PAIS Workshop Teil 2
Am Freitag 17.10.2025 fand der 2. Teil des Workshops, „Grundlagen auf Basis des Nationalen Aktionsplans für postakutes Infektionssyndrom - PAIS“, statt.
Die Idee und vor-Ort-Organisation oblag wieder dem Landesverband Salzburg und dem Zweigverein freiberufliche Physiosalzburg. Dazu wurden wir organisatorisch von phydelio großartig unterstützt. Zuvor mussten wir noch einen kurzfristigen Ortswechsel organisieren, da die dafür vorgesehene Räumlichkeit nicht mehr zur Verfügung stand. Ganz herzlichen Dank an Thomas Bamberger, der uns ohne zu zögern einen bestens ausgestatteten Raum in Eugendorf kostenlos zur Verfügung stellte.
Drei Referent*innen, Andreas Mühlbacher BSc. MSc., Monika Scheipl MSc. MSc. und Andrea Weiß, MSc. gaben vertiefte Einblicke in die Zusammenhänge und Behandlungsmöglichkeiten dieser Erkrankung, die viele verschiedene Gesichter hat.
Chronische Schmerzen und PAIS war das Thema von Andrea Weiß. Sie gab einen Einblick über das biopsychosoziale Schmerzmodell , die verschiedenen Schmerzmechanismen, wie eine Schmerzempfindung entsteht, welche Schmerzqualitäten es gibt, etc. Was alles in den Physiotherapeutischen Prozess einfließt, wurde mit Hilfe des oben genannten Schmerzmodells durchgedacht. Ein wichtiger Aspekt ist, Chronifizierungsrisiken zu erkennen um aktiv dagegen steuern zu können. Zwei pathophysiologischen Aspekte wurden im Bezug auf das postakute Infektionssyndromen identifiziert: das Mastzellaktivierungssyndrom und die Small Fibre Neuropathie (SFN). Und zum Abschluss besprachen wir wie neuropathische Schmerzen klinisch diagnostizieren werden und mit welchen Neuromodulationsmöglichkeiten wir positiv einwirken können.
Monika Scheipl ist im Anschluss auf Komorbitäten bei ME/CFS eingegangen. Dabei fallen Verdauungsprobleme und Beschwerden nach Nahrungsmittelkonsum in 70% am meisten auf. Hinweise auf POTS gibt es in 42%, Autoimmunerkrankungen und Schilddrüsen-Funktionsstörungen fallen in 29% auf. Physiotherapeutisch zu behandeln sind SNF, Mastzellenaktivierungssyndrom (MCAS), hypermobiles Ehlers-Danlos-Syndrom (hEDS) und der „Coat hanger pain“. Ein Fallbeispiel hat eindrücklich gezeigt, dass für Patient*innen bis zur Diagnosestellung Jahre vergehen, ohne dass sie eine adäquate Behandlung bekommen. Die physiotherapeutische Behandlung startet mit der Erhebung mehrerer relevanter Fragebögen, der Anamneseerhebung und des Symptom-Clusterns. Tests wie Handkraftmessung, HRV Messung und Nasa-Lean Test wurden durchgeführt. Die Behandlung wurde besprochen.
Ein praktischer Teil den Monika Scheipl und Andi Mühlbacher mit den Teilnehmer*innen durchgeführt haben, führte uns auf eine Reise in die Welt der verschiedenen Atemtechniken und Vagus Stimmulationen.
Zu guter Letzt hat uns Andi Mühlbacher über spezielle Pacing Strategien informiert. Was sich so einfach anhört, ist letztendlich eine genaue Abwägung für die Patient*innen, was zumutbar ist, ohne einen neuerlichen Crash herauszufordern. Heart Rate Monitoring verbunden mit Erholungsmanagement bedarf seitens der Behandler*innen und auch der Patient*innen einer genauen Beobachtung der körperlichen/kognitiven/emotionalen Reaktionen während und nach Aktivitäten. Dazu ist es essentiell, dass Patient*innen lernen müssen, ihre Symptome zu erkennen, welche beim Überschreiten der anaeroben Schwelle auftreten.
Auch diesmal verging die Zeit viel zu schnell und das zweite Fallbeispiel musste vertagt werden, in der Hoffnung, dass es einen 3. Teil gibt.
Text: Andrea Weiß, MSc.