inform: Frau Dr. Druml, braucht die Bundesregierung viele Ratschläge und Empfehlungen von der Bioethikkommission?
Druml: Es gibt auf jeden Fall genug zu tun. Gerade erst sind die „Ethischen Aspekte der Entwicklung und des Einsatzes Assistiver Technologien“ erschienen (Anm. d. Red.: siehe auch Seite 7), in der Sitzung am 10. Mai wurde eine Stellungnahme zu Gen- und Genomtests im Internet verabschiedet. Denn diese lassen sich nicht verbieten, aber die Menschen müssen aufgeklärt werden, dass es nichts bringt, wenn sie Speichelproben für teures Geld in die USA schicken. Sie bekommen bestenfalls Wahrscheinlichkeiten als Antwort. Oder: In Österreich sind Samenspenden, aber noch immer keine Eizellspenden erlaubt. Da besteht im Vergleich zu anderen Ländern ein Ungleichgewicht. Eine andere derzeit von der Kommission diskutierte Fragestellung sind die medizinischen Entscheidungen am Lebensende.
inform: Hinkt Österreich in bioethischen Belangen hinten nach?
Druml: Ich verstehe nicht ganz, warum es in Österreich ein eher forschungsfeindliches Klima gibt. Forschung in den Lebenswissenschaften wird bei uns in der Öffentlichkeit viel weniger dargestellt als in anderen Ländern. Und wenn, dann kommen fast nur die Gegner zu Wort. Nehmen Sie nur als Beispiel die „Gen-Diskussion“. Da steht auf Fleischverpackungen „Gen-frei“ als Qualitätskriterium. Das ist unfassbar. Gott sei Dank hat das Fleisch Gene, denn hätte es keine, wäre es ein rein künstliches Produkt.
inform: Woran mangelt es da Ihrer Meinung nach?
Druml: Es muss schon in der Ausbildung angesetzt werden. In Österreich fehlen zum Beispiel an den Medizinischen Universitäten Institute und Professuren für Bioethik, was bedauerlich ist, denn damit ist auch die Ausbildung auf diesem Gebiet limitiert, es müssten ebenso Habilitationen in diesem Fach möglich sein. Aber ich sehe gute Chancen, das zu institutionalisieren. Und natürlich bemüht sich auch die Kommission, Forschung in einem richtigen Licht in der Öffentlichkeit darzustellen. Dazu gäbe es noch viel zu tun, aber wir Kommissionsmitglieder sind hier alle ehrenamtlich tätig, und unsere Ressourcen sind begrenzt.
Interview: Otto Havelka
In Österreich fehlen Professuren für Bioethik





