Erfolgreiches Event in Linz: Fast Track meets Physiotherapie
Im Februar war es wieder soweit. Das Ordensklinikum der Barmherzigen Schwestern Linz lud in Kooperation mit dem Landesverband Oberösterreich wieder zum fachlichen Update. Diesem Aufruf folgten mehr als 250 Physiotherapeut*innen und trugen damit zu einem neuen Teilnehmerrekord bei – unter ihnen auch die Prädsidentin von Physio Austria Constance Schlegl.
Unter dem Motto „Fast Track meets Physiotherapie“ eröffnete OA Lukas Pichler diesen spannenden Vortragsabend. Der Orthopäde und Unfallchirurg bezog sich in seinem Vortrag auf die Implantation von Knie- und Hüftendoprothesen.
Fast Track bezeichnet ein multimodales System, dessen Hauptziel es ist, die prä-, peri- und postoperative Stressantwort auf einen chirurgischen Eingriff so gering wie möglich zu halten und damit die Genesungs- und Krankenhausaufenthaltsdauer und somit auch den Muskelabbau durch Immobilisation zu reduzieren.
Als wichtige präoperative Maßnahmen nannte Dr. Pichler die multiprofessionelle Patientenedukation, die Abklärung und ev. Behandlung einer Anämie, die Optimierung von Komorbiditäten (zum Beispiel Diabetes, Rauchstop usw.) und eine standardisierte Zufuhr von Kohlehydraten („Carbo-Loading“).
Perioperative Faktoren, die berücksichtigt werden, sind unter anderem das intraoperative Blutmanagement (Tranexamsäure wird standardisiert gegeben) und eine möglichst schonende Form der Anästhesie – hier wird die Spinalanästhesie favorisiert. (Durch deren kürzere Wirksamkeit ist eine Mobilisation der Patientin/des Patienten zum Teil schon am selben Tag möglich.) Harnkatheter und Drainagen werden soweit möglich vermieden. Nicht opoiden Analgetika wird der Vorrang gegeben.
In der postoperativen Phase wird besonders Wert auf eine frühe Mobilisation gelegt. Dies hilft die Liegedauer damit assoziierte Komplikation (Thrombosen, Pneumonien etc.) zu reduzieren.
Durch die Implementierung des systematischen Behandlungskonzeptes „Fast Track“ konnte eine schnellere funktionelle Erholung erzielt werden, was nicht zuletzt einen positiven ökonomischen Effekt auf das Gesundheitssystem hat.
Im Anschluss erklärte der Physiotherapeut Konstantin Leithner, BSc die physiotherapeutische Komponente von Fast Track.
Präoperativ erfolgt der erste Patientenkontakt vier Wochen vor dem geplanten Operationstermin in Form einer Gruppenschulung, an der alle beteiligte Berufsgruppen teilnehmen (Ärzt*innen, Physiotherpeut*innen, Diätolog*innen, diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger*innen). In dieser Einheit wird vor allem die aktive Rolle des Patienten betont und erklärt. Es erfolgt die Vorstellung des Fast Track-Systems. Die Patient*innen werden über die Bedeutung der Ernährung während des gesamten Prozesses – Stichwort Carbo-Loading – aufgeklärt. Desweitern bekommen sie eine Info-Broschüre über den Krückengang (inklusive einer individuellen Einschulung) und ein Patiententagebuch.
Vom Zeitpunkt der Gangschulung bis zu Operation - also in der Phase der Prähabilitation – werden sie angehalten, sich im niedergelassenen Bereich Physiotherapietermine zu vereinbaren (auch schon für die postoperative Phase), so gut wie möglich aktiv zu bleiben und Alkohol- und Nikotinverzicht einzuhalten. Ziel aller präoperativer Maßnahmen ist es, Aktivitätsbarrieren abzubauen (Reduktion von Angst, Schmerz, Schwindel usw.).
Leither betonte in seinem Vortrag die aktive Rolle der Patient*innen. Diese wird postoperativ unter anderem durch folgende Maßnahmen gefördert: größtmöglicher Verzicht auf passive Physiotherapie, Essen am Tisch, Tragen von privater Kleidung, adäquate Hilfsmittelversorgung. Physiotherapeutische Ziele im stationären Bereich sollen durch eine standardisierte Vorgehensweise mittels Patiententagebuch und Dokumentation erreicht werden. Die Gehstrecke außerhalb des Krankenzimmers konnte mittels Fast Track gesteigert werden.
Als größte Herausforderung nannte Leithner die Compliance der Patient*innen.
Christoph Wenzel, BSc ging in seinem abschließenden Vortrag speziell auf die Phase der Prähabilitation ein – hier insbesondere auf die Rolle der Physiotherapie.
Der funktionelle Ausgangszustand der Patient*innen ist für das operative Outcome von großer Bedeutung.
Obwohl es noch keine eindeutig favorisierende Evidenzlage zur Prähabilition für Knie- und Hüftendoprothetik gibt, sollten auch soft facts wie die Reduktion und/oder Eliminierung von Angst und Unsicherheiten nicht vergessen werden.
Unter dem Motto „Verstehen – Bewegn – Umsetzen“ sprach sich Wenzel für ein bis drei physiotherapeutische Einheiten vor einem geplanten operativen Eingriff aus.
Im Bereich der Fast Track Chirurgie sieht er den deutlichen Vorteil einer strukturierten Implementierung von Physiotherapie in der wichtigen Phase der Prähabilitation.