RHEUMA – Ein Begriff mit vielen Gesichtern

RHEUMA – Ein Begriff mit vielen Gesichtern

Würde man wahllos Leute auf der Straße danach fragen, was für sie Rheuma ist, würde man nicht selten folgende Antwort erhalten: „Rheuma ist eine Erkrankung alter Menschen und ist eigentlich harmlos. Tut halt manchmal weh, wenn das Wetter umschlägt.“

Laut der österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie leiden mehr als 190.000 Menschen in Österreich an einer Erkrankung aus dem rheumatoiden Formenkreis. Rheuma ist somit ein Überbegriff und beschreibt eine Vielzahl unterschiedlichster entzündlicher Erkrankungen. Vorwiegend betreffen diese Erkrankungen den Bewegungs- und Stützapparat, aber da alle Erkrankungen aufgrund eines fehlgeleiteten Immunsystems entstehen, können neben Knochen, Sehnen und Muskulatur auch das Bindegewebe und Organe betroffen sein. Die Erkrankungen kennen auch kein Alter und können somit  in jedem Alter auftreten. Aus diesem Grund spricht man in der Medizin meist von einer Erkrankung aus dem rheumatoiden Formenkreis. 

Je früher eine rheumatische Erkrankung erkannt wird, umso besser kann man damit leben!

Bei den meisten rheumatischen Erkrankungen ist die Ursache unbekannt. Eine Vielzahl von Faktoren, wie z.B. Veranlagung und Epigenetik, verursachen ein fehlgeleitetes Immunsystem. Dies bedeutet, dass das Immunsystem aus den verschiedensten Gründen seinen eigenen Körper angreift und Entzündungen entstehen.  Bei Rheuma handelt es sich also um eine Autoimmunerkrankung – und diese hat man sein gesamtes Leben. Umso entscheidender sind ein frühes Erkennen und Behandeln. Wesentlich hierfür ist ein multimodaler Behandlungsansatz – also das Zusammenspiel mehrerer unterschiedlicher Zugänge:

•    Ärztliche Betreuung
•    Physiotherapie / Ergotherapie / Logopädie
•    Ernährung
•    Psychologische Betreuung
•    Soziale Betreuung / privates Umfeld

Nach speziellen Leitlinien und einem sogenannten „Treat to target“-Konzept erarbeiten alle Berufsgruppen gemeinsam mit den Patient*innen ein ganz individuelles Lösungs- und Behandlungskonzept. Nur so kann man die Symptome lindern und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

 

TIPP!

Der Verein Österreichische Rheumaliga (ÖRL) ist eine österreichweite neutrale Selbsthilfe-organisation von Rheumakranken und deren Angehörigen. ÖRL vertritt die gemeinsamen Interessen ihrer Mitglieder sowohl im gesund-heitspolitischen Bereich als auch in der Öffent-lichkeit und bietet hilfreiche Serviceleistungen und Informationen an. www.rheumaliga.at

 
Mit einem guten Immunsystem lebt es sich besser 

Wieso und wann das jeweilige Immunsystem entscheidet, sich selbst anzugreifen, ist trotz intensiver Forschung nach wie vor nicht vollständig geklärt. Man kann aber täglich seinem Immunsystem dabei helfen, nicht sich selbst als Feind zu sehen. In der Physiotherapie lernt man bewusst mit seinem Körper umzugehen, ihn wahrzunehmen und durch gezielte und kreative Maßnahmen einen fortschreiten-den Verlauf der Erkrankung besser unter Kontrolle zu bekommen. Hier dürfen alle physiotherapeutischen Maßnahmen, egal ob aktiv oder passiv zur Anwen-dung kommen. Als Grundprinzip gilt: „Schmerz ist limitierender Faktor!“

Stillstand ist keine Option

Nichts in unserem Leben funktioniert ohne Bewe-gung. Und so liegt es nahe, dass nur gut bewegte Strukturen ihre Aufgaben stressfrei und funktionell richtig ausüben können. Im physiotherapeutischen Setting erlernen Sie die funktionell richtigen Be-wegungsabläufe und durch passive Maßnahmen lernen Ihre Strukturen zu entspannen. Auch zu Hause kann man damit weitermachen und leichte, tägliche Bewegung in den Alltag integrieren. Durch bewusste Auszeiten gönnen Sie ihrem Körper auch einmal eine stressfreie Zeit, was wiederum ihrem Immunsystem die nötige Energie bietet, um ebenso entspannt seine Arbeit zu erledigen, ohne dabei permanent in Alarmbereitschaft zu sein.

So gilt das Motto auch zu Hause: „Jede Bewegung, die Spaß macht, hilft, Ihren Körper zu entspannen!“
 

AutorIn

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Nicole Toniutti

Aus der Ausgabe

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2024|09

Bewegt-Magazin September 2024

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