Warum es so wichtig ist, in Bewegung zu bleiben

Bewegung und Sport in der Palliativ­medizin

von Cornelia Prasch

Bewegung und Sport sind gesundheitsfördernd. Aber auch im Krankheitsfall, insbesondere bei lebenslimitierenden Erkrankungen, wirken sich körperliche Betätigungen und sportliche Aktivitäten äußerst positiv auf die Lebensqualität aus.

Von der Bettruhe zur Fitness

Riet man in den 1960iger Jahren bei Tumorerkrankungen noch zu Bettruhe, nimmt der Stellenwert einer aktiven Bewegungstherapie bis heute kontinuierlich zu. Damals galt es sogar, Bewegung und Sport zu vermeiden. Nicht nur der Wunsch der Patienten und Patientinnen nach körperlicher Aktivität und Fitness war Grund dafür, auch die heutige Studienlage deutet ganz klar darauf hin, dass Bewegung in palliativen Krankheitssituationen einen enormen Mehrwert für die Betroffenen erzielen kann.

Mit gezieltem Training zu mehr Lebensqualität

Die Mehrheit der Patientinnen und Patienten mit einer lebenslimitierenden Erkrankung gibt an, solange wie möglich selbständig und körperlich unabhängig bleiben zu wollen, viele möchten weiterhin ihren Beruf ausüben. Generell gilt, wie beim gesunden Menschen auch, dass regelmäßige Bewegung das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen senkt, Lymphödemen entgegenwirkt und Osteoporose vorbeugt.

Ziele des Trainings können der Erhalt der Muskelmasse, die Verbesserung von krankheitsbedingten Funktionseinschränkungen, die Reduktion von Nebenwirkungen der medizinischen Therapie (z. B. Übelkeit, Erbrechen), von Schmerzen oder von Fatigue (Müdigkeit) und Schlafproblemen sein. Sportliche Aktivität reduziert außerdem noch Depressionen und Ängste, sogar die krebsspezifische Sterblichkeit kann gesenkt werden. Die Physiotherapie nimmt sich dieser Wünsche und Ziele an und gestaltet ein ganzheitliches Trainingskonzept für Betroffene.

Ein Bewegungsrezept mit Wirkung

Jeder sollte so früh wie möglich, am besten schon bevor er oder sie krank wird, mit regelmäßiger Bewegung beginnen. Bewegungstherapie im Krankheitsfall sollte aber immer mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Physiotherapeutin, Ihrem Physiotherapeuten abgesprochen werden, da Sport auch manchmal kontraindiziert sein kann. Zum Beispiel sollte bei Fieber ab 38°, Schmerzen, Schwindel oder bei Infekten gänzlich auf Sport verzichtet werden. Ihre Physiotherapeutin, Ihr Physiotherapeut wird in enger Zusammenarbeit mit Ihnen und auch mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt einen Therapieplan für Sie erstellen, Sie schulen und regelmäßig begleiten. So ist es möglich, rasch auf Veränderungen Ihres Gesundheitszustandes zu reagieren und den Plan zu adaptieren, damit Sie auch während einer laufenden Behandlung (Chemotherapie, Bestrahlung. etc.) sicher trainieren können.

Welche Sportarten eignen sich?

Viele haben auch vor der Erkrankung bereits Sport ausgeübt. Besprechen Sie in der Therapie, ob eine weitere Ausübung Ihrer bisherigen Sportart möglich ist. Beginnen Sie erst während des Krankheitsverlaufes mit Sport, fangen Sie moderat an. Sehr gut eignen sich Spaziergänge, Nordic Walking, Ergometer-Training, Ballsportarten (mit Softbällen), Yoga oder Schwimmen. Vorsicht ist bei wettkampfbetonten Sportarten und Sport mit Körperkontakt geboten.

Wichtig: auf die Dosis kommt es an!

Der Therapieplan wird völlig individuell erstellt. Dieser setzt sich aus Ausdauertraining, Krafttraining und Koordinationstraining zusammen. Es sollten Übungen und Trainingsgeräte gewählt werden, mit denen Sie das Training zuhause gut umsetzen können. Es soll gelingen, gemeinsam mit Ihnen formulierte Ziele zu erreichen und Ihre Lebensqualität zu verbessern.

Physiotipp:

Achten Sie auf Warnsignale Ihres Körpers, wie z.B.:

  • Atemnot
  • Schwindel
  • Halbseitenlähmungen, Sprachfindungsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Herzbeschwerden, Herzrasen
  • Schmerz
  • Blässe
  • Leistungsabfall

 

Literatur:
Adler, S., Nieland, P. & Simader, R. (2021). Was wir noch tun können: Reha- bilitation am Lebensende (2. Aufl.). Urban & Fischer.
Baumann, F., Bloch, W. & Jäger, E. (2012). Sport und körperliche Aktivität in der Onkologie (2012. Aufl.). Springer.

 

AutorIn

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Cornelia Prasch

Koordinatorin des fachlichen Netzwerks Palliative Care und Onkologie

Aus der Ausgabe

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2021|12

Bewegt-Magazin Dezember 2021

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