Interview mit Dr. Birgit Richter-Friedrich

Die Laserakupunktur wurde in Graz mitbegründet und bietet unterschiedlichen Berufsgruppen, z .B. auch PhysiotherapeutInnen, die Möglichkeit, Akupunktur anzuwenden. Birgit Richter-Friedrich ist Allgemeinmedizinerin mit TCM-Schwerpunkt und Lehrende der Österreichischen Gesellschaft für kontrollierte Akupunktur. Im Interview beantwortet sie Fragen über die Wirksamkeit und wissenschaftliche Erkenntnisse rund um Akupunktur und Laserakupunktur. Hier finden Sie die Langfassung des im Inform 3/2019 abgedruckten Interviews.

Das Feld der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wird oftmals als alternative Heilmethode angesehen. Fr. Dr. Richter-Friedrich ist Allgemeinmedizinerin mit Ausbildung in traditionell chinesischer Medizin und unterrichtet in der ÖGKA (österreichische Gesellschaft für kontrollierte Akupunktur). Claudia Bäumel spricht mit ihr über allgemeine Aspekte der TCM und deren Zugänge, die Laserakupunktur und neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die im Rahmen der „evidence based medicine“ immer mehr an Bedeutung gewinnen.
Laserakupunktur ist im Rahmen der physiotherapeutischen Behandlung bei entsprechender Ausbildung erlaubt, da die Integrität der Haut gewahrt bleibt. Sie kann auch im Rahmen der Prävention angewendet werden.
Die traditionell chinesische Medizin beinhaltet einen ganzheitlichen Zugang, der die Ernährung, die Bewegung (z. B. Tai CHI, Qi Gong), chinesische Kräutermedizin sowie physikalische Anwendungen, Tuina (Massage und Bindegewebsmanipulation), Gua Sha (Schaben, Kratzen mit einem Porzellanlöffel, Horn o. Ä.), Schröpfen (Saugglocken, die ein Vakuum erzeugen) und Akupunktur miteinschließt.

 

 

Bei individualisierten Behandlungen ist die allgemeine Wirksamkeit schwer zu belegen. Was können Sie uns zur Wirksamkeit der TCM sagen?
Die Wirksamkeit ist hinlänglich durch eine Vielzahl von internationalen Studien belegt, gerade im Hinblick auf Akupunktur bzw. Laserakupunktur durch die renommierte Laserakupunkturforschung in Graz. Dr. Johannes Bischko ist es zu verdanken, dass Akupunktur im Jahr 1986 als wissenschaftliche Heilmethode durch den Obersten Sanitätsrat Österreichs anerkannt wurde. Im Jahr 1991 erfolgte die Schaffung des Ärztekammerdiploms für Akupunktur der Österreichischen Ärztekammer als Qualitätssiegel der Ausbildung. Das ist quasi der Ritterschlag gewesen. Auch im Bereich Kräutermedizin, Tuina und Qigong ist die Studienanzahl im Zunehmen, wenn auch nicht so eindrucksvoll. Abgesehen von der wissenschaftlichen Sichtweise beobachten und bestätigen die Anwender und 90% der Behandelten eine eindeutige und unumstrittene klinische Wirkung.

Das heißt, die allgemeine Wirksamkeit ist schon ein alter Hut? Werden nun neue Bereiche erforscht?
Genau, diese Wirksamkeitsnachweise gibt es schon seit mehr als dreißig Jahren. In China natürlich schon länger. Durch die Forschungen vor allem im amerikanischen Raum sind Wirkmechanismen auch für die westliche Medizin verständlicher geworden. Auch durch die neuen Methoden der Bildgebung sind neue Erkenntnisse gewonnen worden. Jetzt wird immer mehr in den einzelnen Fachgebieten geforscht.

Wo liegen die Hauptanwendungsgebiete der TCM, aber auch die Grenzen?
Die große Domäne ist im Akutbereich und in der Prophylaxe- Prävention. Also banale Akutverletzungen oder sogenannte Befindlichkeitsstörungen.

Befindlichkeitsstörung ist ein Ausdruck dafür, wenn man schulmedizinisch noch nichts findet aber die Patienten schon leiden?
Genau. Wenn die Schulmedizin was findet, ist es oftmals schon recht spät. In der TCM lernt man auch die Konstitution einzuschätzen und hat unterschiedliche Möglichkeiten, schon präventiv zu handeln. Aber ganz klar ist die Notfallsmedizin und die Behandlung von schwerwiegenden Erkrankungen Aufgabe der Schulmedizin, genauso wie alle chirurgischen Maßnahmen.
Ganz wichtig sind die Prävention und das frühzeitige Erkennen. Durch die unterschiedlichen Diagnostikmittel wie z. B. Zungendiagnostik kann man Tendenzen und Konstitutionen früher erkennen. Bei den Befindlichkeitsstörungen fallen mir als Beispiel Schlafstörungen ein. Man kann aufgrund der Art, also zum Beispiel eine Einschlafstörung, Durchschlafstörung unterscheiden. Man behandelt dann den zugehörigen Meridian. Die Ying-Phase [Anm.: Erholungsphase, Nacht] ist wichtig für die Erholung und Regeneration, auch für Sportler. Wenn man dem keine Beachtung schenkt, dann kann daraus ein chronisches Problem entstehen.

Die TCM wird aber auch bei schwerwiegenden Erkrankungen und chronischen Erkrankungen eingesetzt. Wie ist das zu verstehen? Gibt es ideale Einsatzbereiche?
In erster Linie bei allen funktionellen Schmerzen im Bewegungsapparat, zum Beispiel bei ISG-Blockaden mittels Ohrakupunktur, ISG-Laser sowie Tuina und Schröpfen), in zweiter Linie bei Befindlichkeitsstörungen und funktionellen Beschwerden wie Blockaden in verschiedenen Organsystemen, des Weiteren bei psychischen und vegetativen Ungleichgewichten zur Wiederherstellung des Wohlbefindens, aber auch als Unterstützung zusätzlich zu anderen Therapieformen bei schwereren Erkrankungen. Man kann die Nebenwirkungen von Medikamenten beeinflussen, zum Beispiel bei Chemotherapie die Übelkeit und die Hitzeerscheinungen bei Bestrahlung, oder bei Diabetes die Insulingabe reduzieren. Durch die Akupunktur kann man auch versuchen, zum Beispiel eine Blutdruckreduktion oder Schmerzmittelreduktion zu erwirken. In manchen Krankenhäusern stehen Geräte wie die Laserneedle, die für die Laserakupunktur verwendet wird, ohne viel genutzt zu werden. Man kann die Behandlung als patientenschonende Maßnahme verwenden und die vielen Einsatzmöglichkeiten nutzen, zum Beispiel als Palliativmaßnahme im Hospiz, zum Beispiel bei Unruhe oder Übelkeit oder bei Wundheilungsstörungen. Auf ganz sanfte Art und Weise.
Wie sehen Sie PhysiotherapeutInnen als Lernende? Sind sie zu kritisch?
PhysiotherapeutInnen sind sehr kritisch. Das sehe ich als Vorteil. Kompetentes und kritisches Publikum zu überzeugen, ist eine große Herausforderung, die ich gerne annehme und angesichts der bereits vorhandenen wissenschaftlichen Grundlagenforschungsergebnisse nicht scheue. Bei gleicher Ausbildung in der TCM sind direktere Anweisung durch den Arzt möglich. Man kann also Techniken, zum Beispiel Tuina oder Schröpfen, anweisen, wenn sie indiziert sind. So wäre eine ideale Zusammenarbeit zum Wohle des Patienten möglich.

Wie schätzen Sie die Meinung und Akzeptanz der Gesellschaft gegenüber der TCM ein?
Gesellschaftlich ist eine jährliche Zunahme der Inanspruchnahme von naturheilkundlichen Verfahren seitens der Bevölkerung nachweislich erkennbar. Dieser Trend begann bereits in den 90ige- Jahren und hält bis heute an. Fragwürdige und teilweise bedenkliche Methoden, die nicht von ÄrztInnen, PhysiotherapeutInnen oder medizinischen Fachkräften angeboten werden, werden dabei von unkritischen Klienten ebenfalls in Anspruch genommen. Mir ist daher besonders wichtig, die TCM, insbesondere die Akupunktur, von diesen Methoden abzugrenzen, da es dazu eindeutige wissenschaftliche Grundlagen und Nachweise der Wirkung gibt.

Das Feld der traditionell chinesischen Medizin wird als alternative Heilbehandlung immer beliebter. Wie hat sich das Bild der TCM entwickelt?
Die TCM eignet sich hervorragend als unterstützende Maßnahme, da der Vorteil von Akupunktur, Tuina und Qigong darin liegt, dass keinerlei negative Interaktionen mit anderen Therapien auftreten können und sie aus diesem Grund mit jeglicher schulmedizinischer Behandlung kombiniert werden können. Andere Behandlungstechniken, Ernährung und Kräutermedizin müssen als unterstützende Maßnahme sehr gut angepasst werden, da es ansonsten unter Umständen zu unerwünschten Wirkungen kommen kann. Der interessanteste Aspekt an der TCM ist, dass sie ein eigenes, ganzheitliches Medizinsystem darstellt, das es erlaubt, unsere schulmedizinische Sichtweise zu bereichern und zu ergänzen. Diese Ganzheitlichkeit ist, meiner Beobachtung nach, der Grund, warum immer mehr Menschen sich zur TCM hingezogen fühlen: Weil sie sich dort als ganzer Mensch, mit all seinen körperlichen, emotionalen und psychischen Besonderheiten gesehen werden, mit individuellem Zugang und individueller Auswahl der Behandlungsmethode.

Welche fundierten Zugänge gibt es in Österreich für Akupunktur?
In Österreich gib es drei große Akupunkturschulen, eine davon ist die Österreichische Gesellschaft für Kontrolliere Akupunktur von Dr. Leopold Dorfer. Ein weiterer Zugang ist die Auriculomedizin – Ohrakupunktur. Da ist das Ohr als Mikrosystem im Zentrum. Paul Nogier hat die französische Ohrakupunktur begründet. Dieser Zugang ist auf neurophysiologischen Tatsachen fundiert, gegenüber der chinesischen Herangehensweise, die symptomorientiert energetische Störungen behandelt. Die Auriculomedizin liefert einen wissenschaftlichen Zugang über den RAC. Der von Paul Nogier eingeführte auriculo-cardiale Reflex [Anm.: VAC vaskuläres autonomes Signal] bezeichnet eine kurzzeitige Reaktion des menschlichen Kreislaufs auf Reizung bestimmter Akupunkturpunkte. Das wurde sogar in der renommierten Zeitschrift „Frontiers in Physiology“, dem am meisten zitierten Physiologie-Journal der Welt, publiziert.

Das klingt fast zu einfach. Wenn ich das richtig verstehe, tastet man den radialen Puls und testet dann die Akupunkturpunkte durch. Und wenn der Puls reagiert, dann lasert oder sticht man ihn?
Ja, genau. Und das kann man hervorragend kombinieren. Ohr- und Körperakupunktur. Vorgestellt wurde das erstmals von der RAC international unter dem Titel „Investigation of a microtest for circulatory autonomic nervous system responses“. Moser, Frühwirth, Messerschmidt, Goswami, Dorfer, Bahr und Opitz präsentierten den RAC als perfektes Tool für Testungen der aktuellen Reaktion des Vegetativums. Eingehende Prüfungen der eingereichten Arbeit durch die Reviewer sind dieser Veröffentlichung vorausgegangen. Somit können ab sofort der RAC und die darauf basierende Aurikulomedizin als anerkannte Methoden gelten.

Laserakupunktur wurde in Graz mitbegründet und findet weltweit einen regen Einsatz. In welchen Bereichen wird die Laserakupunktur eingesetzt? Wie wirkt sie?
Dr. Litscher und Dr. Dr. Weber haben die ISLA, die International Society for Medical Laser Applications, gegründet. Die Internationale Gesellschaft für Medizinische Laserapplikationen, die ISLA, wurde 2005 unter dem Vorsitz von Dr. Michael Weber aus Lauenförde in Deutschland und Prof. Dr. Gerhard Litscher aus Graz als Forschungsorganisation im Bereich der Low-Level-Lasertherapie gegründet.
Die ISLA hat sich als Ziel gesetzt, Forschung, Lehre und klinische Anwendung der medizinischen Lasertherapie weltweit voranzutreiben. Sie macht neueste Forschungsergebnisse aus dem Bereich der Lasertherapie bekannt, führt weltweit Schulungen von ÄrztInnen durch, entwickelt erfolgreiche Protokolle für verschiedenste Pathologien und pflegt Kooperationen mit Universitäten und Forschungseinrichtungen. Der Forschungsschwerpunkt liegt auf den Bereichen der intravenösen, intraartikulären und photodynamischen Lasermedizin, in denen die ISLA seit Jahren die weltweit führenden Experten zusammenbringt und bereits zahlreiche Studien initiieren konnte. Im Fokus dieser Studien steht die Behandlung von Schmerzen, Diabetes, kardiovaskulären Erkrankungen, Infektionskrankheiten und Autoimmunerkrankungen. In den letzten Jahren wurde auf dem Gebiet der medizinischen Lasertherapie ein großer Forschungsaufwand betrieben. In den diversen Studien konnten die früher präsentierten Effekte und Ergebnisse zu einem großen Teil bestätigt bzw. sogar erweitert werden. Deshalb gibt es bereits jetzt weit über tausend praktische Anwender weltweit, die in verschiedensten Bereichen mit der medizinischen Lasertherapie zum Wohle ihrer Patienten arbeiten.

Bei der Recherche zu diesem Interview bin ich auf ein breites Einsatzspektrum der Laserakupunktur gestoßen: von Behandlung auf der Frühchenstation, im Entwöhnungsprozess bei Abstinenzsyndromkindern über Phantomschmerzen bei Amputationen, auf gynäkologischen Ambulanzen bis hin zu Schmerzen im Bewegungsapparat. Wo liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Nadelakupunktur?
Das Anwendungsspektrum entspricht dem der klassischen Akupunktur: bei Schmerzen des Bewegungsapparates, zum Beispiel am Rücken, den Gelenken, Sehnen, Muskeln oder bei Rheuma, bei orthopädischen Erkrankungen wie Arthrosen, Arthritis, Bursitis, Tendovaginitis, bei Entzündungen, Zerrungen, Verstauchungen, Degenerationen, Hämatomen, auch postoperativ, in der Rehabilitation, bei Hauterkrankungen, Erkrankungen des Immunsystems, Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen, Bronchial- und Lungenerkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen, neurologischen Erkrankungen, psychische Erkrankungen, gynäkologische Erkrankungen und vielem mehr.
Wie schon gesagt gibt es Grenzen der Therapie bei Krebsleiden, MS, ALS, endogenen Depressionen, Schizophrenie. Vorsicht auch in der frühen Schwangerschaft! Die Laserakupunktur soll auch nicht angewendet werden, wenn Augenirritationen bestehen, offene Fontanellen, Gehirnverletzungen oder wenn Photosensibilität besteht. Sie kann auch nicht bei dunkler Haut angewendet werden.

Wie kann man die Wirkweise lokal und global beschreiben?
Aus chinesischer Sicht wird lokal am Ort des Einstichs bzw. der Laserung Qi – Lebensenergie – und Blut angelockt, was zu vermehrter lokaler Durchblutung, gesteigerter Sauerstoffversorgung vor Ort, Verbesserung des lokalen Zellstoffwechsels und Lymphabflusses führt. Über die Energieleitbahnen – Meridiane – kann Qi bzw. Blut in bestimmte Regionen des Körper verschoben werden, Ungleichversorgungen können ausgeglichen und stagnierendes, gestautes Qi – Blut – kann bewegt werden. Gelingt es mit der Auswahl der richtigen Punkte und eventuell mit zusätzlichen Techniken, ein Gleichgewicht herzustellen, zeigt sich dies klinisch anhand der Abnahme oder des Verschwindens der Symptomatik.

Gibt es westliche Erklärungen für die Wirksamkeit der TCM?
Die traditionelle Ansicht, dass durch TCM Methoden Qi und Blut, Yin und Yang beeinflusst werden, lassen sich wissenschaftlich auf anderer Ebene erklären. Akupunktur bewirkt über das Nervensystem [Anm.: Nozizeptoren, afferente Nervenfasern, efferente Nervenfasern], die Degranulation von Mastzellen und die Freisetzung von Gewebsmediatoren – zum Beispiel Histamin, Bradykinin, Substanz P, ATP – und die Steuerungsmechanismen [Anm.: Cortex, Hypothalamus, limbisches System] eine Steigerung der Durchblutung, Schmerzunterdrückung, eine Senkung der Muskelspannung, Entzündungshemmung, Immunstimulation, Funktionsanregung, und psychischen und vegetativen Ausgleich. Bei der Laserakupunktur ist das Erreichen eines bestimmten Schwellenwerts im Gewebe notwendig. Das heißt: Bei ausreichend langer Bestrahlung und adäquater Strahlungsstärke kumuliert die Energie am bestrahlten Punkt. Wenn der Schwellenwert erreicht ist, wird die gleiche Kaskade wie bei der Nadelakupunktur ausgelöst.

In der traditionell chinesischen Medizin kommen noch andere Techniken zum Einsatz wie z. B. Tuina, Schröpfen etc. Wie wird die Wirksamkeit beschrieben?
Die Tuina-Therapie ist eines der wesentlichen Heilverfahren der chinesischen Medizin. Die Hauptwirkung dieser Heilmassage und manuellen Therapie liegt im Bewegen von Qi und Xue – Blut. Als Folge lösen sich Blockaden und Verhärtungen sowie Verklebungen in Sehnen, Muskeln und Bindegewebe. Dies wiederum beseitigt oder lindert die damit einhergehenden Schmerzen und korrigiert Fehlstellungen der Gelenke. Neben Schmerzen lassen sich aber auch funktionelle Störungen wie z. B. Schlafstörungen, Dysmenorrhoe, Magen-Darm-Erkrankungen oder Erkältungen mit Tuina behandeln. Wärmebehandlungen werden über Moxibution durchgeführt. Sie hat die Eigenschaft, scharf, warm, bitter zu sein und hat daher den Meridianbezug zur Leber-, Milz- und Nierenfunktion. Dadurch werden Meridiane gewärmt, Kälte zerstreut, der Qi-Fluss unterstützt, Schmerzen gestoppt und der Blutfluss gefördert. Die Indikationen sind: Qi-Mangel, Yang-Mangel, Eindringen des äußeren pathogenen Faktors Kälte, Krankheiten des Bewegungsapparates, intestinale Erkrankungen, Kälte im Unterleib, Ödembildung, Durchblutungsstörungen sowie Krankheitsvorbeugung. Die Anwendung kann auch über eine Moxalampe erfolgen. Sie hat den Vorteil, dass es zu keiner Rauchentwicklung bzw. Geruchsbelästigung kommt
Gua Sha besteht aus wiederholtem Schaben [Anm.: eher drücken und schieben als kratzen] auf eingeölter Haut mit einer abgerundeten Kante. Üblicherweise werden ein chinesischer Porzellansuppenlöffel, eine abgenutzte Münze, abgerundete Tierhörner oder Jade verwendet. Die abgerundete Kante wird auf die eingeölte Haut gedrückt und entlang der Muskeln oder der Meridiane in ca. 10 bis 15 cm langen Zügen bewegt. Dieses Verfahren verursacht eine verstärkte Durchblutung – Sha – in der Haut, wobei auch Petechien und Ekchymosen entstehen. Es dauert normalerweise zwei bis vier Tage, bis diese wieder verschwinden. Je stärker die Blutstase – im Sinne der chinesischen Medizin – ist, desto stärker verfärbt sich die Haut. Typischerweise verspüren Patienten sofort eine Erleichterung und Veränderung.
Zum Schröpfen ist zu sagen, dass Druck und Unterdruck allgemein ordnende, anregende und regulierende Phänomene sind: Puls, Knochenentwicklung, Muskelaufbau, intestinale Funktionen. Druck ist bei Schwäche indiziert, Unterdruck bei Fülle. Die wissenschaftlichen Wirkungen sind lokale Hyperämie, lokale Erwärmung, lokales Ödem und die Aktivierung des Zellstoffwechsels. Über cutiviscerale Reflexbahnen gibt es eine Wirkung auf erkrankte Organe.

 

Interview und Bearbeitung
Claudia Bäumel
Physiotherapeutin in der Steiermark

Interviewte Person
Dr. Birgit Richter-Friedrich
Ärztin für Allgemeinmedizin und TCM, Referentin und Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kontrollierte Akupunktur, Leiterin der TCM Akademie f. med. Fachkräfte

Weiterführende Informationen:
https://www.isla-laser.org/de/
https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fphys.2017.00448/full