Physiotherapie hilft bei psychischen Krankheitsbildern

Aktiver, belastbarer und selbstwirksamer mit Physiotherapie

150 Minuten Aktivität pro Woche haben nachweislich Wirkung bei psychischen Erkrankungen: Antidepressive und angstlösende Effekte sowie Spannungsabbau. 

Eine umfassende Studie (2025) fasst den aktuellen Forschungsstand zur Rolle von Bewegung bei psychischen Erkrankungen zusammen – mit klarer Botschaft: Bewegung ist weit mehr als ein „Nice-to-have“.

Die evidenzbasierte Wirksamkeit reicht von der Reduktion depressiver Symptome bis zur Unterstützung bei Schizophrenie und Angststörungen. Dabei greifen gleich mehrere Mechanismen: neurobiologische Veränderungen, psychosoziale Faktoren und eine verbesserte kognitive Regulation.

Doch was ebenso beeindruckt: Die Studie analysiert nicht nur Wirkung, sondern auch Implementierungsstrategien. So werden u.a. Barrieren wie fehlende interprofessionelle Zusammenarbeit oder strukturelle Hürden erörtert.

Als Physiotherapeut in der Psychiatrie sehe ich in dieser Arbeit eine wichtige Grundlage, um Bewegungstherapie nicht nur als Ergänzung, sondern als integralen Bestandteil psychiatrischer Versorgung zu verankern.

Physiotherapeutische Interventionen bei psychiatrischen Erkrankungen

Diese Übersicht stellt evidenzbasierte physiotherapeutische Interventionen für verschiedene psychiatrische Erkrankungen dar, mit Schwerpunkt auf Erwachsenen und ergänzender Nennung relevanter Studien zu Jugendlichen. Die Darstellung basiert auf randomisiert-kontrollierten Studien (RCTs), systematischen Übersichtsarbeiten und Metaanalysen.

Depression

Bei depressiven Störungen zeigen sich aerobes Ausdauertraining, Krafttraining und Yoga als besonders wirksam. Metaanalysen belegen eine klinisch signifikante Reduktion depressiver Symptome, vergleichbar mit Psychotherapie oder Pharmakotherapie (Schuch et al., 2023). Auch Jugendliche profitieren signifikant von körperlicher Aktivität (Carter et al., 2021).

Schizophrenie

Körperliche Aktivität verbessert insbesondere Negativsymptome und Kognition. Ausdauertraining reduzierte PANSS-Scores (Standardisierte klinische  Interviews) signifikant in mehreren RCTs (Firth et al., 2015). Die Evidenz stützt die Integration in multimodale Behandlungsansätze.

Angststörungen

Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelrelaxation und Atemübungen zeigen starke anxiolytische (angstlösende) Effekte (Manzoni et al., 2008). Körperliche Aktivität reduziert Angstsymptome moderat bis signifikant laut Umbrella-Review (Singh et al., 2023). Jugendliche profitieren besonders von Entspannungstechniken (Regehr et al., 2013).

Bipolare Störungen

Moderat dosiertes körperliches Training in depressiven Phasen kann Symptome signifikant lindern, ohne manische Episoden zu verstärken (Sylvia et al., 2023). Die Evidenz ist wachsend, aber noch begrenzt.

Substanzgebrauchsstörungen

Sport erhöht die Abstinenzrate signifikant und lindert Entzugssymptome. Metaanalysen bestätigen signifikante Effekte auf Angst, Depression und den Suchtdruck, das so genannte Craving (Wang et al., 2014). Bewegungsprogramme sind sicher und praktikabel. 

20-30 Minuten Bewegung für mentale Gesundheit

AutorIn

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Peter Fiala, BSc

Koordinator des fachlichen Netzwerks Mental Health

Aus der Ausgabe

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2025|06

Bewegt-Magazin Juni 2025

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