Physiotherapie des Beckenbodens bei neurologischen PatientInnen

Zusammenwirken sensomotorischer, zentralnervöser und vegetativer Kontrolle

Inkontinenz ist weit verbreitet und geht für die Betroffenen mit diversen gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen einher. Dennoch wird es, aus Gründen der Scham, häufig verschwiegen. In der Studienlage zeigt sich, dass gerade bei neurologischen Erkrankungen der Fokus des Behandlungsteams auf der Motorik liegt und die Inkontinenz als Nebenwirkung hingenommen wird. Das Seminar unterstützt die TeilnehmerInnen dabei, ihre Kompetenzen zu erweitern, evidenzbasiertes Wissen umzusetzen und den einfühlsamen Umgang mit den Betroffenen zu stärken.

 

Inhalt:

  • Anamnesegespräch inkl. Beispiele standardisierter Fragebögen und Miktionsprotokoll
  • Beckenbodenwahrnehmung und Sensibilisierung
  • Haltungsinpektion, externe Palpation des Beckenbodens sowie Sensibilitätsprüfung
  • physiologischere Bewegungsabläufe und Aktivierung des M. transversus abdominis zur Belastungsreduktion des Beckenbodens
  • Training der willkürlichen Schließmuskulatur und des Beckenbodens
  • neurogene Funktionsstörung, Belastungs- und Urgeinkontinenz sowie Retention
  • Maßnahmen zur Kontinenzförderung und Kompensation von Inkontinenz
  • Maßnahmen zur Tonusregulation und Förderung der Blasen- und Darmentleerung

 

Assessment-Tools:

  • Standardisierter Fragebogen (Baessler et al. 2006)
  • Auswahl aus ICIQ-Fragebögen (https://iciq.net/)
  • Miktionsprotokoll (Pfisterer et al., 2000)
  • Bristol Stuhlformen Skala (Probert et al., 1993)
  • Externe Palpation nach PERFect (Hanzal, E., Bartosch, B., Stelzhammer, C, & Udier, E.; 2015)
  • Pad-Test (Ferreira & Bo, 2015)

 

Ziel:

Die TeilnehmerInnen können

  • in einem interdisziplinären Team geeignete Strategien für PatientInnen mit neurologischen Zusatzerkrankungen und Kontinenz- bzw. Entleerungsstörungen erarbeiten.
  • gezielte Anamnese und standardisierte uroproktologische Assessments anwenden.
  • den Beckenboden als komplexes Zusammenspiel aller am Becken vorhandenen Strukturen verstehen.
  • Alltags- und Haltungsbelastungen für den Beckenboden reduzieren.
  • bei Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie gezielte Therapiemaßnahmen anwenden.

 

Methode:

  • Theorievorträge und Präsentationen
  • praktische Übungseinheiten
  • Fallbeispiele
  • Diskussion, Austausch, Zeit für Fragen

Das Verhältnis von Theorie und Praxis beträgt ca. 60:40.