Am 4. Oktober 2009 lud Physio Austria OÖ bereits zum vierten Mal zu einer interdisziplinären Fachtagung, bei der dieses Mal der menschliche Fuß genau unter die Lupe genommen wurde. Ein hochkarätiges ReferentInnenteam sorgte für einen Ansturm von PhysiotherapeutInnen aus ganz Österreich. Mit mehr als 200 PhysiotherapeutInnen und VertreterInnen anderer Gesundheitsberufe war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt.

Bevor sich alle nach der Begrüßung durch Physio Austria-Präsidentin Silvia Mériaux-Kratochvila, M.Ed., auf Ferse, Knöchel, Ballen und Zehen konzentrierten, meldete sich der Vorstandsvorsitzende der freiberuflichen PhysiotherapeutInnen Oberösterreichs, Martin Weidinger, MSc. zu Wort, um auf die bundesweit sehr unterschiedliche Entwicklung im Bereich der Kostenrückerstattung von Seiten der Krankenkassen für Physiotherapie bei WahltherapeutInnen aufmerksam zu machen.

Als erster Vortragender referierte der Pionier im Bereich der neuen Fußchirurgie, Univ. Doz. Dr. Ernst Ortner über die Biomechanik des Fußes und die klinische Relevanz für den physiotherapeutischen Prozess. Auf beeindruckende Weise zeigte er die Möglichkeiten der Implantatchirurgie im Bereich des gesamten Fußes. Durch dieses neuartige Implantatsystem sei man nun in der Lage, mit äußerst geringer Komplikationsrate schwerste Fehlstellungen zu beheben und dennoch benachbarte Strukturen zu erhalten. Diese müssten dann durch Physiotherapie reaktiviert werden. Aber auch bei Sehnen­um­lagerungen, wie sie zum Beispiel beim berüchtigten Fallfuß durchgeführt werden, ist postoperative Physiotherapie unerlässlich, da Beugesehnen oft zu Strecksehnen umgewandelt werden und diese in weiterer Folge in ihrer neuen Funktion re-trainiert werden müssen.

Dr. Andreas Kranzl vom Labor für Gang- und Bewegungsanalyse in Wien-Speising lieferte interessante Einblicke in die Ganganalyse und deren unterstützende Analysemöglichkeiten zur Evaluierung diverser Bewegungsabläufe. Während beim „Normalfuß“ die Hauptbelastungszone im Bereich der Ferse, des Metatarsale II/III und der Großzehe liegen, konnten mittels Druckmessplatte die eindeutigen Unterschiede der Ganglinie in Bezug auf Plattfuß und Klumpfuß sichtbar gemacht werden. Weitere Einflussfaktoren für die Veränderung der Ganglinie sind Ganggeschwindigkeit, Alter, Körpergewicht und Geschlecht. Fallbeispiele für unterschiedliche Gang­linien mittels Druckmessplatte zeigten auf verständliche Art und Weise den Einfluss von Operationen, diversen Einlagen oder Kompensationsmuster aufgrund von ­Beinlängendifferenzen.

Unter dem Titel „Aktive podologische Einlagen – was können sie wirklich?“ beleuchtete Peter Redtenbacher, PT das Gebiet der Einlagenversorgung. Neben einem geschichtlichen Streifzug ging er auf das Funktionsprinzip ein, welches durch Stimulierung der Muskelspindeln und Golgie Sehnenorgane aufgrund einer Muskelkettenaktivierung nach oben Einfluss auf die Haltung nehmen soll. Der Einlagen-Aufbau setzt sich nach ­Redtenbacher aus verschiedenen Keilen zusammen, insbesondere in einen retrocapitalen (intern/extern), medioexternen und calcanearen (intern/extern) Teil. ­Weiters ging er auf den Behandlungsablauf ein, in dem PatientInnen zuerst auf deren Gelenksstatus beurteilt werden. Nach einem dynamischen Fußabdruck im Gehen werden dann in weiterer Folge relevante Körperpunkte markiert, um im anschließenden Videoverfahren etwaige Abweichungen besser herausfiltern zu können. Nach dem Einbringen der entsprechenden Keile wird erneut mittels Videokontrolle analysiert, inwiefern sich das Gangbild der PatientInnen normalisiert hat. Anschauliche Fallbeispiele demonstrierten den Unterschied „Vorher-Nachher“ bei diverser Einlagenversorgungen.

Dr. Andreas Scheuer bot Einblicke in den Bereich der Akupunktur und deren Einfluss auf den Fuß und andere Körper­regionen. So können durch Verwendung von Akupunktursystemen Tonus­senkungen, -steigerungen, antiödematöse Wirkungen, Schmerzreduktionen (über neurohumerale Regulation) und psychovegetative Entkoppelung erreicht werden. Für all jene, die sich fragen, wie PhysiotherapeutInnen Akupunktur durchführen können: Triggerpunkte sind oft in der Nähe von Akupunkturpunkten, insofern können derartige Techniken ähnliche Wirkungsmechanismen zur Folge haben. Außerdem kann man Akupunkturpunkte auch mit Softlaser oder durch lokale Kryotherapie (insbesondere bei Akutverletzungen) behandeln.

Corinna Meidl, PT präsentierte ihre ausgezeichnete Diplomarbeit „Evaluation aktiver konservativer Therapie und Kinesio®-Taping bei Hallux Valgus“. In dieser experimentellen, empirischen Studie (einfach blind) galt es, die Effektivität von 16 Übungen, zum Teil aus dem Spiraldynamik-Konzept (Versuchs­gruppe 1), sowie zusätzliches Kinesio®-Taping (Versuchsgruppe 2) im Vergleich zu einer Kontrollgruppe (keine Therapie) statistisch zu beurteilen. Bei einer Therapiefrequenz von zehn mal 30 Minuten und einem Hausübungsprogramm über sechs Monate konnte Versuchsgruppe 1 (nur Übungen) eine signifikante Reduktion des Hallux-Valgus-Winkels im Vergleich zur Kontrollgruppe erzielen, Versuchsgruppe 2 (mit Kinesio®-Taping) hingegen zeigte im Vergleich zu Versuchsgruppe 1 (nur Übungen) keine Steigerung des Therapie-Outcomes.

Abschließend referierte Mag. Markus Dohm-Acker über sensomotorisches Training und deren qualitative Unterschiede. Untersuchte Trainingsgeräte waren: Kippbrett, Therapiekreisel, Weichbodenmatte und das Posteromed®, sowie als „Kontroll-Gerät“ der normale Einbeinstand auf hartem Boden. 15 Sportstudenten versuchten sich am Koordinationsgerät innerhalb eines 15-sekundigen ­Messintervalls, wobei durch EMG-­Messung jenes Gerät gesucht wurde, welches die höchste Muskel­aktivierung auslösen konnte. Im Gerätevergleich zeigte das Kippbrett die höchste Aktivierung bei Muskeln, der Kreisel hingegen die gleiche Aktivierung wie der Einbeinstand ohne Gerät. Zweithöchste Aktivität erreichte die Weichboden-­Matte vor dem Posteromed®. Der Musculus peroneus longus war der höchst-innervierte Muskel, während der Musculus semi­membranosus am geringsten aktiviert wurde. Fazit: Trainingsintervalle sollten nicht länger als 15 Sekunden dauern, da die EMG-Aktivierung im Messverlauf deutlich abfiel. Bei der Verwendung von Therapiekreisel ist unbedingt auf den Kugeldurchmesser zu achten, der möglichst klein sein sollte.

In den Vortragspausen konnten sich die BesucherInnen bei den Informationsständen der Firma Triaflex und Heindl über aktuelle Möglichkeiten der Fußanalyse und Belastungsverteilung informieren, und diese dann auch an den eigenen Füßen testen.

Für den erfolgreichen und reibungslosen Ablauf der Veranstaltung in einem exklusiven Rahmen war maßgeblich auch die Raiffeisen Landesbank verantwortlich, die das Symposium tatkräftig unterstützte.

Das nächste interdisziplinäre Herbst­symposium ist für 2011 geplant.

Peter Philip Herdin, MSc, PT

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v.l.n.r.: Martin Weidinger, MSc, PT, Susi Pammer, Karl Lochner, PT, Klaudia Döberl, Mag. Markus  Dohm-Acker, Dr. Andreas Kranzl,

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