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Themenschwerpunkt Gynäkologie, Geburtshilfe, Urologie, Proktologie Laufen nach der Geburt Ein Erfahrungsbericht aus physiotherapeutischer Sicht Unwissenheit und der Mangel an Informationen führen häufig zu Fehlbelastung. Die Praxis hat gezeigt, dass Frauen nach der Entbindung ent- weder ohne einen Gedanken an (Spät-) Folgen loslaufen oder aus Unsicherheit zur Gänze auf Sport verzichten. Beides ist inakzeptabel, zumal die Rückbildung des weiblichen Körpers nach der Geburt gefördert werden muss. Unsere Aufgabe als PhysiotherapeutInnen ist es, verunsicherte Frauen aufzufangen und sie mit einem gestärkten Körperbewusstsein zurück in ihren Sport zu begleiten. Aufklärung über die einzelnen Rehabilitationsphasen, Belastung und Belastbarkeit des Rumpfes nach der Geburt stehen im Fokus. Unumgänglich sind die allgemeine Rückbildung von Bindegewebe, Muskeln und Knochen und die Heilung möglicher Geburtsverletzungen vor dem Laufeinstieg. Die gesamte Rumpfkapsel sollte ein gewisses Maß an Stabilität bieten, um die Organe zu schützen und eventuellen Senkungen entgegen- wirken zu können. Bei Senkungen sinken Becken- boden, Gebärmutter, Harnblase, Enddarm oder der Scheidenstumpf tiefer in Richtung Körperöffnung ab. Das passiert in der Physiotherapie Ein besonderes Augenmerk bei der Betreuung der Frauen liegt auf der richtigen Atmung, um diese in Kombination mit dem Beckenboden auch im Sport richtig nutzen zu können. Die Erfahrung hat gezeigt, dass ein langsamer Laufeinstieg drei Monate nach einer vaginalen Entbindung und vier Monate nach einem Kaiserschnitt gut möglich ist. Zusätzlich müssen jedoch, wie für jede spezifische Sportart, weitere individuelle Parameter erhoben werden. Der Beckenboden und die Rektusdiastase – das Auseinanderstehen der geraden Bauchmuskeln – sollten genau befundet werden. Sie geben wichtige Aufschlüsse über die Beschaffenheit und Stabilität der gesamten Rumpfkapsel. Eine Laufstilanalyse verrät Wichtiges über eventuelle Haltungsfehler, die Technik, Statik, Geschwindigkeit, Schrittlänge und den Bounce/Aufprall der Läuferin. Diese Analyse ist wichtig für die Anleitung zu einem beckenbodenschonenden Laufstil mit optimaler Geschwindigkeit und zur Anpassung an körperliche Gegebenheiten. Zudem ist eine Schulung des Selbst- managements ein wichtiger Bestandteil des Trainings: Wie hoch darf die Belastung sein und auf welche Warnsignale und Symptome muss, mittels Adaptie- rung des Laufstils, reagiert werden, um möglichen Folgeschäden entgegenwirken zu können? Die Auf- klärung über eventuelle Symptome und die richtige Reaktion auf diese Symptome spielen eine wichtige Rolle, da die Läuferin wissen muss, wann eine Pause während des Trainings ausreicht und wann das Training abzubrechen ist. Tipps und Tricks für den Laufeinstieg mit Kleinkind Mütter haben häufig mit Müdigkeit zu kämpfen, was durch Schlafmangel und die hormonelle Umstellung bedingt ist. Die Bewegung für Mütter gemeinsam mit ihrem Kind an der frischen Luft hilft, den Kreislauf wieder in Schwung zu bekommen. Es lohnt sich in jedem Fall, vor der Bewegung eine Mahlzeit für das Baby einzuplanen. Ein sattes Kind ist ruhiger und die Mutter kann sich besser konzentrieren. Wenn das Kind gestillt wird, sollte das Stillen zur Schonung der Brust unbedingt vor dem Training erfolgen. Zusätzlich ist ein gut sitzender Sport-BH eine empfehlenswerte Investition. Um die Grundlagenausdauer zu verbes- sern, sollte mit einem Intervalltraining gestartet wer- den, das zwischen Walken und Laufen wechselt. Viele Frauen – auch passionierte Läuferinnen – stehen nach der Geburt vor einem großen Fragezeichen in puncto Wiedereinstieg in den Laufsport. 12 physio austria inform Juni 2018

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