Älteres Paar beim Tanzen
Tanz ist bewegte Interaktion und trainiert das Gleichgewicht

TANZEN ALS REZEPT GEGEN DAS ALTERN

Senior*innen, die Sport betreiben bewegen sich mehr als jene mit Bewegung im Alltag. Tanzende haben laut einer Studie aus Niederösterreich das beste Gleichgewicht.

Bewegung im Alter benötigt mehr als die eigene Motivation. Vielfältige Bewegungsangebote, insbesondere Tanzangebote, sind eine wichtige Arbeit regionaler Gruppen und Netzwerke. Sport- und Tanzinstitutionen in Ihrer Region oder aktives Training, z.B. nach dem Otago-Programm, unterstützen Sie dabei, Stürzen vorzubeugen, agil und körperlich messbar jung zu bleiben. 

Eine Studie zeigte auf, dass Personen die in Vereinen wie Tanzen ab der Lebensmitte oder dem Kneipp Aktiv Club aktiv sind, messbar mehr Bewegung und Gleichgewichtsfähigkeit haben. Die Ergebnisse der Studie sind im Internet auf Deutsch zu lesen – kostenlos über das International Journal of Health Professionals in der ersten Ausgabe von 2024. Auch in der Literatur zeigen regelmäßiger Gruppensport und Tanz eine positive Wirkung. Bessere Messwerte können Referenzwerten von bis zu 10 Jahre jüngeren Personen gleichen.

Eine Studie nach dem „Lockdown“-Jahr

Die COVID-19 Pandemie verhinderte über ein Jahr lang Sport und Bewegung in der Gruppe. Tanzleiter*innen vom österreichischen Verein für Senioren-tanz bemühten sich, Tanz über Videos im häuslichen Umfeld zu ermöglichen. Allerdings lassen sich soziale Kontakte und Bewegung in der Gruppe nicht ersetzen. Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang die Ergebnisse einer kürzlich durchgeführten Studie der Fachhochschule St. Pölten. Senior*innen im Alter von 60 bis 80 Jahren aus Niederösterreich wurden im Sommer 2022 gebeten, Fragebögen auszufüllen, Geh-, Gleichgewichts- und Krafttestungen zu absolvieren. Alle Teilnehmenden bewegten sich regelmäßig, sportlich Aktive besonders viel. Jene, die erst seit zwei oder drei Monaten wieder in der Gruppe tanzen durften, zeigten jedoch ein signifikant höheres Gleichgewicht. 

Gemessen wurde das Gleichgewicht über eine Testung namens „MiniBESTest“. Diese differenziert zwischen verschiedenen körperlichen Fähigkeiten. Über einen Fragebogen namens „IPAQ-SF“ wurde erfasst, wie viel die Studienteilnehmer*innen sich innerhalb der letzten Woche leicht, moderat oder stark bewegt hatten. Zusätzlich wurden auch soziale Aktivität und Kraftausdauer gemessen. Hier zeigten sich jedoch keine Unterschiede zwischen den Bewegungsformen der Teilnehmenden.

 

Wussten Sie, dass...?

… Sie über den österreichischen Verband für Seniorentanz (www.seniorentanz.at) Tanzangebote und zertifizierte Tanzleiter*innen finden. Erkundigen Sie sich in Ihrer Region auch nach Volkstanz, Rollstuhltanz oder Tan-zangeboten für Menschen mit Krankheiten wie Parkinson, mit besonderen Bedürfnissen oder mit Behinderung.

 
Tanzen als Rezept für gutes Gleichgewicht 

Regelmäßige Bewegungsangebote und soziale Aktivitäten mit Bewegung fördern die Gesundheit im Alter. Sie stellen eine wichtige Ergänzung zu Bewegung rund um das eigene zu Hause dar (z.B. Gehen, Stufen steigen, Garten- oder Hausarbeit). Die österreichische Primärversorgung verfolgt „Social Prescribing“ (dabei werden die sozialen und emotionalen Bedürfnisse der Patient*innen berücksichtigt) als Ansatz, um zu Gesundheitsförderung in der Region zu navigieren. 

Physiotherapeut*innen sowie andere Gesundheits- und Sozialberufe unterstützen Sie, eine für Sie passende Bewegungsform zu finden. Sie beraten Sie als individueller Ansprechpartner*in zu Vorteilen und Vorsichtsmaßnahmen. Im Rahmen der Physiotherapie kann mittels „MiniBESTest“ Ihr Gleichgewicht getestet werden. Falls der Test eine niedrige Punktezahl ergibt, könnten Sie regelmäßiges Tanzen beginnen.  

Teilnehmende der Studie hatten das Senioren tanz-Programm des Vereins „STÖ Landesverband NÖ“ absolviert. Es bestand aus wöchentlich 105 Minuten Paar- und Kreistanz mit Vor-, Seit-, Kreuz- und Rück-schritten ohne Sprünge, Kicks oder Hebefiguren. Die sportlich aktiven Personen betrieben rund 30 Minuten Fahrrad fahren oder Schwimmen, halbtags Wandern, 25 Minuten „Fit mit Philipp“-Heimgymnastik, Walken oder Tennis. Zwei Drittel der Tanzenden und drei Viertel der sportlich Aktiven erreichten mit ihren Angaben die österreichischen Bewegungsempfehlungen für Personen ab 65 Jahren.

 

Wussten Sie, dass...?

… die Gesundheit Tanzender den Tanzschaffenden und Gesundheitsberufen ein Anliegen ist. Die deutschsprachige Organisation ta.med (www.tamed.eu) unterstützt sie in der Vernetzung und kontinuierlichen, evidenzbasierten Fortbildung.

 
Literatur: 

Bauer, R.; Dorner, E. T.; Felder-Puig, R. (2020). Österreichische Bewegungsempfehlungen. https://www.meinegesundheit.at/cdscontent/?conten-
tid=10007.688368&portal=meinegesundheitportal

Craig, C. L., Marshall, A. L., Sjöström, M., Bauman, A. E., Booth, M. L., Ainsworth, B. E., 480 Pratt, M., Ekelund, U., Yngve, A., Sallis, J. F., & Oja, P. (2003). In-ternational physical activity questionnaire: 12-country reliability and validity. Medicine and Science in Sports and Exercise, 35(8): 1381-1395.

Kidritsch, A., Grossauer, R., Sandhofer, V., Teichmeis-ter, L, Vesely, S., & Wachermayr, K. (2024). Was hält im Alter mobil? Gleichgewicht, körperliche Aktivität und soziale Integration im Vergleich zwischen 60- bis 80-jährigen gesunden Personen, die regelmäßig tan-zen, Sport betreiben oder im Alltag aktiv sind – eine Querschnittstudie. International Journal of Health Professionals, in Druck.

King, L., & Horak, F. (2013). On the Mini-BESTest: Scoring and the Reporting of Total Scores. Physical Therapy, 93(4): 571-575.

Robertson, C., & Campbell, J. (2013). Otago Exercise Programme. In: Otago-Übungsprogramm, ZVK Phy-sio-Akademie: 1-91.

 

AutorIn

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FH-Prof. Anita Kidritsch, MSc

Mitglied des Kompetenzteams

Aus der Ausgabe

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2024|03

Bewegt-Magazin März 2024

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