HERBSTDEPRESSION – Bewegung hilft!
Bereits 30 Minuten körperliche Betätigung an der frischen Luft reduzieren depressive Verstimmungen, Trägheit und Müdigkeit in den Wintermonaten.
Der Herbst mit seinen bunten Blättern ist zwar schön, doch mit den kürzeren Tagen kommen oft auch schlechte Laune und depressive Verstimmungen auf. Viele Menschen leiden in der dunklen Jahreszeit unter chronischer Müdigkeit, Antrieblosigkeit, Heißhunger und depressiver Verstimmung.
Besonders in den nördlicheren Breitengraden ist das winterliche Stimmungstief weit verbreitet und bis zu 75% der Bevölkerung leiden dort unter dem oft als „Winterblues“ oder „Herbstdepression“ bezeichnetem Zustand. In einigen Fällen kann dieser zu einer ernsthaften depressiven Störung, welche als SAD (saisonal abhängige Depression) definiert wird, führen.
Die SAD ist eine Depressionsform die sich durch ein deutlich zuordenbares saisonales Muster von der klassischen Depression abgrenzt. Neben der gedrückten Stimmung ist, ein vermehrter Schlafbedarf sowie Heißhunger auf kohlenhydrathaltige Lebensmittel charakteristisch für die SAD. Die Symptome gehen mit Frühlingsbeginn wieder zurück und kommen bei ausbleibender Therapie jeden Herbst wieder.
Die Ursache lässt sich auf den Mangel an Tageslicht zurückführen. Dieser stört unseren zirkadianen Rhythmus, unsere sogenannte „innere Uhr“. Diese Uhr regelt durch verschiedene Hormone, wann wir wach sind und wann wir schlafen.
Das Hormon Melatonin spielt hier eine Schlüsselrolle. Es wird bei Dunkelheit ausgeschüttet und signalisiert unserem Körper, dass es Zeit ist zu schlafen. In den Herbst- und Wintermonaten steigt die Melatonin Konzentration und führt zu verstärkter Müdigkeit und Trägheit. Der Gegenspieler ist das sogenannte Glückshormon Serotonin, es wird durch die Dunkelheit weniger produziert und kann so für die gedrückte Stimmung mitverantwortlich sein. Abgeschlagenheit, Müdigkeit, sozialer Rückzug, Heißhunger und die melancholische Stimmung sind Symptome die Lebensqualität und das allgemeine Wohlbefinden massiv beeinträchtigen.
Nun aber zum Positiven: Egal ob diagnostizierte SAD oder „Winterblues“, es gibt Tipps, die helfen können.
Bewegung wirkt wie eine natürliche Glückspille. Regelmäßige körperliche Aktivität setzt Endorphine frei, die als Stimmungsaufheller wirken. Außerdem werden Stresshormone wie Cortisol abgebaut, die Schlafqualität verbessert sich und der Körper hat mehr Energie.
Täglich 30 Minuten moderate körperliche Betätigung reichen bereits aus, um die Symptome positiv zu beeinflussen. Es muss also keine schweißtreibende Trainingseinheit sein – ein flotter Spaziergang oder eine kurze Runde mit dem Fahrrad kurbeln das System an und verbessern die Stimmung.
Körperliche Aktivität wirkt sich zudem positiv auf den Hirnstoffwechsel aus da sie die Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Gehirns anregt und das Wachstum neuer Gehirnzellen fördert. So werden wichtige kognitive Funktionen optimiert und unsere Stimmung positiv beeinflusst. Die aktuelle Studienlage zeigt klar, dass in der Therapie depressiver Störungsbilder, Bewegung hilft, die Symptome zu lindern.
Auch Sonnenlicht hat einen positiven Einfluss auf die Stimmung. Um dies zu beweisen wurden im Rahmen verschiedener Studien Personen in spezielle Licht-boxen, welche das natürliche Sonnenlicht imitieren, gesetzt. Das Licht stimuliert die Serotonin-Produktion in unserem Körper wodurch das bereits erwähnte „Müd–Macher–Hormon“, das Melatonin, gesenkt wird.
Keine Sorge – Sie benötigen keine spezielle Lichtbox, um die Lichttherapie anzuwenden, das natürliche Sonnenlicht hat nicht nur den gleichen Effekt, sondern ist auch für jeden kostenlos.
Diese beiden Ansätze lassen sich leicht in den Alltag integrieren. Ein Spaziergang in der Morgensonne, eine bewegte Mittagspause im Freien oder der Fußweg von der Arbeit können Wunder wirken.
Bewegung an der frischen Luft ist in der dunklen Jahreszeit ein absoluter Game Changer. Probieren Sie es aus und genießen Sie die Wintermonate mit frischer Energie!
TIPP!
• Nutzen Sie den Arbeitsweg für etwas Bewe-gung (Fahrrad, zu Fuß).
• Verbringen Sie die Mittagspause im Freien.
• Motivieren Sie Andere – gemeinsam ist es leichter!
Literatur:
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AutorIn
Elisabeth Hüttner, BSc
Koordinatorin des fachlichen Netzwerks Primärversorgung