Rückblick Webinar Motorische Kontrolle des Beckenbodens

Für eine sehr große Zahl an Interessierten konnten Dr. Andreas Sammer und Barbara Gödl-Purrer, MSc das Webinar „Motorische Kontrolle des Beckenbodens“ via Zoom anbieten.

Aus bekannten Gründen rund um Covid-19 ersetzte das Webinar die Frühjahrstagung des fachlichen Netzwerks GUP, die dieses Jahr somit virtuell stattfand – leider ohne Möglichkeit der Begegnung und vertiefenden Gespräche, auf der anderen Seite vielleicht ein Gewinn für viele der Zuseher, da sie keine Reisezeit und -kosten hatten.
Dr. Sammer entführte uns auf geniale Weise in die faszinierende Welt der Anatomie: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren eingeladen, unter seiner Anleitung die anatomischen Zusammenhänge im Beckenboden zeichnerisch zu erfahren. In einer dreiteiligen „Zeichenstunde“ konnten die spezielle Anatomie des Beckens und Beckenbodens unter besonderer Darstellung der Bindegewebsstrukturen sowie der neuralen Versorgung erfahren und geübt werden. Die Relevanz der „trockenen“ Materie veranschaulichte Dr. Sammer unter anderem anhand der Entwicklung der motorischen Kontrolle und mit einer Videoaufzeichnung eines Purzelbaums (sein Sohn wusste damals nicht, dass er Jahre später als Model fungieren würde).
Kurzweilig und interaktiv verlief der erste Block, ist das noch zu toppen? Im zweiten Teil beleuchtete Barbara Gödl-Purrer, Msc in gewohnt kompetenter und verständlicher Art die physiotherapeutische Funktion des Beckenbodens, so dass die Zeit wie im Nu verstrich.
Gerade, wenn man meint, „ Ja, das ist gut bekannt“, ist es faszinierend, wie spannend und vielseitig die funktionellen Kontrollmechanismen nach dem Motto "erkennen – verstehen – behandeln" unter dem Gesichtspunkt der FBL, Funktionelle Bewegungslehre von Klein-Vogelbach, wieder neu in Verbindung gebracht werden können. Barbara brachte die Interaktion der drei Systeme motorisch, sensorisch und kognitiv auch mittels der verschiedenen Konzepte des „Motorischen Lernens” sehr gut näher und strukturierte die therapeutische Arbeit in drei Prinzipien.
Das erste Prinzip, Wahrnehmung und Selektivität, zeigt wie über die Aktivierung der Mechanorezeptoren ein differenziertes Körperbild des Beckenbodens anzulegen oder zu erhalten ist. Das zweite Prinzip der bindegewebigen Gleitfähigkeit und Elastizität spricht den Stoffwechsel an. Die intrafasziale Mobilität wird verbessert und die selektive Rekrutierung von Muskeln wird stimuliert. Das dritte Prinzip widmet sich der Integration und Koordination. Die Interventionen üben die Muskelfunktion in das myofasziale Kettensystem zu integrieren und in synergistischen Funktionsketten des Bewegungssystems zu betten. Ziel ist es, die neu gewonnene motorische Selektivität in den Alltag einzubauen und zu nützen. Eine Aussage von Klein-Vogelbach rundet dies ab und erinnert an das reaktive Üben des Beckenbodens: Üben hilft, wenn man das Mögliche übt.
Mittels aktiver Übungen, Videosequenzen therapeutischer Techniken bzw Übungsreihen wurde der spannende Vortrag didaktisch bestens ergänzt. Eine Diskussionsmöglichkeit via Zoom rundete dies noch ab.
Ein herzliches Danke den Vortragenden für die durchaus lustvolle und persönliche Präsentation sowie der Technik und der Unterstützung durch das Bundesverbandsbüro von Physio Austria! Das fachliche Netzwerk GUP freut sich auf eine Fortsetzung der intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik, die demnächst hoffentlich auch wieder in Präsenz stattfinden wird können!

Die knöcherne Palpation beeinflusst die Körperorientierung und das Körperbild der Übenden
Hüftgelenk und Beckenboden bilden eine funktionelle Verbindung.
Nervenbahnen Pelvis