Verwirrtheit – Delir

Die Delirinzidenz ist bei älteren PatientInnen sehr hoch. KollegInnen, die regelmäßig mit älteren Patienten und Patientinnen arbeiten, haben mit hoher Wahrscheinlichkeit schon mit diesem Syndrom zu tun gehabt.

Schlechte Mitarbeit bei physiotherapeutischen Maßnahmen, Lethargie oder Bewegungsarmut könnten beispielsweise durch ein hypoaktives Delir verursacht werden.

PhysiotherapeutInnen sollten von diesem Syndrom wissen, da sie häufig regelmäßig und auch länger in Kontakt mit PatientInnen stehen und so auch Prodromalsymptome wie Nervosität, lebhafte Träume oder Halluzinationen wahrnehmen und mitteilen können.

Zusammenfassung des Artikels von Frühwald et al: Delir, Eine interdisziplinäre Herausforderung (Z Gerontol Geriat 2014 · 47:425–440)

Verwirrtheit ist ein Symptom, sie kann von einem Delir („akute Verwirrtheit“), von einer Demenz oder einer psychischen Störung verursacht werden. Auch die Begriffe „akuter Verwirrtheitszustand“, „Durchgangssyndrom“ oder „organisches Psychosyndrom“ werden noch immer häufig verwendet.

Die Wahrscheinlichkeit, ein Delir zu entwickeln, steigt mit dem Alter, vor allem wenn zusätzlich eine kognitive Beeinträchtigung vorliegt. Meist resultiert es aber aus einem multifaktoriellen Zusammentreffen von Erkrankungen, Umgebungsfaktoren, medikamentösen Wirkungen, psychischen Faktoren und Stressoren.

Die Delirinzidenz liegt bei

  • bis zu 50 % der in einem Akutspital aufgenommenen älteren Patienten
  • postoperativ bis zu 60 %, besonders nach Herzoperationen und hüftnahen Operationen
  • 70-90 % auf Intensivstationen
  • bis zu 90 % in der Terminalphase

Häufig wird ein Delir nicht erkannt. Patienten, die ein Delir erlebt haben, berichten von einer plötzlichen Änderung der Wahrnehmung der Wirklichkeit, von quälenden Empfindungen und Halluzinationen.

Es wird zwischen einem hyperaktiven Delir mit Unruhe, Agitiertheit etc. und einem hypoaktiven Delir mit Bewegungsarmut, Lethargie etc. unterschieden.

Das Delir kann wenige Stunden bis Monate dauern. Diagnostisch fällt die Unfähigkeit, Aufmerksamkeit zu fokussieren, die eingeschränkte Wahrnehmung von Umweltreizen, ein inadäquates Reagieren sowie eine situative Desorientiertheit auf.

Bei Demenzerkrankungen kann ein Delir auch durch Schmerzen bei Harnverhalt oder Frakturen ausgelöst werden.