Constance Schlegl ist die neue Präsidentin von Physio Austria

In der Antrittsrede richtet sie erste Worte an KollegInnen und Wegbegleiter

 

 

Weitblick, Diplomatie und Wertschätzung. Das sind drei der Eigenschaften, die ich untrennbar mit Silvia Mériaux-Kratochvila verbinde. Es sind Werte, mit denen sie 20 Jahre lang mit untrüglichem Instinkt und sicherer Hand unseren Berufsverband geführt und unseren Beruf vorangebracht hat.

Ich habe sie damals, im Jahr 2007, als neue Landesverbandsvorsitzende von Physio Austria in Niederösterreich gefragt, ob es etwas Besonderes gibt, das sie mir aus ihrer Erfahrung für meine neue Aufgabe verraten kann. Sie hat nach einigem Nachdenken geantwortet, dass es auf der Spielwiese der Berufspolitik auch immer ein Stückweit um die Reflexion der eigenen Person und das Einbringen der eigenen Persönlichkeit geht. Diese Worte erschienen mir damals sehr bedeutsam und begleiten mich bis heute. So möchte ich heute meinen Dank an sie richten. Dafür, dass sie immerwährend mit zuverlässiger Kontinuität in bewegten aber auch ruhigeren Zeiten unseren Verband mit aufrechter Haltung vertreten hat. Sie hatte immer ein offenes Ohr für meine Fragen, gab ihre Erfahrung bereitwillig weiter. Ihre kritischen Anmerkungen waren mir stets wertvolle und konstruktive Anregung. Es ist für mich eine große Ehre, in ihre Fußstapfen zu treten und den Weg weiterzugehen.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, liebe Freunde und Freundinnen, liebe Mitstreiter und Mitstreiterinnen! Dankbarkeit und Demut empfinde ich, dass ich nun als neue Präsidentin von Physio Austria fungieren darf. Ich möchte meinen Dank ganz besonders an jene richten, die mir Vertrauen schenken, obwohl sie mich noch nicht kennen und an jene, die mir vertrauen, obwohl sie mich kennen. Diejenigen, die mir noch nicht vertrauen, darf ich einladen, sich mit mir auszutauschen, um eine gute Basis für Weiteres zu schaffen. Der offene Dialog, möge er gerne auch kontroversiell sein, ist mir ein großes Anliegen.

Mit Physio Austria verbindet mich eine mittlerweile über zehnjährige Romanze und das Feuer in mir brennt wie am ersten Tag. Aus Unzufriedenheit mit dem Außenauftritt meines Berufsverbands und der übermütigen Haltung, es besser zu wissen und zu können, entsprang die Motivation, mich einzubringen. Bald hatte ich gelernt, dass das schlichte Einbringen von Ideen nicht genug war, um mitgestalten zu können. Dazu brauchte es weitere Zutaten: sich selbst zu gesundheitspolitischen Themen zu informieren, weiterzubilden, dieses Wissen umzusetzen und auch weiterzutragen. Stetiges Beharren war erforderlich, um von der Community ernstgenommen zu werden. Aber auch Geduld, wenn es um die Umsetzung von Verhandlungsinhalten zum Beispiel mit den Krankenkassen ging. Nicht einmal war ich drauf und dran, meiner Ungeduld und meinem Temperament freien Lauf zu lassen. First lesson learned: Ungeduld ist vergeudetet Energie. In der Ruhe liegt die Kraft, um Bewegung möglich zu machen.

Nach einigen Jahren in NÖ führten mich private Wege nach Wien und ich übernahm den Vorsitz im Wiener Landesverband. Hier hatte ich die Möglichkeit, einen anderen Aspekt der Funktionärstätigkeit kennenzulernen. Es folgte die Mitarbeit und Leitung im fachlichen Netzwerk Geriatrie von Physio Austria. 2016 wechselte ich ins Präsidium.

In meiner bisherigen Tätigkeit als Funktionärin durfte ich Erfahrung sammeln und vieles ausprobieren, persönliche Skills schärfen und in einem großartigen Team von hochmotivierten, ehrenamtlich tätigen Kolleginnen und Kollegen Veränderung und Fortschritt leben. Das war bisher eine großartige Reise – nicht immer einfach aber immer bereichernd und freudvoll. Ich sehe es als meine Verantwortung, die mitgebrachten und bei Physio Austria erworbenen Fähigkeiten mit maximalem Einsatz für unsere Gemeinschaft einzubringen.

Mein Fokus liegt darauf, unseren Beruf weiterhin zu stärken, die Autonomie voranzubringen, Arbeitsbedingungen zu verbessern, aber auch Bestehendes zu erhalten. Wenn wir über die Grenzen Österreichs hinausblicken, ist es durchwegs keine Selbstverständlichkeit, Rahmenbedingungen in Bezug auf Honorierung und Anerkennung des Berufs für das qualitätvolle Erbringen von Leistung an unseren Patientinnen und Patienten sowie Klientinnen und Klienten vorzufinden, die mit den unseren vergleichbar sind.

Die Stärkung unserer traditionellen Kernkompetenzen als Behandlerinnen und Behandler aber auch das Voranbringen unserer anderen Rollen als Gesundheitsförderer, Kommunikatoren, Forscher und Lehrende bedürfen unserer Aufmerksamkeit.

Physiotherapie mit einem eigenen Lehrstuhl als eigenständig anerkannte Wissenschaft in Österreich zu etablieren, ist eines meiner zentralen und wohl ambitionierten Ziele. Dazu bedarf es der Grundlage einer Durchlässigkeit von Bachelor zu Master und schließlich zum Doktorat.

Ebenso sind die Rahmenbedingungen für uns Physiotherapeuten und Physiotherapeutinnen in den Primärversorgungszentren zu definieren und zu schärfen – es erfordert Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Stakeholdern, um uns gut zu positionieren. Erfahrungen aus dem internationalen Raum sowie die Mitarbeit auf dieser Ebene stellen hilfreiches Input dar.

Die geplante Leistungsharmonisierung der Sozialversicherungsträger, die Novellierung unseres Berufsbilds mit den damit angestrebten und verbunden Veränderungen, die noch das ein oder andere Verhandlungsgeschick, aber auch eine gute Portion Glück verlangen werden, und natürlich die täglichen Anfragen und Herausforderungen werden uns die nächste Zeit gut beschäftigen.

Einer – oder in meinem Fall – eine alleine kann das niemals schaffen. Dazu bedarf es des Zusammenwirkens vieler. Wir sind ein starker Verband mit einzigartigen Funktionärinnen und Funktionären in den Landesverbänden und fachlichen Netzwerken. Wir haben ein ausgezeichnetes und loyales Büroteam hinter uns, um welches wir im internationalen Raum, wie ich kürzlich erfahren durfte, durchaus beneidet werden. Wir haben unsere Mitglieder, unsere so wertvolle Basis, die durch ihre Beiträge erst unsere Arbeit im Dienste der Physiotherapie ermöglichen. Wenn ich von unserem Physio Austria spreche, betrachte ich uns als Team, in dem einer auf den anderen achtgibt und jeder das tun darf, das er oder sie am besten kann, um schließlich gemeinsam erfolgreich zu sein.

Es ist mein großer Wunsch und ich darf alle Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten herzlich einladen, dass wir den Weg in einem guten Miteinander gehen, mit einer offenen Kommunikationskultur und wertschätzendem Umgang miteinander. Dabei sollen wir uns immer vor Augen halten, dass wir nur mit geeinter Stimme ausreichend gehört werden und nach außen stark sind! Ich habe mir zur Prämisse gemacht, dass meine Aufgaben dort sind, wo meine Gaben liegen. Ich freue mich darauf, die kommenden Herausforderungen im Namen der Physiotherapie mit unserem neuen Präsidium, dem Beirat und allen bei Physio Austria aktiven Personen bewältigen zu dürfen. Dabei sollen der Spaß und die Freude niemals zu kurz kommen, nach dem Motto: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

 

Constance Schlegl, MPH
Präsidentin von Physio Austria

 

Die Presseaussendung zum Wechsel an der Spitze von Physio Austria finden Sie hier.