„Das Ziel“, erklärt Barbara Schmid, ist, Schwangere darin zu bestärken, Kinder „aus eigener Kraft“ zur Welt zu bringen. Pointiert formuliert: „Zu entbinden und nicht entbunden zu werden“.
Ein zentrales Thema dabei ist die Geburtsposition. Denn ExpertInnen sind sich weitgehend einig, dass die in unseren Breiten übliche Rückenlage keine geeignete Geburtsposition ist (siehe "Schieben versus Pressen").
Eine optimale physiotherapeutische Vorbereitung auf eine „aktive“ Geburt beginnt etwa acht bis zehn Wochen vor dem Tag X. In zehn Einheiten werden die Schwangeren in Gruppen bis zu 20 TeilnehmerInnen (auch werdende Väter können die Geburtsvorbereitung absolvieren) neben einer medizinisch-theoretischen Aufklärung in Atemtechniken und Geburtspositionen instruiert und erhalten ein umfassendes Programm an Bewegungs-, Entspannungs-, Wahrnehmungs- oder auch Paarübungen.
In einschlägigen Kliniken mit physiotherapeutischen Teams wird diese Geburtsvorbereitung häufig kostenlos angeboten. Wer sich in kleineren Gruppen (und meist zeitlich flexibler) in einer Physiotherapie-Praxis auf die Geburt vorbereiten will, muss 250,– bis 300,– Euro für zehn Einheiten veranschlagen.
„Mittlerweile“, sagt Schmid, „gibt es schon viele“, denen das eine umfassende Geburtsvorbereitung wert ist. Vor allem Frauen, „die schon eine erste komplizierte Geburt hinter sich haben“.
Hier geht es vorrangig darum, ihnen die Angst vor der Geburt zu nehmen, um die unheilvolle Spirale „Angst = Verspannung = Schmerzen“ zu durchbrechen. „Wir machen ihnen nicht weis, dass es eine schmerzfreie Geburt gibt“, so Schmid, „aber eine Geburt ist keine Krankheit und wir bestärken die werdenden Mütter, das annehmen zu können, was auf sie zukommt“. Dazu gehören eben zum Beispiel auch funktionelle Bewegungsabläufe und Atemformen.
Wenig Freude hat Schmid mit dem steigenden Trend zu (freiwilligen) Kaiserschnitt-Geburten. Aus medizinischer Sicht wäre eine solche bei etwa zehn Prozent der Geburten nötig. Tatsächlich wird aber im Durchschnitt jedes vierte Baby mittels Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Und das sei in mehrfacher Hinsicht problematisch: Zum Einen wird dabei der Beckenboden der Mütter geschädigt, was zu vielfältigen Folgewirkungen von Rückenschmerzen bis Inkontinenz führen kann. Zum Anderen brauchen die Säuglinge die Wehen der Mutter als positiven Körperkontakt. Und nicht zuletzt, ergänzen Kinder-PhysiotherapeutInnen, ist ein Kaiserschnitt für die Neugeborenen ein traumatisches Erlebnis, das oft – mitunter versteckte – Verletzungen mit sich bringt.
Vor allem junge Frauen, weiß Schmid, „sind oft überfordert, kommen aber selten zur Geburtsvorbereitung“. Hier mangelt es auch am Bewusstsein, dass die physiotherapeutische Geburtsvorbereitung keine simple Schwangerschaftsgymnastik ist. Womit Schmid aber nicht den Schwarzen Peter den (schlecht informierten) Frauen zuspielen will. Denn „Keine Frau will eine Geburt schlecht machen. Keine Frau ist schuld an einer komplizierten Geburt“.
Otto Havelka





