Sa., 28.03.2020

Update - Stand: 28. März 2020, 20:58 Uhr

Gestern haben wir Ihnen das „Konzept zur akutphysiotherapeutischen Versorgung für Österreich“, das für den nächsten hochinfektiösen Zeitraum in der CoV-19- Krise erarbeitet wurde, zur Kenntnis gebracht. Es herrschte verständlicherweise Aufregung darüber, wie wir so etwas vorschlagen können, wo doch der Großteil der Praxen diese Anforderungen nicht erfüllt.

Warum geben wir dennoch so eine Empfehlung raus?
Wir haben noch lange nicht den Höhepunkt der Ansteckung mit dem Cov-19 Virus erreicht. Gestrigen Aussagen des Gesundheitsministers zufolge werden wir diesen erst Mitte April bis Mitte Mai erreichen. Daher reagiert die Regierung zögerlich, einen Zeitpunkt zu nennen, wann es zu Erleichterung der restriktiven Maßnahmen kommen wird.
Wir müssen aber gleichzeitig Entscheidungen treffen, unter welchen Bedingungen wir in dieser prekären Situation jedenfalls akutphysiotherapeutische Behandlungen anbieten können.
Da es sich um ein Modell für Notversorgung handelt, sind dafür entsprechend große Praxen angedacht, um den Aufwand für zusätzliche notwendige organisatorische Hintergrundarbeit wie Logistik von Schutzkleidung, Aktuellhaltung der Listung für PatientInnen usw. so gering wie möglich zu halten. In diesem Setting sollen nur unbedingt notwendige akutphysiotherapeutische Behandlungen stattfinden (z.B. Zustand nach Schlaganfall/PatientInnen, die jetzt so rasch wie möglich aus den Krankenhäusern entlassen werden sollen, etc.).
Ein Triage-Modell (wird gerade durch ein Task Force-Team von Physio Austria ausgearbeitet) ermöglicht PhysiotherapeutInnen, zwischen akut zu behandelnden und in anderen Settings zu betreuenden PatientInnen zu unterscheiden.

Mögliche neue Wege?
Physio Austria ist auch intensiv mit der Schaffung neuer Settings wie beispielsweise Telekonsultation oder Telerehabilitation beschäftigt. Sollten sich KollegInnen in keinem dieser Betätigungsfelder wiederfinden, gibt es auch die Möglichkeit, bezahlte Funktionen in Sonderbetreuungseinrichtungen für Coronainfizierte zu übernehmen (z.B. im Messegelände von Salzburg). Es braucht wahrscheinlich ein Umdenken unserer bisherigen gewohnten Arbeitsstrukturen – wie z.B., dass sich mehrere KollegInnen aus kleineren Praxen für diesen Zeitraum in größeren Praxen für den nötigen abwechselnden Diensten (in Rädern) bzw. den Back-up-Teams zusammenschließen.

Was ist mit Einzelpraxen und Hausbesuchen?
Wenn es für Einzelpraxen möglich ist, während der Corona-Pandemie für AkutpatientInnen Therapie unter Einhaltung von Schutzmaßnahmen und Hygienerichtlinien anzubieten, soll das natürlich möglich sein. Wir werden als Unterstützung dafür in einem weiteren Schritt Handlungsempfehlungen für Einzelpraxen und Hausbesuche erarbeiten und auch diese dem Ministerium übermitteln. Dies immer mit dem Fokus auf die besonderen Erfordernisse während der Dauer der Corona-Pandemie und dem Fokus auf akutphysiotherapeutische Versorgung. Was „akutphysiotherapeutisch“ bedeutet, werden wir nächste Woche ebenso online stellen wie eine Information zum Thema Haftung im Rahmen der freiberuflichen Berufsausübung unter den aktuellen Bedingungen.