Mit dem Schwerpunktthema „Ethik in der Physiotherapie“ widmet sich diese Ausgabe des „inform“ einem Thema, das bislang eine etwas untergeordnete ­Rolle in unserem Berufsbild einnahm. – Zumindest im Vergleich mit einigen anderen Gesundheits­berufen.

Die Auseinandersetzung mit diesem Thema hat in der Physiotherapie aber nicht ­weniger Relevanz als anderswo. Mag sein, dass die Physiotherapie eine weniger ­bedeutende Rolle in jenen Ethik-Fragen spielt, die (aktuell) via Medien an die Öffentlichkeit gespült werden: Stammzellforschung, Gentechnik, Reproduktionsmedizin, …

Sicher ist aber, dass Ethik-Fragen tagtäglich in der Physiotherapie eine wichtige und zunehmend gewichtigere Rolle spielen.

Das beginnt bei ganz bodenständigen Fragen wie: Wen behandle ich zuerst, wie lange behandle ich den/die PatientIn noch, wie gehe ich mit ihm/ihr um? Das berührt sensible und intime Themen wie Körperkontakt und Geschlechterrollen, insbesondere bei PatientInnen mit Migrationshintergrund.

Das hat aber auch berufspolitische Aspekte. Mit der Akademisierung unseres Berufes ist die Physiotherapie zunehmend im Forschungsbereich tätig bzw. in Forschungsprojekte eingebunden. Und speziell in der Forschung gibt es ein strenges ethisches Reglement samt dazu gehörigen (Kontroll)einrichtungen – sprich: Ethikkommissionen – deren Aufgabe es ist, Seriosität und Sinnhaftigkeit von Forschungsprojekten zu prüfen und dabei die Rechte und Würde der PatientInnen zu wahren.

Vor diesem Hintergrund ist auch das Anliegen des WCPT zu sehen, „Ethische Richt­linien in der Physiotherapie“ deutlich zu verankern. Eine deutschsprachige Version dieser Richtlinien samt Erläuterungen liegt diesem Heft als Poster bei.

Auf internationaler Ebene ist die ethische Kompetenz eines Berufsstandes ein ­Gradmesser für dessen Professionalisierung.

Im täglichen Umgang mit PatientInnen ist sie ein Gradmesser für die Behandlungs­qualität. Ethik in Gesundheitsberufen ist, den Menschen (PatientInnen) in ihrer ­psychosomatischen Ganzheit zu begegnen. Und das steht der Physiotherapie, die sich seit jeher als ganzheitliche Behandlungsmethode versteht, sehr gut zu Gesicht.

Silvia Mériaux-Kratochvila, M.Ed., PT
Präsidentin

Silvia Mériaux-Kratochvila, M.Ed., PT

Silvia Mériaux-Kratochvila, M.Ed., PT

Präsidentin des Berufsverbandes Physio Austria

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