Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt feiert in diesem Jahr sein 250-jähriges Bestehen. PhysiotherapeutInnen betreuen seit mehr als 30 Jahren PatientInnen  der unterschiedlichsten Fachrichtungen.

Zurzeit besteht das Team in Eisenstadt aus 17 PhysiotherapeutInnen, sowie einer medizinisch-technischen Fachkraft. Zusätzlich arbeiten zwei PhysiotherapeutInnen in der physiotherapeutischen Ambulanz der Unfallambulanz Frauenkirchen, die vom KH Eisenstadt mitbetreut wird. Die Mitarbeiteranzahl wird sich mit der Schaffung neuer Abteilungen in den nächsten Jahren weiter erhöhen.

Vorgesetzter ist der ärztliche Direktor, die medizinisch-fachlichen Themen werden direkt mit dem Vorstand der jeweiligen medizinischen Abteilung geklärt.

Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt werden zu 90 Prozent stationäre PatientInnen der Unfallchirurgischen und Orthopädischen Abteilung, der Abteilung für Innere Medizin, der Intensivstation sowie der Intermediate Care Unit, der Kinder- und Jugendabteilung, der Chirurgischen Abteilung, der HNO-Abteilung und der Sozialpsychiatrischen Abteilung betreut.

Zusätzlich wird ein kleiner Anteil der PatientInnen, die an der Abteilung für Unfallchirurgie operiert wurden, in der Ambulanz physiotherapeutisch nachbehandelt.
 
Da das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt ein Schwerpunktkrankenhaus ist, variieren die Schwerpunkte auf den einzelnen Abteilungen.

Physiotherapeutische Anforderungen in den einzelnen Fachbereichen

Das Anforderungsprofil der Physiotherapie im Bereich Unfallchirurgie / Orthopädie hat sich parallel zur Entwicklung neuer OP-Techniken und konservativer Versorgungsmaßnahmen in den letzten Jahren verändert. Frühfunktionelle Nachbehandlung steht im Vordergrund der Therapie: Es wird rasches Erreichen von Mobilität und Selbständigkeit bei Aktivitäten des täglichen Lebens angestrebt.

Frührehabilitation ist dabei ein wesentliches Schlagwort. Aufgrund der modernen Operationstechniken und der kurzen Verweildauer im Krankenhaus ist hier die Physiotherapie vom ersten Tag an gefragt.

Therapiebeginn nach Gelenksersatzoperationen an Hüft- und Kniegelenk ist am ersten postoperativen Tag. Aktives Bewegungstraining, das Erlernen von Alltagsfunktionen sowie das Erlernen eines selbständigen Gehens mit Hilfsmitteln sind während des Aufenthaltes wesentliche Eckpfeiler der Therapie. In der Regel gehen die PatientInnen  innerhalb von fünf Tagen nach der Operation selbständig mit Krücken und überwinden Stufen mühelos.

Auch die Frührehabilitation nach arthroskopischen Operationen am Knie und an der Schulter gehören neben der Behandlung von konservativ und operativ versorgten PatientInnen nach Verletzungen und Unfällen zu den wesentlichen Aufgaben der PhysiotherapeutInnen.

Aufgrund der sehr kurzen Aufenthaltsdauer der PatientInnen im Krankenhaus haben die PhysiotherapeutInnen eine bedeutende Rolle als „Manager“ übernommen. Neben der Frührehabilitation ist die Schulung und Information der PatientInnen ein wesentlicher Bestandteil der Therapie.

Zielgruppe des Fachbereichs Interne Medizin sind zum Großteil geriatrische PatientInnen. Die Therapie zielt in vielen Fällen auf die Erhaltung bzw. Verbesserung der funktionellen Fähigkeiten ab. Die Frührehabilitation nach Herz-Kreislauferkrankungen und Operationen aus diesem Fachgebiet zählt ebenso zum Aufgabengebiet, wie die Betreuung von PatientInnen mit akuten Atemwegserkrankungen, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises sowie Menschen mit onkologischen Erkrankungen.

In der Chirurgie zählen Reaktivierung und Remobilisierung von PatientInnen nach Bauchoperationen wie von PatientInnnen nach Amputationen der unteren Extremität zur Hauptaufgabe der PhysiotherapeutInnen.

Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt wird an einer interdisziplinär belegten Intensivstation gearbeitet – Atemtherapie ist ein wesentlicher Teil der Physiotherapie, auch die Remobilisation sowie Erlernen funktioneller Aktivitäten sind wesentliche Therapieschwerpunkte.

Kinder und Jugendliche nach Unfällen und chirurgischen Eingriffen, sowie PatientInnen mit orthopädischen Krankheitsbildern erhalten je nach Bedarf Bewegungstherapie und werden mobilisiert. Atemtherapeutische Techniken kommen bei Frühgeburten und Kindern mit Atemwegserkrankungen zum Einsatz. Ein weiteres Aufgabengebiet ist die Körper- und Wahrnehmungsschulung bei Jugendlichen mit Essstörungen. Eine der Hauptaufgaben ist die Behandlung von frühgeborenen, cerebralparetischen und entwicklungsauffälligen Kindern, die sowohl stationär als auch ambulant durchgeführt wird. Bei diesen PatientInnen ist auch immer wieder eine Versorgung mit Hilfsmitteln erforderlich.

Seit 2007 betreut eine Physiotherapeutin PatientInnen der Sozialpsychiatrischen Abteilung. Aufgabenbereiche sind hier vor allem die physische (Re)-Aktivierung, allgemeines Kraftausdauertraining, Körper- und Wahrnehmungsschulung, Entspannung im Rahmen von Gruppentherapien. Einzeltherapien bei unterschiedlichsten psychiatrischen Erkrankungen und bei Schmerzpatienten sind ein weiterer Schwerpunkt.

Im HNO-Bereich liegt der Schwerpunkt der physiotherapeutischen Leistung in der Behandlung von PatientInnen  mit Schwindelerkrankungen. Beginnend mit der genauen Erhebung der Anamnese macht sich der/die PhysiotherapeutIn ein Bild über die Funktion der Halswirbelsäule, des Gleichgewichtsapparates und der posturalen Kontrolle. Erst wenn der/die PhysiotherapeutIn ein genaues Bild von der Art der Schwindelerkrankung hat, wird eine spezifische Therapie begonnen.

Neben der Behandlung von Schwindel-PatientenInnen wird auch der prä- und postoperativen Betreuung von TumorpatientInnen und der Behandlung muskulär bedingter Ohrgeräusche besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Diagnostik und Therapie erfolgen grundsätzlich in enger Kooperation und gleichberechtigt mit den behandelnden ÄrztInnen. In allen Fachbereichen wird die Physiotherapie durch Elektrotherapie und komplementärmedizinische Maßnahmen ergänzt.

Neben der Behandlung der PatientInnen erfolgt auch die Betreuung von Physiotherapie-StudentInnen.

Konstruktive Zusammenarbeit für eine gemeinsame Zukunft

In den nächsten Jahren ist neben diversen baulichen Maßnahmen auch die Eröffnung neuer Abteilungen geplant. Die neurologische Abteilung inklusive einer Stroke Unit sowie die Palliativstation werden zukünftig vielfältige Aufgaben auch für PhysiotherapeutInnen bereithalten.

„Gutes tun und es gut tun“ war das Lebensmotto von Johannes von Gott, dem Ordensgründer der Barmherzigen Brüder. In diesem Sinne will auch das Team der Physiotherapie im KH Barmherzige Brüder die PatientInnen behandeln: Der Mensch steht im Mittelpunkt aller Bemühungen.

Unter dem Motto: „Barmherzige Brüder – ihre Gesundheit ist uns viel Wert“ werden PatientInnen aller Altersgruppen betreut und es wird versucht, gesundheitsfördernde Aspekte zu vermitteln. Frühzeitig wird während des stationären Aufenthaltes schon mit den PatientInnen oder Angehörigen die weiterführende physiotherapeutische Betreuung besprochen, um eine möglichst lückenlose Therapie im extramuralen Bereich zu ermöglichen.

Auch für die Beschäftigten des Krankenhauses wird Gesundheitsförderung von den PhysiotherapeutInnen mit gestaltet (Fortbildungen, Bewegungsangebote).

Die wissenschaftliche Tätigkeit der ÄrztInnen am Krankenhaus und deren Teilnahme an internationalen Kongressen ermöglicht die Mitarbeit an Projekten sowie die Präsentation der Arbeit an Kongressen wie aktuell am AGA-Kongress in Wien (siehe Bericht im inform exklusiv Seite 3). Weiters erfolgt die Erarbeitung einer evidenzbasierten Vorgehensweise in der physiotherapeutischen Behandlung in Kooperation mit den FachärztInnen.

Direkter Kontakt mit den FachärztInnen ermöglicht eine effektive Zusammenarbeit, der Informationsaustausch erfolgt unmittelbar auf der Station. Der regelmäßige Kontakt und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Pflegepersonal sind ein wesentlicher Bestandteil der täglichen Arbeit auf den Stationen. Zusätzlich ist die Kooperation mit LogopädInnen, DiätologInnen und PsychologInnen ein Baustein der interdisziplinären Teamarbeit auf der Station.

Auch die Kooperation mit Berufsgruppen, die nicht unmittelbar in die PatientenInnenbehandlung involviert sind, ist wesentlich (wie Verwaltung, Reinigungspersonal, Haustechnik), da ohne diese Berufsgruppen eine zufriedenstellende erfolgreiche Therapie nur eingeschränkt möglich wäre.

Die vielfältigen fachlichen Schwerpunkte erfordern ein breitgefächertes Fortbildungsspektrum. Die Krankenhausleitung unterstützt finanziell Fortbildungen aus allen Fachbereichen. In den letzten Jahren wurden auch mehrere Masterausbildungen ermöglicht.

Auch innerhalb der Teams gibt es regelmäßige Fortbildungen: Vorträge von FachärztInnen des Hauses sowie Wissensvermittlung von PhysiotherapeutInnen für PhysiotherapeutInnen unter aktuellen evidenzbasierten Gesichtspunkten. Fortbildungen im Haus werden auch für andere Berufsgruppen angeboten. Diese sind zurzeit hauptsächlich für das Pflegepersonal konzipiert, eine Erweiterung des Angebotes für alle Berufsgruppen ist in Planung.

Bettina Hanel, PT, Leitende Physiotherapeutin
Krankenhaus Barmherzige Brüder, Eisenstadt

Bettina Hanel, PT

Leitende Physiotherapeutin am ­Krankenhaus der Barmherzigen ­Brüder Eisenstadt

1991–1994 Ausbildung zur ­Physiotherapeutin (KFJ Wien)
1994–1996 Physiotherapeutin im SMZ-Ost Wien
seit 1996 Physiotherapeutin im Krankenhaus Barmherzige Brüder Eisenstadt
seit 2002 Leitende Physio­therapeutin
 
Aktuelle Fortbildung: Zurzeit 4. Semester Masterausbildung Physio­therapie mit dem Schwer­punkt „Evidenzbasierte Physio­therapie“ (FH ­Campus Wien)

 

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Foto: LK Barmherzige Brüder EisenstadtFoto: LK Barmherzige Brüder EisenstadtFoto: LK Barmherzige Brüder Eisenstadt

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