Das Schwerpunktthema dieser „inform“-Ausgabe, Skoliose, ist in besonderem Maße geeignet, wieder einmal die Kriterien für Bewilligungen von Behandlungen bzw. Therapien zu hinterfragen.
Skoliose ist im medizinischen Sinne nicht heilbar. Rechtzeitige physiotherapeutische Interventionen bewirken aber eine markante Verbesserung. Andererseits ist das Risiko hoch, dass es zu folgenschweren Verschlechterungen kommt, wenn keine Therapie erfolgt. Das wiegt umso schwerer als es sich beim überwiegenden Teil der PatientInnen um Jugendliche handelt, die noch einen Großteil ihres Lebens vor sich haben.
Die international renommierte Katharina-Schroth-Klinik in Deutschland (siehe dazu auch das Interview mit Christa Lehnert Schroth) bietet eine vierwöchige „Skoliose-Intensiv-Rehabilitation“ an und hat dafür einen Vertrag mit allen deutschen Krankenkassen. Für PatientInnen aus Österreich – hierzulande gibt es keine derartige Klinik – sieht die Situation anders aus: Von Bundesland zu Bundesland und von Krankenkasse zu Krankenkasse ist die Bewilligungspraxis unterschiedlich. Es gibt keine transparenten Kriterien. Die einzige bundesweit geltende Regel ist nach den Erfahrungen Betroffener die, dass die Chancen auf Bewilligung (sprich: Kostenübernahme) mit der Hartnäckigkeit der AntragstellerInnen steigen.
Vor Kurzem hat die Wiener Gebietskrankenkasse Physio Austria um eine Stellungnahme gebeten, ob eine Intensiv-Therapie für SkoliosepatientInnen in der Schroth-Klinik zielführend ist.
Dies ist insofern bemerkenswert, als es ein neues Kriterium in der Bewilligungspraxis bedeuten könnte – die Ziel- und Ergebnisorientierung von Behandlungen.
Ausgehend von der Frage, was mit einer Therapie erreicht werden soll, lassen sich fachlich konkrete Anforderungsprofile und transparente Entscheidungskriterien festlegen, deren Gültigkeit zum Beispiel nicht an Bundesländergrenzen gebunden ist. Liegen solche nachvollziehbaren Kriterien auf dem Tisch, können den PatientInnen unter Berücksichtigung vorhandener Infrastrukturen effiziente Angebote gemacht und mit ihnen realistische Therapieziele vereinbart werden. So gibt es etwa in Wien seit gut einem Jahr ein von PhysiotherapeutInnen gegründetes Skoliose Therapie Zentrum, das manchen PatientInnen in der Bundeshauptstadt die Reise in die deutsche Schroth-Klinik ersparen könnte.
Was hier am Beispiel Skoliose aufgezeigt wird, gilt freilich auch für alle anderen Therapien: Die Ziel- und Ergebnisorientierung muss das entscheidende Kriterium sein.
Silvia Mériaux-Kratochvila, M.Ed., PT
Präsidentin





