippen, Schaukeln oder ähnlichen Positionierungshilfen.
- Tragen des Babys.
- Achten auf Risikofaktoren wie Einseitigkeit oder Lieblingsseite.
Unmittelbar nach der Geburt
Entscheidend für den Erfolg ist vor allem der Beginn aller Maßnahmen gleich ab der Geburt. Damit sich die Babys gut bewegen können, ist „Turnkleidung“ wie etwa ein Strampler ideal. Sollte eine Lieblingsseite auffallen, kann es vorerst helfen, das Baby anzuregen, den Kopf auf die andere Seite zu drehen z.B. im Schlaf oder indem es die Eltern bewusst von dieser anderen Seite aus ansprechen. Bei Fortbestehen oder wenn die Kopfdrehung auf eine Seite nur schlecht möglich ist, sollte frühzeitig der Kinderarzt oder die Kinderärztin darüber informiert werden und eine fachliche Begleitung z.B. durch (Kinder-)Physiotherapeut*innen erfolgen.
AutorIn
Elisabeth Pichler, MSc