Mit Bewegung Diabetes vorbeugen
Diabetes Typ II: Die Bedeutung physiotherapeutischer Betreuung

Aktiv gegen Diabetes – mit Bewegung vorbeugen

Diabetes Typ II nimmt zu. Regelmäßige, individuell angepasste Bewegung kann vorbeugen oder den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen.

Diabetes Typ II ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen in Österreich. Schätzungen zufolge sind rund 700.000 Menschen betroffen. Besonders problematisch: Die Erkrankung bleibt häufig lange unerkannt, weil die ersten Anzeichen oft unspezifisch sind. Dazu zählen zum Beispiel allgemeine Erschöpfung, gesteigerter Durst oder Konzentrationsschwierigkeiten – Symptome, die leicht anderen Ursachen zugeschrieben werden. Wird die Diagnose schließlich gestellt, ist der Stoffwechsel meist bereits deutlich aus dem Gleichgewicht geraten.

Doch selbst dann ist es nicht zu spät: Lebensstiländerungen, insbesondere regelmäßige Bewegung, können den Verlauf von Diabetes Typ II deutlich positiv beeinflussen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass körperliche Aktivität den Blutzuckerspiegel stabilisiert und das Risiko für Folgeerkrankungen erheblich senkt. In vielen Fällen sind durch gezielte Bewegung vergleich-bare Effekte wie unter medikamentöser Therapie erreichbar, manchmal kann damit eine medikamentöse Behandlung sogar hinausgezögert oder ganz vermieden werden. Bewegung ersetzt Medikamente nicht grundsätzlich, sie ist aber eine zentrale, teils gleichwertige Maßnahme mit breitem Nutzen für Körper und Wohlbefinden. Physiotherapie bietet einen strukturierten, sicheren Rahmen, um Bewegung gezielt in den Alltag zu integrieren. Die Programme richten sich nach den individuellen Voraussetzungen: Alter, Vorerkrankungen, Beschwerden oder Alltagssituation. Im Mittelpunkt steht keine starre Planung, sondern eine persönliche, bedarfsorientierte Herangehensweise. Dabei kommt das Prinzip des „Shared Decision Making“ – also der gemeinsamen Entscheidungsfindung zwischen Patient*in und Therapeut*in – zum Einsatz, was in der modernen Medizin einen zentralen Stellenwert einnimmt. Ziel ist es, Bewegungsformen zu finden, die machbar, wirksam und motivierend sind.

 

Wussten Sie, dass...?

… durch gezielte Bewegung das Risiko, an Typ-II-Diabetes zu erkranken, um bis zu 58 % reduziert werden kann?

… feste Routinen helfen können, Bewegung langfristig beizubehalten? Schon nach 4-6 Wochen kann sich regelmäßige Aktivität als Teil des Tagesablaufs etablieren.

… bis zu 4% der österreichischen Bevölkerung an Typ-II-Diabetes leiden, ohne es zu wissen, weil die Erkrankung oft lange unbemerkt verläuft?

 

Besonders wirksam ist gezielte Kräftigung der Muskulatur. Übungen für große Muskelgruppen wie Beine, Rücken und Rumpf helfen dem Körper Zucker aus dem Blut besser zu verwerten. Das entlastet den Stoffwechsel und wirkt sich günstig auf die Gesundheit aus. Schon zwei kurze Einheiten pro Woche können spürbare Effekte er-zielen. Auch Ausdauerbelastungen wie Walking, Schwimmen oder Radfahren – idealerweise zumindest 150 Minuten pro Woche mit moderater Intensität – verbessern die Zuckerwerte deutlich und stärken Herz und Kreislauf. Wer wenig Zeit hat, kann durch hochintensives Intervalltraining (HIIT) profitieren: kurze, aber intensive Belastungsphasen mit Pausen dazwischen.

Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die Regelmäßigkeit. Bewegung muss nicht perfekt sein, sie muss stattfinden. Auch kleinere Aktivitätseinheiten, wie kurze tägliche Spaziergänge oder das Vermeiden des Aufzugs, wirken sich positiv auf den Stoffwechsel aus. Physiotherapeut*innen unterstützen dabei realistische Ziele zu setzen, begleiten Veränderungen und helfen dranzubleiben, besonders in herausfordernden Phasen.

Menschen mit Diabetes Typ II bringen oft unterschiedliche Bewegungserfahrungen mit. Von Unsicherheit über frühere Schmerzen bis hin zu Überforderung. Hier ist ein sensibler Umgang gefragt. Physiotherapeut*innen bieten nicht nur Übungen an, sondern auch Aufklärung und Sicherheit: Was darf ich tun? Worauf sollte ich achten? Wie erkenne ich Warnsignale wie z.B. Überlastung oder Unterzucker? Die Kombination aus Bewegung, Ernährung und medizinischer Betreuung hat sich als besonders erfolgreich erwiesen. Der Austausch zwischen Ärzt*innen, Ernährungsexpert*innen, Psycholog*innen und Physiotherapeut*innen ermöglicht eine ganzheitliche Betreuung. Denn Diabetes betrifft nicht nur den Blutzucker, sondern das gesamte körperliche und seelische Gleichgewicht.

 

TIPPS

Tipp 1: Ziele realistisch setzen: kleine Schritte führen oft weiter als große Vorsätze. 

Tipp 2: Täglich 15 Kniebeugen an der Küchenzeile. Gelenkschonend und wirksam für den Stoffwechsel. 

Tipp 3: Jede Stufe zählt: Wer Treppen statt Lift nutzt, verbessert den Zuckerstoffwechsel ganz nebenbei. 

 
Fazit:

Bewegung ist ein zentraler Baustein im Umgang mit Diabetes Typ II. Physiotherapie unterstützt Betroffene dabei, gesund aktiv zu bleiben oder wieder zu werden. Wissenschaftlich fundiert, individuell angepasst und alltagstauglich.

 

AutorIn

Philipp Holzer, MSc

Aus der Ausgabe

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2025|06

Bewegt-Magazin Juni 2025

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