Bericht vom GAMMA-Kongress in Wien

Am 26. und 27. Februar 2016 fand in Wien der 1. Kongress der Gesellschaft für die Analyse menschlicher Motorik in ihrer klinischen Anwendung (GAMMA) im orthopädischen Spital Speising, unter der hervorragenden Planung von Andreas Kranzl statt. Es fand sich zu dieser Veranstaltung ein interdisziplinäres Besucherfeld, allen voran SportwissenschafterInnen, weiters PhysiotherapeutInnen und ÄrztInnen, sowie MedizintechnikerInnen und TechnikerInnen verschiedener Universitäten, ein.

Zentrales Thema des Kongresses war die Ganganalyse. So unterschiedlich die Beobachtungsansätze und Forschungsinteressen waren, so unterschiedlich wurden Messmethoden und Anwendungen präsentiert. Ein Nutzen der Bewegungsanalyse liegt vor allem im Informationsgewinn über diverse Krankheitsbilder, sowohl im Bereich der Orthopädie, wie ich auch in der Neurologie, Traumatologie und Sporttraumatologie. Weiteres dient dieses Forschungsfeld der Kontrolle nach therapeutischer Intervention, in weiterer Folge der Evaluierung und Validierung von Therapiemöglichkeiten und der Forschung nach neuen Möglichkeiten. Im Bereich der Bewegungsanalyse sind vor allem videogestützte Systeme ein unverzichtbares Instrument, ebenso kinetische Apparaturen wie Kraft- und Druckmessvorrichtungen und Beschleunigungssensoren, sowie elektromyographische Ableitungsmöglichkeiten, was auf diesem Kongress eindrucksvoll gezeigt wurde.

Im Bereich der Ganganalyse wurden vor allem Forschungsergebnisse zur Evaluierung operativer Methoden an der unteren Extremität präsentiert. Und es konnte auch gezeigt werden, dass Analysesysteme ebenso zum Lernen motorischer Aspekte genutzt werden können, wenn Informationen in direktem Feedback, z.B. visuell über Video, an die betroffenen Personen während der Bewegung weiter gegeben werden, und das in Echtzeit.

Bewegungsanalysesysteme finden aber ebenso Einsatz im Bereich der Wirbelsäulenforschung, wie auch bei Untersuchung der oberen Extremität, beispielsweise nach Totalendoprothetik im Glenohumeralgelenk und in der Erforschung von Gliedmaßenersatz nach Amputationen.

Nach vielen Präsentationen von Statistiken, Methoden, Zahlen und Bildern brachte der Besuch des Ganganalyselabors des orthopädischen Spitals Speising ein auflockerndes Staunen für jene, die nicht täglich mit hochtechnischen Analyseapparaturen zu tun haben. Eine Weinverkostung mit ausgewählten Weinen am Abend des ersten Vortragstages bot entsprechenden Raum für gesellschaftliches Erlebnis und Networking.

Das Feld der Bewegungsanalyse scheint unabschätzbar groß, sowohl in der Forschung, wie auch in der direkten Praxisanwendung und ein ganz wesentlicher Aspekt ist auch hier die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Es wurde wieder einmal mehr deutlich, dass das Lernen voneinander und miteinander Kompetenzen bündelt, die Forschung präzisiert und den Informationsgewinn steigert.

AutorInnen: Für das fachliche Netzwerk Sportphysiotherapie: Karin Tresohlavy und Hans-Peter Hagmüller

(von links) Hans-Peter Hagmüller, MSPhT, Mag. Dr. Andreas Kranzl, Karin Tresohlavy, MSPhT, MSc