Kids playing
Sport und Bewegung möglich und wichtig

Epilepsie

von Mag.a Elisabeth Pless und Tanja Doritsch

Epilepsie ist die häufigste neurologische Erkrankung – das Institut für Epilepsie setzt sich für den Abbau von Vorurteilen ein und berät Betroffene sowie Angehörige. Gerade bei an Epilepsie erkrankten Kindern ist ein generelles Sportverbot nicht notwendig.

WHO haben ca. 1% der Weltbevölkerung Epilepsie - vorübergehend erkranken 3 bis 5 % im Laufe ihres Lebens. Aus Angst vor Unfällen und Anfallsinduktion durch Anstrengung wird für Menschen mit Epilepsie oft ein Sportverbot empfohlen. Doch 2020 bestätigt ein systematischer Review, dass es keine Grundlage für ein allgemeines Sportverbot gibt. Menschen mit Epilepsie sollten ermutigt werden, Sport zu treiben. Besonders wichtig ist die körperliche Aktivität in den frühen Lebensjahren. Und: Körperliche Aktivität führt nicht prinzipiell zur Anfallshäufungen! Das Verletzungsrisiko bei Menschen mit Epilepsie ist nicht höher, als bei gesunden Personen, sportassoziierte Verletzungen treten bei den PatientInnen sogar seltener auf.

 

Bodenturnen, Ballspiele oder Wandern – vieles ist möglich

Welche Sportarten geeignet sind, hängt von der Anfallsform ab. Allgemein können Sportarten ohne signifikantes Risiko, wie z.B. Leichtathletik, Bodenturnen, Ballspiele, Wandern, Tanzen und Golf den meisten Menschen empfohlen werden. Vorsicht ist geboten bei Absturzmöglichkeit aus großer Höhe. Trotzdem sind Geräteturnen mit Hilfestellung und Klettern am Seil mit Matten am Boden zur Absicherung meist möglich. Für Sportarten mit hohem Risiko, wie Klettern, Radfahren und Schifahren muss unbedingt eine individuelle Gefahrenbeurteilung in Absprache mit der/dem behandelnden ÄrztIn und/ oder einer/einem EpilepsiefachberaterIn erfolgen. Das gilt für alle Sportarten im oder auf dem Wasser aufgrund der Ertrinkungsgefahr. Bei verschiedenen Sportarten können Sicherungsmaßnahmen eingesetzt werden, wie z. B. Sturzhelm oder Schwimmhilfen, die den Kopf über Wasser halten, oder ein Warnarmband, das im tieferen Wasser einen Alarm auslöst. Auch eine „eins zu eins“ Betreuung kann im Einzelfall sinnvoll sein. Wichtig ist, dass Personen, die mit Betroffenen Sport treiben, über die Anfälle Bescheid wissen und im Falle eines Ereignisses richtige Erste Hilfe leisten können.

 

Bewegung bis ins Erwachsenenalter

Regelmäßiger Sport verbessert nicht nur die körperliche Fitness, sondern wirkt sich auch positiv auf das Selbstwertgefühl und auf die soziale Kompetenz aus. Sport lenkt ab und kann helfen, sich bei Ärger oder Frust abzureagieren. Für Menschen mit Epilepsie gelten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie für alle: Kopfschutz beim Radfahren und Reiten sowie die Wahl sicherer Sportgeräte. Kinder und Jugendliche mit Epilepsie können fast alle Sportarten weitgehend gefahrlos ausüben und sollen nicht aus übertriebener Vorsicht davon abgehalten werden. Denn wenn Kinder sich nicht bewegen, betreiben sie oft auch im Erwachsenenalter keinen Sport.

 

Wussten Sie, dass...?

 

... 1% der Weltbevölkerung Epilepsie haben? Epilepsie kann in jedem Alter auftreten. 50 % aller Epilepsien manifestieren sich vor dem 10. Lebensjahr. Nicht jeder epileptische Anfall ist mit einem Sturz verbunden. Die häufigste Anfallsart bei Kindern sind Absencen (etwa 30 Sek. innehalten und starrer Blick). Es gibt viele berühmte Persönlichkeiten mit Epilepsie, z.B.: Albert Einstein, Ronaldo, Elton John, Julius Cäsar, u.v.a.

 

Literatur:
van den Bongard F., Hamer H., Sassen, R., Reinsberger, C. (2020), Dtsch Arztebl Int 117: 1-6; DOI: 10.3238/arztebl.2020.0001

World Health Organization: Global health recommendations on physical activity for health (2010). www. who.int/dietphysicalactivity/global-PA-recs-2010.pdf (letzter Zugriff am 22. November 2019)

Scottish Intercollegiate Guidelines Network: SIGN 50 A guideline developer‘s handbook. Edinburgh: Scottish Intercollegiate Guidelines Network (2011), www.sign. ac.uk (letzter Zugriff am 4. Dezember 2019)

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Redaktion Physio Austria

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2022|03

Bewegt-Magazin März 2022

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