Telerehabilitation

Aktuell medial stark begleitet ist das Thema Telemedizin bzw. Telerehabilitation. Dazu hat es im ASVG eine Novelle gegeben, durch welche klargestellt wird, dass die Rehabilitation die Telerehabilitation einschließt. Diese Ergänzung dient jedoch vielmehr der Vollständigkeit und rechtlichen Absicherung als einer wirklichen Änderung der Gesetzeslage. Physio Austria hat eine Kurzinformation zu wesentlichen Fragestellungen erstellt.

Was ist Telerehabilitation?

Telerehabilitation ist ein Begriff, der die Bereitstellung von „Rehabilitation aus der Ferne“ beschreibt, wobei auf moderne Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) als Übermittlungsinstrument zurückgegriffen wird. Diese internationale Entwicklung im Gesundheitswesen stellt auch im Bereich der Physiotherapie eine breite Palette an Technologien zur Verfügung. Dadurch soll eine ortsunabhängig kontinuierliche Behandlung erleichtert, der persönliche Kontakt zwischen PatientInnen und PhysiotherapeutInnen jedoch nicht ersetzt werden.

Mit den vielfältigen Möglichkeiten der Telerehabilitation sollen längerfristige Rehabilitationserfolge durch digital unterstützte, interaktive Systeme erzielt und Ergebnisse dokumentiert werden können. Diese Ergänzung der (ambulanten) Rehabilitation könnte somit einer „telematisch assistierten Rehabilitations-Nachsorge“ dienen.

PatientInnen sollen durch Telerehabilitation das bereits in der (herkömmlichen) Rehabilitation Erlernte leichter in den Alltag übertragen können. Dadurch soll auch eine Stärkung der Selbstverantwortung erzielt werden können. Ebenso soll es eine begleitende Kontrolle diverser Parameter ermöglichen. Die Evidenzlage hierzu ist in Ausbau begriffen. Eine gesetzliche Definition der Telerehabilitation gibt es bislang (für Österreich) nicht.

Welche Chancen bringt die Telerehabilitation mit sich?

Telerehabilitation stellt eine mögliche Ergänzung des physiotherapeutischen Tätigkeitsbereichs dar, um einen niederschwelligen Zugang zu qualitätsvoller Therapie im Rahmen der Rehabilitation zu gewährleisten. Telerehabilitation könnte daher insbesondere im extramuralen Bereich von freiberuflich tätigen PhysiotherapeutInnen eingesetzt werden.

Mögliche Behandlungslücken im Anschluss an eine Spitalsbehandlung könnten durch telerehabilitative Maßnahmen geschlossen, die Therapietreue der PatientInnen gesteigert und die Rehabilitation selbst somit potenziell nachhaltiger gestaltet werden.

PatientInnen, aber auch mobile PhysiotherapeutInnen können von einer Zeitersparnis durch das Wegfallen einer allenfalls erforderlichen Anreise profitieren. Die physiotherapeutische Versorgung in geografisch unterversorgten Regionen erhält dadurch Unterstützung. Die digitalen Entwicklungen können auch  motivationsfördernde Optionen im Rahmen der Physiotherapie bieten.

Welche kritischen Punkte gilt es hinsichtlich des Themas „Telerehabilitation“ zu beachten?

Als rechtliche Rahmenbedingungen der Telerehabilitation sind gesicherte Kommunikationswege und deren Infrastruktur sowie die Wahrung der Persönlichkeitsrechte unabdingbar. V.a. hinsichtlich der Speicherung und Übermittlung von hochsensiblen Gesundheitsdaten sind verfassungs- und datenschutzrechtliche Bestimmungen zu beachten.

Weiters muss sichergestellt werden, dass die Telerehabilitation immer nur ein zusätzliches Angebot zu bereits bestehenden Angeboten der (ambulanten) Rehabilitation mit persönlichem Kontakt darstellt und dass eine Barrierefreiheit gewährleistet ist.

Die Evidenzlage ist auf dem Gebiet der Telerehabilitation aktuell in Entwicklung begriffen. Zu berücksichtigen ist, dass eine Übertragbarkeit internationaler Studienergebnisse aufgrund unterschiedlicher gesetzlicher Grundlagen mitunter erschwert sein kann.

Wo wird Telerehabilitation eingesetzt?

Es hat sich gezeigt, dass die Nutzung von IKT im Gesundheitswesen häufig hinsichtlich einzelner Anwendungen und Anwendungsbereiche, aber nicht hinsichtlich der jeweilig involvierten Berufsgruppe (z.B. PhysiotherapeutInnen) untersucht wird. Es widmen sich insbesondere im Bereich der Neurologie und der inneren Medizin diverse Arbeiten dem breiten Gebiet der Telerehabilitation. Inhalte der Telerehabilitation können z.B.  sein: weiterführende Rehabilitation zuhause (Therapie, Kontrolle, Beratung), Sturzprävention, Unterstützung bei Mobilisierung und Transfers, Konsultationen (Übungsverordnung, Anpassungen von Hilfsmitten/Umfeld), angepasste (interaktive) Trainingsprogramme (z.B. Balance, posturale Kontrolle, Kräftigung)/individuelles Physiotherapieprogramm, Therapie-/Trainingseinheiten zu vorgegebenen Zeiten, Case Management/spezifisches Management (individuell Fragen/professionelles Feedback), Austausch (Professionals/andere Betroffene), individuelle Beratung und Schulung, gruppenbasiertes Symptom-Management-Programm, Steigerung der körperlichen Aktivität, Informations-/Aktivitätsvorschläge (propriozeptiv, visuell, vestibulär), körperliches Ausdauertraining, Überwachung/Telemonitoring Therapietreue, Sekundärprävention, Selbstmanagement, Übertragung von Vitalparametern, Bestärkung, Erinnerungen, Motivationsnachrichten, Informationen zur Entscheidungsfindung, Übermitteln/Überwachen von Symptomen und Werten/Parametern, Warnsystem/Alarmfunktion, komplexe Interventionen, gesundheitsrelevante Lerninhalte, Gruppentherapie, Austausch unter Professionals, eLearning, Status.

Dabei kommen mitunter folgende technologische Mittel zum Einsatz: Technologien zur Kommunikation (E-Mail, online Chat, Telefon, Sprachübertragung), Videotelefonie (+Standbilder), Videokonferenz, virtuelle Realität/Umgebung, Bewegungsanalysetools, Bewegungssystem-Sensoren, 3D-Bewegungsverfolgungssysteme, Computer mit spezieller Ausrüstung (NetMeeting,

Ganganalysesoftware, Video, Sprachübermittlung), tragbare Geräte (kabellose/Bluetooth-kompatible spezifische Instrumente), EKG-Aufnahme- und Übermittlungsgerät, Blutdruckmonitor, Waage, Pedometer, virtuelle Bibliothek, Zielerreichungssoftware, WebCam, Webseite, Spielkonsolen wie Xbox/Kinect, Übungsseite (Video, Texterklärung, Audiobeschreibung, Timer), verkabelte/kabellose Telemetrie, Echtzeit Fern-Assessment.

Gibt es schon Erfahrungswerte (aus dem Ausland) hinsichtlich Telerehabilitation?

Es gibt Erfahrungswerte, welche aber jedenfalls einer differenzierten und genaueren Betrachtung bedürfen. Relevante Faktoren sind bspw.: Welche Technologie wurde eingesetzt, für welche Zielgruppe zu welchem Zeitpunkt etc. (aktuell: https://www.csp.org.uk/physiotherapy-september-2018/article/effectiveness-physiotherapy-telerehabilitation-surgical).

 

Wien, 9.11.2018