Im November vergangenen Jahres hat der Hauptverband der Sozialversicherungen einen „Masterplan Gesundheit“ auf den Tisch gelegt und darin die Kernforderungen der Sozialversicherung für eine grundlegende Reform des Gesundheitssystems formuliert (siehe auch Interview mit „Dr. Schelling").
Ende Mai dieses Jahres hat nun in Zusammenarbeit des Hauptverbandes und des Gesundheitsministeriums eine „Österreichische Gesundheitskonferenz“ stattgefunden. Ihre Aufgabe ist es, verbindliche nationale Gesundheitsziele zu definieren. Dieser etwas schwammige Begriff wird von der deutschen Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung so definiert: „Sie fokussieren auf die Verbesserung der Gesundheit in definierten Bereichen oder für bestimmte Gruppen, aber auch auf verbesserte Strukturen, die Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung und die Krankenversorgung haben. (…) Gesundheitsziele integrieren verschiedene gesundheitspolitische Aspekte – z.B. solche zur Prävention oder Versorgung – und gehen mit ihrem politisch koordinierenden Anspruch über diese hinaus. Erarbeitet werden Gesundheitsziele im breiten Konsens von Politik, Kostenträgern, Leistungserbringern, Selbsthilfe- und Patient(inn)enorganisationen, Wissenschaft und Forschung.“
In Österreich liest sich der „breite Konsens“ so: Ein rund 30-köpfiges Kernteam aus VertreterInnen der Krankenkassen, Bundesländer, Politik oder auch dem ASKÖ (Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur in Österreich) darf sich nun bis Juni 2012 um bundesweite Gesundheitsziele bemühen. Gesundheitsberufe sind lediglich durch die Ärztekammer, ApothekerInnen und die Pflege vertreten.
Es ist schon befremdend, wenn die drittgrößte Gruppe der Gesundheitsberufe – die gehobenen medizinisch-technischen Dienste (MTD) mit ihren sieben gesetzlich verankerten Berufsgruppen – bei so grundlegenden Fragen des Gesundheitswesens „vergessen“ werden.
Während Volkskrankheiten wie „Rückenschmerzen“, „Übergewicht“, „Haltungsschäden“ oder „Bewegungsmangel“ in schöner Regelmäßigkeit zu landesweiten Gesundheits- und Gesellschaftsproblemen erklärt werden, legt man offensichtlich wenig Wert auf das Knowhow und die Erfahrung jener, die sich tagaus tagein mit diesen PatientInnen beschäftigen.
Wie heißt es doch im „Masterplan Gesundheit“: „Die Rolle nichtärztlicher Gesundheitsberufe muss in qualitativer und quantitativer Hinsicht verstärkt werden“.
– Physio Austria wird gemeinsam mit den anderen MTD-Berufsverbänden alles daran setzen, dass dies kein leeres Lippenbekenntnis bleibt.
Silvia Mériaux-Kratochvila, M.Ed., PT
Präsidentin





