Hippotherapie ist Physiotherapie auf dem Pferd
Die Bewegung des Pferderückens überträgt sich auf das Becken des auf dem Pferd sitzenden Menschen.
Als Einstieg in diesen Beitrag Stimmen von Patient*innen:
„Das Pferd leiht mir die Beine.“
„Hippotherapie ist eine der coolsten Therapien, die es überhaupt gibt.“
„Wenn ich regelmäßig Hippotherapie habe, komme ich zu meinen Füßen hinunter und kann mir die Socken selber anziehen.“
„Durch die Hippotherapie habe ich es geschafft, so stabil im Rollstuhl zu sitzen, dass ich selbständig Einkaufen fahren kann.“
„Da werden meine Beine ganz locker.“
„Ich reite schneller als Mama und Papa gehen können.“
„Mit dem Rollstuhl kann ich nicht in den Wald fahren – mit dem Pferd bin ich im Wald.“
Wie wirkt Hippotherapie?
Bei der Hippotherapie überträgt sich die Bewegung des Pferderückens auf das Becken des auf dem Pferd sitzenden Menschen. Dadurch entstehen ähnliche Effekte im Körper der reitenden Person wie wenn diese Person zu Fuß gehen würde. Die Spannung in der Muskulatur reguliert sich, die Muskeln werden gekräftigt und die Atmung vertieft sich. Weiters richtet sich der Körper auf, der Horizont verändert sich, und nach der Therapie spürt die Person, dass sie sich körperlich betätigt hat. Regelmäßige Hippotherapie wirkt wie ein sportliches Training. Muskeln werden stärker, Bewegungsabläufe werden erarbeitet und Geschicklichkeit sowie Gleichgewicht werden erlernt und geübt. Krankheitsbedingte Defizite die Bewegungen verhindern oder stören, können durch die Hippotherapie ausgeglichen werden.
Wem hilft Hippotherapie?
Hippotherapie hilft Kindern und Erwachsenen mit körperlichen Beeinträchtigungen durch neurologische oder orthopädische Erkrankungen. Auch Personen mit genetischen Syndromen, Stoffwechselerkrankungen oder Menschen mit Erkrankungen sowie Störungen im Beckenbereich kann Hippotherapie unterstützen. Häufig ermöglicht das Therapiepferd den Patient*innen Bewegungserfahrungen, die im Alltag ohne Pferd unmöglich sind.
Ablauf von Hippotherapie
Damit solche Erfahrungen gemacht werden können und die Therapie auf dem Pferd wirklich zum Erfolg für die Patient*innen wird, braucht es speziell ausgebildete Physiotherapeut*innen, versierte Pferdeführer*innen und natürlich ein eigens ausgebildetes Hippotherapiepferd. Hippotherapeut*innen sind erfahrene Physiotherapeut*innen, können selbst reiten, haben Erfahrung mit Pferden und wissen, wie ihre Patient*innen auf das Pferd und wieder herunter kommen. Dieser sogenannte Transfer kann sehr unterschiedlich aussehen, wird individuell angepasst und ist bereits Teil der 30 Minuten dauernden Therapieeinheit.
Auf einem Hippotherapiepferd sitzt man meistens auf einer dünnen Decke damit die Pferdebewegung gut zu spüren ist. Ein kleiner Griff an einem Gurt ist nur zur Sicherheit gedacht. Wenn es möglich ist, sollte man sich nicht festhalten damit die Pferdebewegung gut im Körper wirken kann und nicht nur auf den Griff übertragen wird. Wenn nötig gibt es auch Gurte mit stabileren Griffen oder einen Sat-tel. Die Hippotherapeutin/der Hippotherapeut gewährleistet, dass die Therapie sicher, schmerzfrei und dem Therapieplan folgend verläuft. Bei einer Hippotherapie gibt es immer eine eigene Person, die das Pferd führt, so dass die Therapeutin ganz für die Patient*innen da sein kann. Auch wenn ein sogenanntes Tierrestrisiko besteht, kommt es in der Praxis glücklicherweise äußerst selten zu riskanten Situationen. Hippotherapie muss ärztlich verordnet werden und wird in allen Bundesländern mit einem Kostenzuschuss von den Krankenkassen unterstützt. In manchen Ländern fördern weitere Kostenträger die Hippotherapie zusätzlich.
Was ist der Unterschied zur „Reittherapie“?
„Reittherapie“ ist ein rechtlich nicht näher definierter Begriff. Jede*r kann sich diese Bezeichnung geben, auch wenn kein entsprechender medizinischer oder therapeutischer Grundberuf besteht. In Österreich bildet das Österreichische Kuratorium für Therapeutisches Reiten (OKTR) Personen aus unterschiedlichen Quellberufen zu Professionist*innen für pferdegestützte Interventionen aus. Es gibt vier Sparten des therapeutischen Reitens in Österreich.
• Hippotherapie - Physiotherapie mit Hilfe des Pferdes.
• Heilpädagogische und Therapeutische Förderung mit dem Pferd (HTFP): Die pferdegestützte Intervention wird von Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Krankenpfleger*innen, Sozialbetreuer*innen und Personen aus ähnlichen Berufe durchgeführt.
• Ergotherapie mit Pferd.
• Integratives Reiten: Reitwarte bieten Freizeit-und Leistungssport für Menschen mit Beeinträchtigung.
Es können in Österreich also ausschließlich Physiotherapeut*innen zur/zum Hippotherapeut*in ausgebildet werden. Sollten Sie Fragen zur Hippotherapie haben oder einen Therapieplatz benötigen, wenden Sie sich an das fachliche Netzwerk Hippotherapie von Physio Austria. Wie helfen Ihnen gerne weiter.

AutorIn
Anneliese Pachinger
Koordinatorin des fachlichen Netzwerks Hippotherapie