Stellungnahme zum anonymen Schreiben an Wiener PhysiotherapeutInnen

Im Raum Wien kursiert derzeit ein anonymes Schreiben, zu dem Physio Austria hiermit Stellung bezieht.

 

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

 

derzeit kursiert im Raum Wien ein anonymes Schreiben, in dem Berufsangehörige eingeladen werden, unter anderem eine vorgefertigte E-Mail an Physio Austria zu senden, mit der Aufforderung, Stellung zu Themen wie Kassentarifen und der geplanten Leistungsharmonisierung für den Bereich Physiotherapie zu beziehen. Darin finden sich einige Punkte, die nicht vollständig recherchiert und damit nicht korrekt sind. Das Schreiben finden Sie im Downloadbereich dieser Seite.

Grundsätzlich vertritt Physio Austria die Haltung, dass PhysiotherapeutInnen für Meinung und Haltung persönlich einstehen sollen. Daher lehnen wir anonyme Kommunikation grundsätzlich ab und haben auch ein Gesprächsangebot an die AbsenderInnen gerichtet, das leider abgelehnt wurde. Anonyme Kommunikation entspricht nicht unserem Berufsethos und transparente Kommunikation ist uns Verpflichtung – sowohl den angestellten als auch den freiberuflichen PhysiotherapeutInnen gegenüber. Selbstredend ist uns eine bestmögliche physiotherapeutische Versorgung für die gesamte Bevölkerung unter bestmöglichen Bedingungen für die PhysiotherapeutInnen Österreichs ein zentrales Anliegen.

Gerne nehmen wir aber auch inhaltlich zu den im Schreiben angeführten Punkten "Tarife für Physiotherapie und deren Aufnahme in die Satzung der WGKK" Stellung.

Das Verhandlungsteam des Landesverbands Wien hat zum Zeitpunkt der Entkoppelung intensiv für einen Verbleib der 80-Prozent-Regelung interveniert und dies auch juristisch geprüft. Die Prüfung hat ergeben, dass es jeder Krankenkasse gestattet ist, die Kostenerstattung auch als Zuschuss in die Satzung zu schreiben. Bei unseren laufenden Gesprächen mit der WGKK ist der Wahlbereich konstantes Thema und wir sehen es ebenso als dauerhaft inakzeptabel, dass der Großteil der Kosten für Behandlungen einer ASVG-Leistung bei den PatientInnen verbleibt. Deshalb sind wir derzeit in Gesprächen bezüglich einer adäquaten Versorgungsplanung für Wien. Erschwerend in unseren Gesprächen mit der WGKK kommt hinzu, dass die Kassen die Auffassung vertreten, dass der Bereich der Kostenerstattung im Wahlbereich nicht Angelegenheit des Berufsverbandes, sondern Angelegenheit der Versichertenvertretung ist und zwischen Versicherten (KundInnen) und Kostenträgern (Krankenkasse) zu klären ist.

Die Leistungstragung und Kostenerstattung ist in Österreich derzeit nach Bundesland und Krankenkasse komplett inhomogen und unterschiedlich geregelt. In den Gesprächen mit den Krankenkassen werden gleichermaßen Wahl- und Vertragsbereich (so vorhanden) von Physio Austria verhandelt. Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass keine Krankenkasse die Verpflichtung hat, mit Physio Austria überhaupt in den Dialog zu treten. Dennoch ist Physio Austria als zuverlässiger Verhandlungspartner geschätzt und es ist uns in den letzten Jahren immer wieder gelungen, unter den herrschenden Rahmenbedingungen bestmögliche Ergebnisse zu erreichen. Zur bevorstehenden Leistungsharmonisierung sind wir im Gespräch mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger und werden uns auch hier bestmöglich positionieren, für alle Berufsangehörigen und im Sinne der bestmöglichen Versorgung der von uns behandelten PatientInnen. Die bisherigen Leistungsharmonisierungen im Bereich der ÄrztInnen wurden nach unserem Wissensstand ohne Berufsvertretungen abgewickelt. Umso mehr werden wir uns dafür einsetzen, dass für den Bereich der Physiotherapie Physio Austria eine mitgestaltende Möglichkeit erhält. Wir werden dazu laufend in unseren Medien berichten.

Der Landesverband Wien plant in den nächsten Wochen einen Infoabend zum Thema Kostentragung in Wien. Sie werden per Newsletter informiert und dazu eingeladen. Informationen zu den Krankenkassen für Wien finden Sie hier. Bitte loggen Sie sich mit Ihren Mitgliedsdaten ein, um die Informationen sehen zu können.

Mit gleichermaßen kollegialen wie herzlichen Grüßen,

Constance Schlegl, MPH
Präsidiumsmitglied, Leitung Fokusgruppe Kostenträger