Nachruf: Geoffrey D. Maitland ist am 22. Jänner 2010 in Adelaide gestorben.

Geoffrey Douglas Maitland wurde 1924 in Adelaide, Australien geboren. Von 1946 bis 1949 wurde er als Physiotherapeut ausgebildet und 1951 zum klinischen Tutor an der South Australian School of Physiotherapy ernannt.

Seine Ideen zur sanften passiven Mobilisationen, die Gründung des weltweit ersten post-graduierten Kurses in manipulativer Physiotherapie am South Australian Institute of Technology und die Publikation seiner ersten Fachbücher („Vertebral Manipulation“, 1964 und „Peripheral Manipulation“,1970) gehören zu den Marksteinen in der Physiotherapie.

In diesen beiden Büchern beschrieb Maitland eines der ersten Modelle für den Clinical Reasoning Prozess in der Physiotherapie. Immer wieder betonte er die Notwendigkeit eines tiefen und breiten theoretischen Wissens, um die klinische Praxis zu unterstützen. Im Zentrum seiner Arbeit stand das Bewusstsein, dass die Persönlichkeit des Menschen einen wesentlichen Einfluss auf die Behandlung hat.

Seine Untersuchungs- und Behandlungstechniken gelten heute in vielen klinischen Studien als Standard.
Ein entscheidender Punkt für die Weiterentwicklung seiner Ideen hin zu dem, was wir heute das Maitland® Konzept nennen, fand in der Schweiz statt. 1978 folgte Maitland einer Einladung von Dr. Zinn und Gisela Rolf in die Hermitage, einem Studienzentrum für PhysiotherapeutInnen in Bad Ragaz.

Hier nahm die Entwicklung des Kurssystems ihren Anfang. Ab 1984 wurden die ersten Instruktoren ausgebildet und die Vermittlung des Konzeptes konnte europaweit ausgedehnt werden. 1992 kam es zur offiziellen Vereinsgründung der International Maitland Teachers Association (IMTA). G.D. Maitland als Gründungsmitglied und erster Präsident übertrug der Gruppe das Recht, als Einzige seinen Namen für Unterrichtszwecke zu gebrauchen. Gemeinsam mit der IMTA sicherte er die Weiterentwicklung der konzeptionellen Inhalte und die LehrerInnenausbildung.
So hat Mark Jones die Denkweise und das analytische Vorgehen des Konzeptes übernommen und ergänzt und daraus ein strukturiertes, evidenzbasiertes Clinical Reasoning Konzept entwickelt. Bob Elvey und David Butler haben Maitlands Ideen über neuromenigeale Strukturen weitergeführt und unser Wissen und die Fähigkeiten im Umgang mit Nervengewebe und Schmerzmechanismen beträchtlich erweitert.

1974 war Maitland in die Gründung der International Federation of Orthopaedic Manipulative Physical Therapy (IFOMPT), der Fachgruppe für Manuelle Therapie innerhalb des WCPT, involviert. Zahlreiche Auszeichnungen verdeutlichen die internationale Wertschätzung seiner Arbeit innerhalb der Berufsgruppe.

Seine Haltung gegenüber Patienten drückte Wertschätzung und Empathie aus. Als gutem Zuhörer entgingen ihm keine Nuance im Gespräch und kein Aspekt der nonverbalen Kommunikation.

Wir verlieren mit Geoffrey D. Maitland einen Vordenker, Visionär und eine große Persönlichkeit. Wie kein anderer, hat er den beruflichen Werdegang von vielen PhysiotherapeutInnen geprägt, wir werden ihn als grosses Vorbild in Erinnerung behalten.

Im Namen der IMTA (International Maitland Teacher’s Association) und des ÖVMPT,
Andrea Kucera

Den Nachruf in voller Länge finden Sie auf www.physioaustria.at

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