Es ist untragbar, dass PhysiotherapeutInnen oder HausärztInnen für ihre PatientInnen gegen ablehnende Bescheide intervenieren müssen. Dass sie es trotzdem immer wieder tun, liegt nicht zuletzt an ihrer ethischen Verantwortung, dass sie nicht zusehen können, wenn durch Therapieverweigerungen der Gesundheitszustand und die Lebensqualität von ohnedies schon beeinträchtigten Personen massiv weiter verschlechtert wird.
In der Praxis ist jede Intervention ein Canossagang. Die Wiener Physiotherapeutin Karin Haunold schildert das so: „Vormittags bin ich immer zu Hausbesuchen bei geriatrischen PatientInnen unterwegs. Da am Nachmittag in der Krankenkasse fast nie jemand, der für Interventionen zuständig ist, erreichbar ist, versuche ich während den Fahrten zwischen den Hausbesuchen dort anzurufen. Oft hänge ich aber die ganze Fahrt nur in der Warteschleife. Meistens verlangt die Krankenkasse eine umfassende schriftliche Darstellung des Falles. Das kostet mich rund 45 bis 60 Minuten pro Intervention, und ich kann das daher nur in meiner Freizeit tun. Und natürlich gibt es für den ganzen Aufwand auch kein Honorar.“