Wiener Pensionsten- und Pflegeheime und die Dokumentations- und Auskunftspflicht

Immer wieder gibt es Diskussionen zwischen den Heimleitungen und freiberuflich tätigen PhysiotherapeutInnen über Art und Form der Auskunftspflicht an die betreuenden Pflegepersonen und weiteren Gesundheitsberufe, welche die Heimleitungen gerne auch unmittelbar in Form einer schriftlichen Dokumentation an das Pflegeheim in Anspruch nehmen würden.

PhysiotherapeutInnen sind gemäß MTD-Gesetz §11a zur Dokumentation aller gesetzten Maßnahmen (wie u.a. Befundung, Therapieziele und einzelnen Behandlungsschritt) als auch gemäß § 11 b Abs. 1 zur Auskunft an die gesetzlichen VertreterInnen der PatientInnen verpflichtet.
Gleichzeitig müssen PhysitherapeutInnen gemäß § 11b Abs. 2 auch Angehörigen anderer Gesundheitsberufe, die mit der Behandlung oder Pflege der/des betreffenden PatientIn betreut sind, die für die Behandlung oder Pflege erforderlichen Auskünfte erteilen.
Die Auskunft an Vertreter der PatientInnen und beteiligte Gesundheitsberufe muss nicht zwangsläufig schriftlich erfolgen. Die Dokumentationspflicht ist hingegen die Pflicht zur Führung einer schriftlichen Dokumentation, welche im Eigentum der/des freiberuflichen PhysiotherapeutIn steht und von dieser/-m ab Abschluss der Behandlung 10 Jahre hindurch in lesbarem Zustand aufbewahrt werden muss.
Dem steht die Aufforderung mancher Heimverwaltungen, unmittelbar in der hauseigenen elektronischen Dokumentation zu dokumentieren, gegenüber. Diese Aufforderung kann im Grunde genommen lediglich als Bitte verstanden werden, der bereits erwähnten bestehenden Auskunftspflicht nach § 11b Abs. 2 gegenüber (den hausintern mit den PatientInnen arbeitenden) Gesundheitsberufen doch auch in schriftlicher Form nachzukommen. Allerdings kann es sich dabei keinesfalls um einen Ersatz für die verpflichtende eigene Dokumentation bei freiberuflicher Tätigkeit handeln!
Dabei sollte auch darauf geachtet werden, dass die Auskunftspflicht nur in Bezug auf inhaltlich für die Arbeit der jeweiligen weiteren Gesundheitsberufe relevante Informationen besteht, keinesfalls jedoch mit der eigenen umfassenden Dokumentation verwechselt werden darf. Denn diese wird auch Inhalte beinhalten, die für die weiteren am Patienten arbeitenden Gesundheitsberufe mitunter nicht relevant sind und unter Umständen auch der Schweigepflicht unterliegende Informationen. Da die hausinterne Dokumentation auch anderen Personen(kreisen) zugänglich sein kann, als dem von der Auskunftspflicht umfassten Behandlungsteam weiterer Gesundheitsberufe, ist daher mit Bedacht vorzugehen. Insbesondere wird es wesentlich sein, die Inhalte entsprechend dem Bedarf der Adressaten in Bezug auf deren Behandlung und Pflege im Sinne der Auskunftspflicht (§ 11b Abs. 2) als auch die Verschwiegenheitspflicht (MTD-Gesetz §11c) zu gestalten. Eine „doppelte“ Dokumentation ist daher nicht nötig und meist auch nicht zulässig, da viele in der Dokumentation vermerkten Therapieinterna und Inhalte der Anamnese und Befundung entweder für die Arbeit der weiteren Gesundheitsberufe gar nicht relevant sind und daher im Rahmen der Auskunftspflicht nicht weitergegeben werden dürfen oder als Geheimnisse der Verschwiegenheitspflicht unterliegen.
Freiberufliche PhysiotherapeutInnen stehen in keinem dienstrechtlichen Verhältnis zu den Heimen und sind daher per se nicht Adressaten etwaiger hausinterner, für das Personal verbindlicher dienstrechtlicher Weisungen wie beispielsweise von Dokumentationsrichtlinien. Daher liegt es in der Verantwortung und Entscheidung jeder/s einzelner PhysiotherapeutIn, wie sie/er mit dem Ziel der optimalen und Betreuung der PatientInnen die eigene Verantwortung für die berufsrechtliche Dokumentations-, Auskunfts- und Verschwiegenheitspflicht mit etwaig schriftlicher Information an Heime in Einklang bringt.
Jene Informationen, die für eine optimale Akkordierung der Behandlung und Pflege einzelner PatientInnen an Ärzte- und Pflegepersonal notwendiger Weise weitergegeben werden müssen, gilt es in möglichst einfacher Form (z.B. eigenes Blatt, das dann vor Ort von Sekretärin eingescannt wird) an das Heim (in Bezug auf Informationen für deren Angestellte) oder auch an die weiteren beteiligten freiberuflich tätigen Gesundheitsberufe zu vermitteln. Rein rechtlich betrachtet muss und kann es aufgrund der Unterschiede zwischen freiberuflicher und angestellter Tätigkeit keine einheitliche Lösung für alle in einem Heim tätigen PhysiotherapeutInnen und Gesundheitsberufe geben. Dennoch bildet die Auskunftspflicht im MTD-Gesetz gegenüber weiteren an der Behandlung/Pflege beteiligten Gesundheitsberufen, die sich auf solche und die jeweils erforderlichen Auskünfte beschränkt, eine gute Basis für eine patientenzentrierte Kommunikation und ein gedeihliches Miteinander.

Sofern die PatientInnen ihre Zustimmung geben bzw. die Notwendigkeit der Informationsweitergabe an die Behandler/Pflege im Sinne des Patientenwohls und der Auskunftspflicht nach § 11b Abs. 2 MTD-Gesetz erforderlich ist, kann es in der Praxis durchaus sinnvoll sein, bestimmte Informationen auch schriftlich an die Wohn-/Pflege-Heimleitung zu geben. Aus Gesprächen des Landesverbandes Wien mit der Caritas, die 2011 stattgefunden haben, möchten wir hier beispielhaft auflisten, welche Inhalte sinnvoller Weise davon umfasst sein könnten:
1) Datum und Uhrzeit der jeweiligen Therapie
2) was gemacht wurde im Hinblick auf für die weiteren behandelnden/pflegenden Gesundheitsberufe relevante Informationen - nämlich: Physiotherapie bzw. einzelne gewählte Maßnahmen um z.B: an die Pflege den Belastungszustand mitzuteilen (nicht unbedingt Details zur Anamnese, Compliance und physiotherapeutischen Details)
3) Information wenn an dem Tag seitens des/der PatientIn keine Therapie möglich war mit der für weitere Behandler/Pflege relevanten Begründung (zB: Besuch war da, Patient war bei einer Untersuchung, besonders schwach/in schlechtem Zustand, nicht therapiefähig weil...)
4) Information wenn an dem Tag seitens des/der PhysiotherapeutIn keine Therapie möglich war - die Gründe müssen NICHT angegeben werden.
5) Medizinische/Allgemeine Auffälligkeiten oder Notfälle (Blutdruckkrise, Sturz, akute Verwirrtheit, plötzlich auftretende Übelkeit, Erbrechen, Äußerung von suizidalen Gedanken...) + kontaktierte Mediziner oder Rettung samt etwaiger wesentlicher Informationen/Warnungen/Handlungsanleitungen
6) geplante Abwesenheiten der/des PhysiotherapeutIn (Urlaub etc)
7) Kontaktdaten des/r TherapeutIn
8) Vertretung + Kontaktdaten selbiger (falls vorhanden)

Diese Informationen kann man z.B. im Heim hinterlassen - in einem separat aufbewahrten einzelnen Ordner der entsprechend seines Inhalts - personenbezogene Gesundheitsdaten - gesichert aufbewahrt wird und nur den berechtigten Personen zugänglich ist. Den Ordner darf nur der behandelnde Arzt bzw das Pflegepersonal einsehen. (Beliebigen) Angehörigen/Besuchern (die als Angehörige eben nicht per se zu vom Patienten genannten einzubindenden Vertrauenspersonen gehören), Personen die keine an der Behandlung/Pflege beteiligten Gesundheitsberufe darstellen, anderen BewohnerInnen als auch der Verwaltung darf er natürlich nicht ausgehändigt werden.
Aus unserer Erfahrung in Wien geht es den Heimleitungen häufig durchaus nur darum, eine Information über die Tätigkeit hausfremder (= nicht angestellter) Personen im Hause zu haben - auch um in sich anbahnenden oder bereits eingetretenen medizinischen Problemen oder auch Notfällen die wesentlichen Informationen an Arzt und Pflege vermitteln und adäquate Schritte setzen zu können.

Da der Landesverband Wien gerne bei Bedarf unseren KollegInnen spezifische Informationen direkt zukommen lassen möchte bzw. ebenso kleine Umfragen durchführen will, um aktuelle Argumente aus der Praxis in Kassenverhandlungen einbringen zu können, bitten wir Sie - wenn Sie in einem Pflege- und/oder Pensionistenheim tätig sind - um Bekanntgabe Ihrer aktuellen email-Adresse an wien@physioaustria.at.
Wir legen einen entsprechenden Verteiler an.