Interview mit Ninja Warrior Nicky de Leeuw

Der Tiroler Physiotherapeut Nicky de Leeuw setzte sich bei der TV-Show Ninja Warrior Austria 2017 gegen alle anderen Kandidaten durch und wurde der Last Man Standing. Wir fragten ihn nach seiner Motivation und seinen Zielen.

Im Rahmen der Show wird die physische und psychische Stärke der TeilnehmerInnen geprüft. Ableger der Show gibt es bereits in 19 Ländern. Für den angeblich härtesten Hindernis-Parcours der Welt bewarben sich in Österreich 2.000 Personen. 25 SportlerInnen hatten es bis ins Finale geschafft.

 

Wie kamen Sie auf die Idee, bei Ninja Warrior mitzumachen?

Ich folge der Show schon seit längerer Zeit und ich habe Kontakt mit Athleten von der Show in Amerika, wo die Athleten wie richtige Stars gesehen werden. Mich interessierte nur der Parcours. Als ehemaliger Leistungssportler bin ich immer auf der Suche nach Herausforderungen, um meinen Körper zu testen und seine Grenzen zu erweitern. Das ist auch der Grund dafür, dass ich mitgemacht habe: Ich wollte wissen, wie weit mein Körper bei so einer Anstrengung gehen kann. Außerdem liebe ich es, mich mit anderen Leuten zu messen.

 

Sie haben sich gegen alle MitstreiterInnen durchgesetzt. Was haben Sie anders oder besser gemacht?

Ich habe mich nicht extra für Ninja Warrior vorbereitet, aber natürlich wollte ich unbedingt gewinnen. Ehrlich gesagt weiß ich nicht genau, was ich anders gemacht habe. Zum Teil war auch Glück dabei. Wichtig sind Körpergefühl, Bewegungsgefühl und natürlich auch ein wenig Kraft – und ich habe sicher einen Vorteil mit meiner Griffkraft vom Klettern. Ich glaube, mein Leistungssport hat mich am besten vorbereitet. Der Parcours zur Qualifikation bei Ninja Warrior Austria war tatsächlich mein allererster Parcours in meinem Leben.

 

Für den Gewinn des Preisgeldes hat es letztlich auch für Sie nicht gereicht, auch wenn Sie der beste Kandidat waren. Ist es menschenmöglich, den Mount Midoriyama zu erklimmen?

Ja das ist menschenmöglich. Nicht der Mount Midoriyama ist das Problem, sondern eher die kurze Regenerationszeit und die Spannung, die auch durch die Kameras um die Athleten herum entsteht. Die ständige Wartezeit auf Interviews und nicht wissen, wann man seinen Lauf hat: Es spielen mehrere Faktoren mit. Nicht nur die Kraft, sondern das Drumherum kann sehr energieraubend sein.

 

Es gibt ein Vorstellungsvideo von Ihnen, das Sie zuhause in Tirol zeigt. Sie stammen ursprünglich aus den Niederlanden. Was hat Sie nach Österreich geführt?

Das stimmt, mein Spitzname „Der fliegende Holländer“ hat das wahrscheinlich schon verraten. Ich bin in Rotterdam geboren und habe bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr in den Niederlanden gewohnt. Ich kannte damals schon einige Freunde in Innsbruck, in DER Kletter-Trainingsstadt schlechthin. Ich habe meinen Eltern vorgeschlagen, für ein Jahr nach Innsbruck zu ziehen. Aus einem Jahr sind mittlerweile acht Jahre geworden und ich habe momentan nicht vor, wegzuziehen. Den Tiroler Dialekt beherrsche ich schon.
Ich suchte mir einen Beruf, bei dem ich mein Wissen über den Körper nutzen kann und wurde zuerst Heilmasseur, ehe ich die Ausbildung zum Physiotherapeuten gemacht habe. Ich habe meine Ausbildung zum Physiotherapeuten im Mai 2017 abgeschlossen. In Innsbruck wurde einstweilen das Bundesleistungszentrum für Klettern eröffnet. Ich habe nicht lange gezögert und nachgefragt, ob dort noch Räumlichkeiten zur Verfügung stehen für eine Physiotherapie-Praxis. Die Entscheidung fiel schnell und wenig später eröffneten Simon Ribis, der auch Physiotherapeut ist, und ich unsere eigene Praxis. Wir haben nun seit Anfang Dezember geöffnet und freuen uns auf ganz viele Patienten in unserer Praxis Physio 4 u in Innsbruck.

 

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Beruflich werde ich mich voll und ganz auf meine Praxis konzentrieren. Mir ist wichtig, allen Patienten individuelle Therapie anzubieten und gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten. Auch werde ich im kommenden Jahr das Kletterjugend Nationalteam des Kletterverbands Österreichs betreuen. In Bezug auf Ninja Warrior habe ich noch eine Rechnung offen. Ich werde mich auf jeden Fall spezifischer vorbereiten und wer weiß: Vielleicht schaffe ich es in diesem Jahr, den Parcours zu beenden.

 

Gibt es etwas, das Ihnen als Physiotherapeut einen Vorteil bei der Bewältigung des Parcours verschafft?

Der Vorteil liegt darin, Bewegungen einschätzen und analysieren zu können. Das muss ich auch im Berufsalltag machen. Ich denke, als Physiotherapeut habe ich ein Auge für Details. Kraft ist nicht das Entscheidende. Wichtig ist, ein Körpergefühl bekommen und den Körper so richtig einsetzen können.

 

Was sagen Sie zum Konzept von Ninja Warrior?

Das Konzept könnte auf jeden Fall noch verbessert werden. Meiner Meinung nach ist es für viele Leute schwierig zu verstehen, dass derjenige, der am weitesten kommt, nicht zumindest einen Teil des Preisgeldes gewinnt. Natürlich habe ich das vorab gewusst, aber auch für mich war das natürlich ziemlich bitter. Übrigens: Ausgestrahlt wurde die Show ja im Spätherbst. Die Aufzeichnung der Show fand aber schon im Juli statt und ging nicht über Wochen, sondern nur über wenige Tage. Da war die Regenerationszeit zwischen den Durchgängen dann doch ein wenig kurz. Hinter den Kulissen unterscheidet sich die Show schon sehr von dem, was im Fernsehen gezeigt wird.

 

Interview: Julia Stering