Sie kommt aus einer Buch- und Papierhandlung und liebt Sport über alles. Was der wissbegierigen Burgenländerin bei dieser Leidenschaft allerdings abging, war „medizinisches Wissen“. Also wurde sie Physiotherapeutin. Mittlerweile ist Ute Sinz Freiberuflichenvertreterin von rund 80 Physio­therapeutInnen im östlichsten Bundesland Österreichs.

Entlang der ungarischen Grenze ist einiges anders als im Rest von Österreich. Zum Beispiel ist die Umstellung der Physiotherapieausbildung auf Fachhochschulbetrieb nach wie vor nicht in Sicht. Zwar wurde der Ausbildungsbeginn 2009 als „letzter“ an der Akademie beworben, aber jetzt, wenige Monate vor dem Studienbeginn 2010 ist von einer Fachhochschule keine Rede. „Die LehrtherapeutInnen sind unglücklich“, weiß Sinz. Woran sich´s spießt, kann sie nur vermuten: „Das Land steht aus finanziellen Gründen einer FH-Umstellung reserviert gegenüber“.

Anders als in den meisten Bundesländern ist auch die physiotherapeutische Versorgungslage: Ausgerechnet in der Landeshauptstadt Eisenstadt gibt es „lange Wartezeiten“, so Sinz, während in der „Buckligen Welt“ im südlichen Burgenland ein gutes Netz an freiberuflichen PhysiotherapeutInnen besteht. Dass sich dort in jüngster Zeit mehr PhysiotherapeutInnen angesiedelt haben, mag zum Einen an der Nähe der Thermenregion liegen. Zum Anderen „tröpfeln auch die ungarischen PhysiotherapeutInnen herein“, weiß Sinz. – Und österreichische PatientInnen hinaus: Auch wenn ein „PatientInnentourismus“ wie zu grenznahen ungarischen Zahnarztzentren nicht zu erwarten ist (die Kostenunterschiede bei Zahnimplantaten und -kronen sind um vieles gravierender als bei physiotherapeutischen Behandlungen), ist ein „kleiner Grenzverkehr“ nicht auszuschließen.
    Für Sinz ist es daher die „dringendste Aufgabe“, die Zusammenarbeit der TherapeutInnen zu forcieren. „Wir brauchen interdisziplinäre Zentren“, so Sinz, und dazu sind noch einige Hürden zu nehmen. So dürfen im Burgenland PhysiotherapeutInnen bislang keine PhysiotherapeutInnen anstellen. ErgotherapeutInnen und LogopädInnen sind sowieso Mangelware.
Für die dreifache Mutter und Betreiberin einer Physiotherapie-Praxis im südburgenländischen Pinkafeld steht jedenfalls fest: „So wie es ist, wird es nicht bleiben“.

Dass Veränderungen äußerst Positives bewirken können, beweist für Sinz auch die Entwicklung von Physio Austria. „Wenn ich nur an das Kursangebot denke und die Wartelisten, die es früher einmal gegeben hat – das hat sich gewaltig entwickelt“.
    Entwickelt hat sich auch erst im Laufe der Zeit ihr Engagement als Freiberuflichenvertreterin. Nach Abschluss der Physiotherapieausbildung in Wien betätigte sich die reiselustige Burgenländerin – sie ist ein Fan von Segeltouren auf dem Meer – zunächst als mobile Physiotherapeutin bei „Rettet das Kind“. Nachdem sie selbst drei zur Welt gebracht hatte, eröffnete sie 1996 in ihrem Geburtsort Pinkafeld ihre eigene Praxis.
    Die Riege berufspolitisch engagierter PhysiotherapeutInnen war damals wie heute dünn im Burgenland. Aber die immer wieder eintreffenden Anfragen von Ärztekammer, Gebietskrankenkassa, etc. konnte man ja nicht einfach so liegen lassen, befand die ehemalige Schulsprecherin und engagiertes Mitglied eines Elterforums. Mittlerweile gehören „Sitzungen, Artikel schreiben, usw.“ zu ihrem Alltag als manchmal einsame Physio Austria-Vertreterin am Neusiedler See.

Obwohl die Mountainbikerin, Läuferin, Schifahrerin und Seglerin über gute Kondition verfügt, geht ihr als Funktionärin „manchmal langsam die Luft aus“. Aber auch das muss ja nicht so bleiben. – Vielleicht findet sich ja doch demnächst der oder die eine oder andere unterstützende KollegIn.

Otto Havelka

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Ute Sinz beweist gute Kondition als Sportlerin wie auch als Freiberuflichen- Vertreterin im Burgenland

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