Bericht Helsinki-Symposion „Prevention - Mission possible“

Zum ersten Mal  veranstaltete die  „Finnish Sports Physiotherapists Association“ (FSPA) unter der Leitung von Peter Halen einen dreitägigen internationalen  Kongress  „Prevention – Mission Possible“ (20. bis 22. März 2015) in Zusammenarbeit mit IFSPT (internationale Sportphysiotherapieorganisation) und Unterstützung des finnischen Gesundheitsministeriums.

Für das fachliche Netzwerk Sportphysiotherapie waren Karin Tresohlavy und Karl Lochner vor Ort.

Der Titel wurde bewusst gewählt, weil die Wichtigkeit von Evidenz basierten Präventionsprogrammen und -Strategien für die Physiotherapie schon längst als einer der bestimmenden Faktoren bekannt ist.  Ein Schwerpunkt des Kongresses war es, die Umsetzbarkeit dieser Programme in die Praxis sowohl für den Spitzen- als auch für den Hobbysport aufzuzeigen. Jeden Tag gab es deshalb zusätzlich 30minütige Workshops der Experten, um die  theoretischen Erkenntnisse auch praktisch vorzuführen.

Der Kongress wurde mit dem ins Programm integrierten IFSPT Symposium  am ersten Tag eingeleitet.  Nicola Phillips (Präsidentin IFSPT) erläuterte die derzeitigen Schwerpunkte in der Arbeit der IFSPT:  

  • Registrierung für SportphysiotherapeutInnen bei der IFSPT
  • aktuelle Publikationen und Fortbildungen  für die Bereiche Rehabilitation und Return To Play.

Eine für die Physiotherapie hochinteressante Aussage machte Marie Elaine Grant vom IOC . Ab den Olympischen Spielen in Rio 2016 wird die (Sport)physiotherapie als Oberbegriff  für alle anderen SpezialistInnen fungieren (z. B. Osteopathie, Massage oder Chiropraxis). Sie betonte auch, dass das IOC viel Energie in die Prävention der AthletInnen aufwendet. So wurden für die letzten Olympischen Spiele seit 2008 genaue Verletzungsstatistiken (IOC Injury Surveillance Studies) erstellt. Als eine der Maßnahmen stellte Sie dazu auch eine eigene App des IOC vor („Get Set“ – kostenfrei erhältlich, iOS und Android), die für verschiedene Sportarten präventive Übungen vorschlägt.

Das Symposium bot einen guten Überblick über aktuelle Fragen im Bereich Sportphysiotherapie: Mario Bizzini, Kati Pasanen, Nicola Philips, Sarah Mottram, Ann Cools und Phil Glasgow präsentierten Präventions- und Rehamaßnahmen für die Untere Extremität, Obere Extremität und die Wirbelsäule. Die aktuellen Ergebnisse in Bezug zu Leisten- bzw. Hüftbeschwerden für Fußball und Eishockey wurden von namhaften Experten wie Kristian Thorborg, Lee Nobes und Carl Askling  geboten.

Unter anderem wurde bei diesem Kongress auch das Thema Schulter und Verletzungsprävention aufgegriffen. So gab Sarah Mottram, MSc MCSP, von der University of Southampton einen Überblick über Bewegungskontrolle und Stabilisation der Scapula. Auch Ann Cools, PhD, zeigte die Notwendigkeit zur Rehabilitation der Dyskinesie der Scapula auf und hob vor allem das spezifische Training der Schulter-/ und Scapulamuskulatur hervor. Für sie spielt v.a. auch die benötigte Funktion und somit das Training in dieser Position eine große Rolle. Beide hoben die Wichtigkeit des variablen Lernens von Bewegungsabläufen unter Beachtung der kinematischen Kette in der Schulter sowie das gezielte individuelle Training von Stabilisation bis zur optimalen aktiven Funktion hervor.

Den Vorträgen folgten auch aktive Workshops, in denen nochmals die Grundelemente veranschaulicht wurden.

Ein weiterer Programmpunkt stellten Oral Presentations dar – in denen laufende Studien im Präventionsbereich vorgestellt wurden. Die Conclusio aller Studien, ob nun im Basketball, Eishockey oder anderen Sportarten, beinhaltete die Wichtigkeit der Muskelkraft zur Verletzungsprävention. Hervorzuheben ist hier auch jene Studie von Ben Waller, die sich mit Unterwassertraining beschäftigte. Progressives Training im Wasser hat einen erwiesenen positiven Einfluss auf Osteoarthritis und sollte vor allem auch in der Rehabilitation zum Einsatz kommen.

Von links nach rechts: Gordon Eiland, Nicole Philips, Bente Anderson, Peter Halen, Marie-Elaine Grant, Mario Bizzini, Karl Lochner und Karin Tresohlavy.