Seit Physio Austria in der vergangenen Ausgabe des „inform“ die zunehmend restriktive Bewilligungspolitik einiger Krankenkassen bezüglich Physiotherapie kritisierte, entwickelte sich das Thema „Therapieverweigerungen“ zu einem Dauerbrenner. Zahlreiche Medienberichte und zuletzt auch ein umfassender Bericht samt Reportage in der TV-Sendung „konkret“ waren die Folge.

Auslöser für diese Entwicklung war eine gemeinsame Pressekonferenz von Physio Austria und dem Österreichischen Hausärzteverband (ÖHV) am 24. Juni. Das ist insofern bemerkenswert, als sich zwei potente Berufsgruppen, die wesentliche Säulen in der medizinischen Basisversorgung der Bevölkerung darstellen, für ein gemeinsames Anliegen ihrer PatientInnen einsetzen.

Nur die Krankenkassen üben sich beharrlich im Schweigen. Auch die Einladung des ORF an den Hauptverband der Sozialversicherungsträger, eine/n VertreterIn zur Live-Diskussion mit der Sprecherin der Landesverbände von Physio Austria, Ute Eberl, zu entsenden, wurde praktisch ignoriert. Der Hauptverband ließ nur lapidar ausrichten, die Ausgaben für Physiotherapien seien in den vergangenen Jahren ohnedies angestiegen. – Schluss-Statement der ORF-Moderatorin Martina Rupp: „Schöne Grüße an den Hauptverband, Sie sind uns viele Antworten schuldig geblieben.“

Antworten auf Fragen wie z.B.:

  • Wessen Chef ist der Chefarzt eigentlich? – Sicher nicht der der PhysiotherapeutInnen, der HausärztInnen und auch nicht der PatientInnen.
  • Warum gibt es keine (verlässlichen) Daten über die Anzahl von verordneten und abgelehnten Therapien (Physio-, Ergo-, Psycho- und andere Therapien)?
  • Wie soll ein Chefarzt, der z.B. Urologe ist, beurteilen, in welchem Umfang eine Physiotherapie für eine/n Schlag­anfallpatientIn (die er gar nicht kennt), erforderlich ist?
  • Wieso erfolgt in Zeiten von e-health, elektronischer Krankenstandsmeldungen und ELGA-Entwicklung die Ablehnung von verordneten Therapien noch immer als oft unleserliches ­Gekritzel mit (für PatientInnen) unverständlichen Kürzeln auf Überweisungsscheinen? Und wieso müssen PatientInnen erst ein Gesuch einreichen, um eine Ablehnung zu erhalten, die sie dann auch beeinspruchen können?
  • Und nicht zuletzt würde mich interessieren, warum in Österreich die Pro-Kopf-Ausgaben der Krankenkassen für ­Physiotherapie trotz „Anstiegs in den vergangenen Jahren“ noch immer ­drastisch unter denen vergleichbarer Länder wie etwa der Schweiz liegen?

Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass Österreichs PhysiotherapeutInnen viele Leistungen – vor allem im präventiven Bereich – in Eigenregie und mit Kooperationspartnern jenseits der SV-Bürokratie erbringen. Aktuelles Beispiel: die flächendeckende Schultaschen­beratung in Zusammenarbeit mit der Handelskette Interspar. Derartige Eigeninitiativen dienen nicht nur dem Wohl der Kinder, die sich (in Zusammenhang mit anderen Maßnahmen) dadurch Haltungsschäden ersparen, sondern auch den Krankenkassen, die sich dadurch später teure Behandlungen ersparen.

Um mit den Worten von ORF-Moderatorin Martin Rupp zu sprechen: Schöne Grüße an den Hauptverband!

Silvia Mériaux-Kratochvila, M.Ed., PT
Präsidentin

Silvia Mériaux-Kratochvila, M.Ed., PT

Silvia Mériaux-Kratochvila, M.Ed., PT

Präsidentin des Berufsverbandes Physio Austria

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