inform Nr.3 Juni 2014 - page 20

Spiel in der Therapie
Kinder setzen sich ihrem Entwicklungsstand entspre-
chend spielerisch mit ihrer Umgebung auseinander.
Dafür nutzen sie unterschiedliche Arten von Spiel: Explo-
rationsspiel, Rollenspiel, Konstruktionsspiel, Regelspiel
etc.. Allen gemein ist, dass die Handlungen dabei zum
Selbstzweck betrieben werden und durch Wiederholun-
gen gekennzeichnet sind. Zudem sind derlei Spiele meist
intrinsisch motiviert. Dadurch werden Spiele zu einem
geeigneten therapeutischen Medium. Außerdem ist das
Spiel in allen Ebenen der kindlichen Entwicklung sehr be-
deutungsvoll und bringt Voraussetzungen für Bewegungs-
lernen mit sich. Über die Art wie oder was ein Kind spielt,
können Rückschlüsse auf den Entwicklungsstand gezo-
gen werden. Jedoch kann man bei Kindern mit motori-
schen Beeinträchtigungen nicht unmittelbar darauf
schließen. Hierbei kann es von Bedeutung sein, zunächst
die Gelegenheit für das Spiel zu schaffen, sei es eine
gute Ausgangsposition, im Liegen, Sitzen oder Stehen
zu finden oder die gezielte Gestaltung der Umgebung
(vgl. Viebrock, Forst 2008, Wolf, 2005).
In den Therapiesituationen werden die natürliche Bewe-
gungsfreude, Experimentierfreude und Neugierde des
Kindes spielerisch so gelenkt, dass sie therapeutisch
genutzt werden können. Die Aufgabe des/der Therapeu-
ten/In besteht nun darin, die Therapie so zu gestalten,
dass Kinder weder über- noch unterfordert sind, also
aktiv teilnehmen und nicht mit Verweigerung reagieren.
Dies gelingt, wenn die Übungssituation so gewählt ist,
dass das Kind mit Interesse und Begeisterung versucht
die Aufgabe zu lösen, sich also gefordert fühlt. Zudem
soll die Aufgabe den Fertigkeiten des Kindes gerade
noch entsprechen, sodass diese zu schaffen ist und
sich ein Erfolgserlebnis einstellen kann (vgl. Timmerer-
Nash, 2011).
Die Herausforderung in der Praxis besteht darin, durch
das Spiel die gesetzten Therapieziele zu erreichen. Es ist
daher ein Balanceakt einen Weg zwischen dem Bedürfnis
des Kindes spontan zu spielen und dem planvollen,
zielorientierten Handeln der TherapeutIn zu finden.
Umsetzung in den Alltag
Der Erwerb einer Funktion wird für ein Kind dann nütz-
lich, wenn es diese Aktivität in seinem Alltag auch
wirklich nutzen kann. Des Weiteren sollte sich dadurch
seine Teilhabe am Leben in der Familie und mit Gleich-
altrigen erweitern. Durch den Einbezug der Eltern und
Bezugspersonen sowie die Vermittlung eines spiele-
risch förderlichen Umgangs und entwicklungsförderli-
cher Umfeldgestaltung soll der Transfer in den Alltag
gelingen. Dadurch können Möglichkeiten geschaffen
und Situationen gestaltet werden in denen das Kind
allein, mit seinen Eltern oder in der Gruppe spielen und
auch mitspielen kann. So können Bewegungen und
Handlungen wiederholt und angewendet werden.
Dies macht die Therapie nachhaltig (vgl. Orth, 2006).
Wie beschrieben gibt es viele positive Aspekte von
Spiel. Es ist selbstintendiert, intrinsisch motiviert,
wiederholbar, aber auch variierbar und dient der kindli-
chen Entwicklung und Kompetenzerweiterung in allen
Dimensionen. Dies macht es zu einem unverzichtbaren
Teil der Kinderphysiotherapie.
LITERATUR
Largo R. Babyjahre. 2001:221-305
Wolf M. »Komm, spiel mit mir!«
Die Bedeutung des Spiels in der
kindlichen Entwicklung von 0-6 Jahren in:
Hüter-Becker A, Dölken M.
Physiotherapie in der Pädiatrie. 2005:33-48
Viebrock H, Forst B. Bobath. 2008:24-31
Smith P, Pellegrini A. Learning through
Play. Encyclopedia on Early Childhood
Development. 2008:1-5
Ohrt B. Motorisches Lernen und seine
Beziehung zu weiteren Dimensionen der
kindlichen Entwicklung. Frühförderung
interdisziplinär. 2006:145-158
Timmerer-Nash C.: Jahresbericht der
Österreichischen Liga für Kinder- und
Jugendgesundheit. 2012: 70
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physio
austria
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Juni 2014
© Mag. Astrid Benedek
KINDERPHYSIOTHERAPIE
Mag. Astrid Benedek
Themenschwerpunkt
Spiele in der Physiotherapie
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