Überbelastung beim Sport
Überlastungssyndrome näher beleuchtet

AUSGEBREMST IN DER HOCHSAISON

Was haben „Tennisellenbogen“, „Läuferknie“, „Achillessehnen-Schmerzen“ und „Sehnenscheiden-Reizungen“ gemeinsam? Allesamt beschreiben sie Überlastungssyndrome bzw. Überlastungserscheinungen an Strukturen des Bewegungsapparates. 

Diesen Zuständen liegt ein Missverhältnis zwischen der tatsächlichen Belastbarkeit der jeweiligen Strukturen, und der Belas-tungen, die auf sie einwirken, zugrunde. Dieser Beitrag wirft ein Licht ins Dunkel der Überlastungserscheinungen. 

Überlastungssyndrome

Wenn über längere Zeit ein Missverhältnis zwischen der Belastbarkeit einer Struktur und deren Belastungen herrscht, kann sich ein schmerzhafter und funktions- sowie aktivitätseinschränkender Zustand entwickeln, ein Überlastungssyndrom. Die Belastbarkeit eines Gewebes beschreibt dessen Trainingszustand und auch substanziellen Zustand. Eine gut trainierte Läuferin entwickelt etwa eine dicke, kräftige und elastische Achillessehne, und ein/e erfahrene Bauarbeiter*in, die sich immer gut erholt, entwickelt substanziell kräftige und robuste Sehnen und Bänder in den Fingern und Händen. Zu den Belastungen muss man sämtliche Reize, die auf das Gewebe einwirken, hinzuzählen - Alltagsaktivitäten, berufliche Tätigkeiten und freizeit-bezogene Aktivitäten wie Sport oder Gartenarbeit. Wenn man sich von Belastungsreizen ausreichend erholt, kann der Körper seine Strukturen regenerieren und sogar deren substanziellen Zustand stärken. So funktioniert Training im Allgemeinen – einen fordernden Reiz muss der Körper in einer Erholungsphase verarbeiten. Wenn über lange Zeit keine fordernden Reize auf eine Struktur einwirken, so bildet der Körper aus Effizienzgründen die Substanz des Gewebes ein wenig zurück. Wenn die gut trainierte Läuferin etwa ein Jahr nie Laufen geht, so wird ihre Achilles-sehne etwas dünner und weniger kräftig werden. Erholung kann v.a. durch guten Schlaf, allgemeiner Ruhe bzw. Pause, oder auch zum Teil durch abwechselnde bzw. ausgleichende Tätigkeiten erzielt werden. Beispielsweise kann ein Spaziergang oder Joggen, was die Hände nicht belastet, für eine/n Handwerker*in eine gute Erholung für anstrengende Arbeitstage sein, die die Hände stark fordern.

Wege zur Überlastung

Es gibt mehrere Möglichkeiten, das erwähnte Verhältnis von Belastung und Belastbarkeit ins Ungleichgewicht zu bringen:

–    Intensität oder Umfang der Belastungsreize zu hoch für die individuelle Belastbarkeit (z.B. ohne ausreichende Vorbereitung einen Marathon laufen).
–    Eintönige Belastungsreize belasten immer die gleichen Stellen am Körper (z.B. Fließbandarbeit; Büro-Arbeit ohne Ausgleich durch Spazieren, Sport etc.; Läufer läuft immer mit demselben Schuh oder nur auf der Straße).
–    Nach langer Pause Wiedereinstieg auf dem gleichen Niveau (nach langer Pause nimmt die Belastbarkeit im Gewebe ab, während koordinative Leistungsfähigkeiten noch hoch sind).
–    Zu häufiger Reiz (zu kurze oder zu wenige Pausen zwischen den Belastungen an einem Tag, oder auch auf mehrere Tage oder Wochen kumulierend betrachtet).
–    Regenerationsfähigkeit des Körpers reduziert (viel Stress, wenig Schlaf, unausgewogene Ernährung, Verspannungen in umliegenden Gelenken).
–    Zu kurzes oder nicht sportart-spezifisches Auf-wärmen.
–    Kraftunterschiede in der Muskulatur, unpräzise Bewegungstechnik, eingeschränkte Beweglichkeiten.

Medizinisches und therapeutisches Vorgehen 

Die Diagnostik von Überlastungssyndromen ist primär die Aufgabe der Ärzt*innen. Die Basis stellt hierbei ein ausführliches Anamnesegespräch und die klinische Untersuchung dar. Zusätzlich werden bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall, MRT oder CT verwendet, um eine Diagnose zu bestätigen. Operationen sind nur selten bei Überlastungssyndro-men notwendig. Das Vorgehen ist häufig konservativ und fällt v.a. in die Expertise der Physiotherapie und weiterer MTD-Berufe (Medizinisch technische Dienste).

Der Rehabilitationsprozess beinhaltet ausführliche Information, aktive und passive Bewegungsübungen und einen progressiven Belastungsplan. Ziel ist es nicht nur, gewohnte Aktivitäten wieder ausführen zu können, sondern auch stärker und mit mehr Wissen aus der Problematik herauszukommen.

AutorIn

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Daniel Pölz, B.Sc.

Mitglied des Kompetenzteams des fachlichen Netzwerks Sportphysiotherapie

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2024|06

Bewegt-Magazin Juni 2024

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