Rückenschmerzen Arbeitsplatz
Am Beispiel eines Wirbelsäulen-Screening-Konzeptes.

Die physiotherapeutische Sprechstunde in Betrieben

Die österreichische Schmerzgesellschaft (ÖSG) errechnete, dass durch chronische Rückenschmerzen finanzielle Schäden direkt oder indirekt von ca. acht Milliarden Euro pro Jahr verursacht werden.

Physiotherapeut*innen können mit ihrem Wissen über die bio-psycho-sozialen Zusammenhänge einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Bewegungsfunktion und eine Belastungssteigerung bewirken.

Tatsache ist, dass die Anzahl an betrieblichen Angeboten durch Physiotherapeut*innen noch viel zu gering ist.

Das OrthoMotion®-Konzept – als ein Beispiel – kombiniert ein Online-Screeningverfahren mit physio-therapeutischer Diagnostik, um die Gesundheit der Mitarbeitenden in Betrieben zu fördern. 

Es berücksichtigt dabei sowohl medizinische als auch psychosoziale Aspekte von Beschwerden. Durch die Kombination von Screening, Diagnostik und Unterstützung bei der Verhaltensänderung wird die Gesundheit und Lebensqualität der Mitarbeitenden eines Unternehmens nachhaltig verbessert.

Das Konzept wurde in einem interdisziplinären Team entwickelt und wird seit 2012 in Organisationen und Unternehmen angewendet. Eine Reihenuntersuchung (Screening) wird mit einer physiotherapeutischen Sprechstunde, bestehend aus Anamnese und körperlicher Untersuchung ergänzt. Ziel ist es, Risikofaktoren für chronische Beschwerden frühzeitig zu erkennen und Mitarbeitende in verschiedene Gruppen je nach Vorhandensein eines Beschwerdebildes einzuteilen.

Reduktion der Arbeitsunfähigkeitstage

Die Ergebnisse werden anonymisiert und die Verteilung der Gruppen an das Management des Betriebes mitgeteilt. Eine Reduktion der Arbeitsunfähigkeitstage und des Umstandes, dass Mitarbeitende sich innerlich gezwungen fühlen, trotz Krankheit in die Arbeit zu gehen, sind mögliche Effekte.

Basierend auf den Resultaten werden maßgeschneiderte Angebote vorgeschlagen. Regelmäßige physiotherapeutische Sprechstunden können helfen, die unterschiedlichen Gruppen zu betreuen. Ein zentrales Element der Prävention und Rehabilitation ist die Förderung von nachhaltigen Verhaltensänderungen. Die regelmäßige Verfügbarkeit einer physiotherapeutischen Sprechstunde hat sich als wirksames Mittel erwiesen. Die Kombination mit einer betriebsärztlichen Zusammenarbeit bietet zusätzliche Unterstützung.

Strategien zur Unterstützung von Verhaltensänderungen:

•    Motivierende Gesprächsführung: Individuelle Gespräche fördern die intrinsische Motivation.
•    Schrittweise Zielsetzung: Kleine, erreichbare Ziele helfen, neue Verhaltensweisen anzunehmen.
•    Kontinuierliche Unterstützung: Regelmäßige Nachuntersuchungen und Feedback stärken die Bindung.
•    Integration in den Arbeitsalltag: Übungen und Maßnahmen werden leicht in den Tagesablauf integriert.

Die Integration von präventiven Gesundheitsmaßnahmen in den Arbeitsalltag, die kontinuierliche Begleitung durch Physiotherapeut*innen und ein unterstützendes Umfeld sind essenzielle Bausteine für eine langfristige Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität.

AutorIn

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Florian Georg Pichler, MSc

Leiter Physiozentrum Mariahilf

Aus der Ausgabe

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2025|03

Bewegt-Magazin März 2025

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