QUALITÄT IN DER PHYSIOTHERAPIE

Im Folgenden bieten wir eine Übersicht zu häufig gestellten Fragen. Dies soll dazu dienen, Ihre Leistungen zu reflektieren und bei Bedarf zu optimieren. Diese Information wurde auch als Sondernewsletter an alle Mitglieder die eine Mail-Adresse angegeben haben verschickt.

 Jede Physiotherapeutin/jeder Physiotherapeut ist darauf bedacht, dass sie/er eine optimale Leistung zum Wohle der PatientInnen erbringt. Besonderes Interesse an einer adäquaten Behandlung sowie das Anrecht darauf haben in erster Linie natürlich auch die Betroffenen, unsere PatientInnen. Diese wenden sich auch immer wieder an Physio Austria, wenn einmal eine Behandlung oder auch der Umgang einer Physiotherapeutin/eines Physiotherapeuten mit einer Patientin/einem Patienten „nicht ganz so optimal“ war. Physio Austria ist daher immer wieder mit Anfragen und Beschwerden von PatientInnen befasst und versucht im Sinne aller Beteiligten, eine gute Lösung zu finden und entsprechend aufzuklären. Häufige Beschwerden beziehen sich u.a. auf die Umsetzung der ärztlichen Verordnung, Rechnungslegung und Leistungserbringung.
 
Darüber hinaus sind auch PatientInnenvertreterInnen und Krankenversicherungsträger daran interessiert, dass die erbrachte Leistung dem aktuellen Stand entspricht, die berufsrechtlichen Auflagen erfüllt werden und unter Berücksichtigung der ethischen Grundsätze gehandelt wird.
 
Um dies zu überprüfen, besteht laufend die Möglichkeit, dass z.B. der Verein für Konsumenteninformation (VKI) diverse Einrichtungen des Gesundheitswesens und Angehörige gesetzlich geregelter Gesundheitsberufe – darunter auch freiberuflich tätige PhysiotherapeutInnen – testet, wie dies 2012 in Kooperation mit dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger in der Steiermark und in Vorarlberg der Fall war. Physio Austria hat damals umfassend berichtet. Anzumerken ist, dass der VKI nicht dazu angehalten ist, Physio Austria über geplante oder laufende Tests zu informieren noch allfällige Testergebnisse vor der Veröffentlichung an Physio Austria zu übermitteln. Aus diesem Grund kann Physio Austria keinerlei Einfluss auf den Ablauf der Tests nehmen noch vorweg informieren.
 
Physio Austria ist die Förderung einer qualitätsvollen physiotherapeutischen Leistung sehr wichtig. Wir erlauben uns daher einmal mehr auf wesentliche Themenbereiche hinzuweisen, die bei einer optimalen Leistungserbringung durch PhysiotherapeutInnen zu beachten sind, um Sie in Ihrer Berufsausübung zu unterstützen.

HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN:

Zählt die Befunderhebung zur Behandlungszeit?

Die Befundung (Erst- und Zwischenbefunde) stellt als integraler Teil der Therapie die Grundlage für die Festlegung der Behandlungsziele und Planung der Therapie dar und ist somit auch von der Therapiezeit umfasst. Eine Befundung ist essentieller Bestandteil der Therapie und kann – in Abhängigkeit des Beschwerdebildes, der zu wählenden Befundungsinstrumente, etc. – mehr oder weniger Zeit in Anspruch nehmen. Ergänzend zum eindeutig berufsrechtlich verankerten Erfordernis der Befunderhebung als Teil des physiotherapeutischen Prozesses wird die Befunderhebung beispielsweise im Qualitätspapier der VGKK explizit als Teil der Behandlung angeführt.

Wann habe ich als PhysiotherapeutIn freie Methodenwahl?

Das Berufsbild der Physiotherapie ist sehr weitreichend und beinhaltet unter anderem die Anwendung verschiedenster Methoden der Manuellen Therapie und Bewegungstherapie. Die ärztliche Verordnung bildet den berufsrechtlichen Rahmen für die eingeschränkte/freie Wahl der Behandlungsmaßnahmen. Wenn es sich um eine Globalverordnung zur „Physiotherapie“ handelt, haben Sie Methodenfreiheit, sollten aber immer berücksichtigen, dass die/der Verordnende meist bereits die Leistungspositionen der Kassen bei der Verordnung berücksichtigt. Wenn daher die Verordnung global auf „Physiotherapie“ lautet, muss man davon ausgehen, dass physikalische Anwendungen wie Elektrotherapie oder Ultraschall, die im Leistungskatalog der Kassen stets separat geführt werden, nicht damit gemeint sind. Selbstverständlich ist bei der Wahl der physiotherapeutischen Methode auc! h zu prüfen, ob die angewandte Methode nachweislich wirksam ist, und außerdem, ob sie für ein bestimmtes Krankheitsbild geeignet ist (siehe dazu auch diverse Leitlinien). Eine bewilligte Verordnung macht die Einhaltung der Kassenposition (Zeit, Inhalt) bei sonstigem Verlust der Kostentragung durch die Kassa erforderlich. Das offizielle Berufsprofil hält dazu bereits 2004 fest: „Die hohe Eigenverantwortlichkeit der […] PT im Berufsvollzug spiegelt sich im Anordnungsmodus wider, wenn 85 Prozent überwiegend globale Anordnungen ‚Physiotherapie’ erhalten.“ Wichtig, um mögliche Missverständnisse vorzubeugen sowie der Aufklärungspflicht einer Physiotherapeutin/eines Physiotherapeuten nachzukommen, ist, dass die/der PatientIn in die Planung der Therapie eingebunden wird.

Übernimmt die Krankenkasse Kosten für cranio-sacrale Therapie/Osteopathie?

Die Osteopathie wird durch das „Berufsprofil der/des Physiotherapeutin/-en“ des ÖBIG (Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen) als im Rahmen der Physiotherapie angewandte Therapieform/Technik aufgezählt. Diese Maßnahmen werden jedoch als „alternatives Konzept“ genannt.
In der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (4Ob156/04a) wird festgestellt, dass die cranio-sacrale Osteopathie in den Tätigkeitsvorbehalt von PhysiotherapeutInnen und ÄrztInnen fällt. Eine Person, die weder PhysiotherapeutIn noch ÄrztIn ist, darf die „cranio-sacrale Osteopathie“ nicht anbieten. Durch die Aussage des Obersten Gerichtshofs und des ÖBIG über die berufsrechtliche Zulässigkeit der Durchführung cranio-sacraler Osteopathie durch PhysiotherapeutInnen wird jedoch noch keinerlei Aussage über die Kostentragung durch die Sozialversicherung getroffen! Die berufsrechtliche Zulässigkeit der Durchführung alternativ-medizinischer Konzepte bedingt keinesfalls eine Verpflichtung zur Kostentragung durch die gesetzliche Sozialversicherung im Bereich von alternativ-medizinischen Heilverfahren – sie erfolgt auf der Grundlage des wissenschaftlichen Nachweises einer nachhaltigen Wirksamkeit. Zumeist wird der! Sichtweise des Obersten Sanitätsrats Folge geleistet. Vor diesem Hintergrund wird durch einzelne Kostenträger die strukturelle oder parietale Osteopathie zu den manuellen Techniken gezählt und als Kassenleistung anerkannt. Für die cranio-sacrale Osteopathie und die viscerale Osteopathie ist ein wissenschaftlicher Nachweis einer nachhaltigen Wirksamkeit jedoch bis dato noch nicht beigebracht worden. Daher müssen VertragspartnerInnen, die ausschließlich zur Durchführung von Kassenleistungen berechtigt sind, davon ausgehen, dass diese beiden alternativen Konzepte keine Kassenleistungen darstellen, die sie abrechnen dürfen, und im Wahlbereich keine Kassenfinanzierung erfolgt, sondern es sich um reine Privatleistungen handelt. Das Erfordernis einer ärztlichen Verordnung bleibt aber jedenfalls im Falle einer Krankenbehanldung - unabhängig davon, wer die Kosten übernimmt - aufrecht. Auch in diesem Zusammenhang (s.o.) ist die! Kommunikation mit der Patientin/dem Patienten über Behandlungsop tionen sowie mögliche Alternativen als Teil der Aufklärungspflicht zu berücksichtigen.

Wann darf eine Behandlung in Rechnung gestellt werden?

Beim Zustandekommen eines vereinbarten Termins zur Physiotherapie ist dieser natürlich auch mit einer entsprechenden Honorarabrechnung zu begleichen. Sofern ein solcher Termin von PatientInnen Seite frühzeitig beendet wird, ist eine vollständige Verrechnung zulässig – es kann jedoch zu kulanten einvernehmlichen Lösungen kommen. Wenn vereinbarte Termine nicht wahrgenommen werden können oder eine Therapieserie vorzeitig beendet werden soll, muss dies zeitgerecht mit der Therapeutin/ dem Therapeuten vereinbart werden, andernfalls werden zumindest anteilig Kosten verrechnet. Grundsätzlich sind diese für PhysiotherapeutInnen z.T. individuell gestaltbare Regelungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB festzuhalten und diese der Patientin/dem Patienten nachweislich zur Kenntnis  zu bringen (z.B. durch Aushang der AGB in der Praxis). Zu berücksi! chtigen ist jedoch, dass dieser Betrag nicht durch die Versicherten beim Krankenversicherungsträger zur Rückverrechnung eingereicht werden darf, und aus der Honorarnote hervorgehen muss, dass die Rechnung für einen zu spät abgesagten Termin gestellt werden musste.

Darf ich im Rahmen der Behandlung Foto-/Videoaufnahmen der PatientInnen machen?

Im Rahmen der Befunderhebung sowie zur Erfolgskontrolle werden in verschiedenen Bereichen der Physiotherapie vermehrt visuelle Dokumentationsverfahren zur anschaulichen Unterstützung angewandt. Um den rechtlichen Aspekten sowie dem Berufsethos gerecht zu werden, die Intimsphäre der PatientInnen zu wahren und umsichtig nach ethischen Richtlinien zu handeln, hat eine Aufklärung über die Anfertigung solcher Foto-/Videoaufnahmen zu erfolgen und ist eine Einverständniserklärung der Patientin/des Patienten einzuholen. Bei der Aufbewahrung und weiteren Verwendung ist auf jeden Fall, wie bei der Dokumentation allgemein, der Datenschutz zu beachten. Es wird sich bei den im Rahmen der Befundung bzw. Behandlung durchgeführten Foto-/Videoaufnahmen regelmäßig um einen Teil der Krankengeschichte handeln, der somit wie vergleichbare schriftliche Unterlagen in gleicher Weise! den Regelungen des MTD-Gesetzes im Bezug auf die Dokumentation, Aufbewahrung und Einsichtnahme unterliegt.

Wo finde ich weitere Informationen?

Wir informieren Sie laufend über aktuelle Themen via Newsletter sowie unser inform und inform exklusiv. Ebenfalls erhältlich sind diverse Informationsblätter, die Ihnen einen vertieften Einblick bieten. Physio-Austria-Mitglieder finden diese im Mitgliederbereich auf der Website http://www.physioaustria.at/infoblaetter u.a. zu folgenden Themen:
Nr.01a „Die ärztliche Anordnung“
Nr. 06 „Dokumentationspflicht“
Nr.16, 17 „Allgemeine Geschäftsbedingungen für den Behandlungsvertrag“
Nr. 21 „Aufklärung durch freiberufliche PhysiotherapeutInnen vor einer physiotherapeutischen Behandlung“
Nr. 22 „Eigenverantwortlichkeit und Durchführungsverantwortung“
 
Gerne weisen wir Sie auch noch einmal auf die neueste Drucksorte von Physio Austria hin, das Poster „Der Physiotherapeutische Prozess“, das dem aktuellen inform exklusiv beigelegt wurde bzw. auch auf der Homepage unter https://www.physioaustria.at/allgemeine-information/physiotherapie zu finden ist. Hier werden die wesentlichen Schritte einer physiotherapeutischen Behandlung anschaulich darstellt.

Eine Auflistung aller Infoblätter finden Sie hier.