Eigentlich wollte die 30-jährige Kärntnerin Nicole Toniutti lieber in der zweiten Reihe bleiben und erfahreneren KollegInnen den Vortritt auf der berufspolitischen Bühne überlassen. Aber dann kam es doch anders – und schnell. Toniutti absolvierte 2004 die Physiotherapieausbildung in Klagenfurt, arbeitete danach drei Jahre am Unfallkrankenhaus, und ist seit 2007 mit sechs anderen KollegInnen als freiberufliche Physiotherapeutin in der Klagenfurter Praxisgemeinschaft Feschnig tätig.
In den Vorstand des Kärntner Landesverbandes rückte die ehemalige Akademiesprecherin der PT-Akademie, als sie von der langjährigen LV-Vorsitzenden Sabine Knauder darauf angesprochen wurde, und weil sie „im Prinzip ein politischer Mensch“ ist. „Ich wurde von meinen Eltern dazu erzogen, Stellung zu nehmen und meine Meinung zu vertreten.“ Das Resultat dieser Pädagogik: Toniutti wurde einfach, was sie werden wollte – Physiotherapeutin und während der Ausbildung nebenbei Jahrgangs- und Akademiesprecherin, weil es ihr „immer wichtig ist, die Interessen der Gruppe zu präsentieren“.
Als Landesverbandsvorsitzende wird sie dazu reichlich Gelegenheit haben. Im Herbst dieses Jahres soll auch in Kärnten (als vorletztem Bundesland) die Physiotherapieausbildung auf Fachhochschulbetrieb umgestellt werden. Parallel dazu will Toniutti die StudentInnen mehr in das Verbandsgeschehen involvieren: „Es ist gut, wenn mehr Junge in der Interessenvertretung unseres Berufes Fuß fassen“.
Für September dieses Jahres ist anlässlich des Internationalen Tages der Physiotherapie ein Kongress in Villach zum Thema Geriatrie geplant.
Und zusätzlich spielt die Therapiehunde-Führerin mit dem Gedanken, eine Informationstour durch die (wichtigsten) Kärntner Krankenanstalten zu absolvieren. Denn während es „für viele freiberufliche KollegInnen selbstverständlich“ ist, Physio Austria-Mitglied zu sein, höre sie von angestellten PhysiotherapeutInnen öfters, sie bräuchten keine Mitgliedschaft beim Verband.
Das widerspricht Toniuttis Sicht der Dinge und Erziehung. „Hier müssen wir noch Aufklärungsarbeit leisten und unsere Anliegen besser vorbringen“. Sie wolle klar machen, dass Physio Austria ein Berufsverband ist und nicht nur ein Zugang zu persönlichen Vorteilen. „Wir sind eine Interessenvertretung und die muss stark sein, wenn man etwas umsetzen will.“
Um neue Mitglieder auf einem anderen Gebiet wirbt Toniutti auch mit ihrem Therapiehund, einem Labrador. Im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen für (angehende) Therapiehunde-FührerInnen assistiert sie mit ihrem Vierbeiner und demonstriert, wie ein erfahrener Therapiehund eingesetzt werden kann.
„Manchmal nehme ich ihn auch zu physiotherapeutischen Hausbesuchen mit“, erzählt Toniutti. Natürlich nur nach vorheriger Absprache mit den PatientInnen. Bei neurologischen PatientInnen, etwa nach einem Schlaganfall, habe das eine mehrfach positive Wirkung. Zum Beispiel stellt sie diesen PatientInnen die Aufgabe, aus Bausteinen eine Pyramide zu bauen und darunter Leckerlis für den Hund zu verstecken. Das trainiert die Fingerfertigkeit der PatientInnen und hat „nebenbei“ den sozialen Effekt eines Beziehungsaufbaues.
In dieser Hinsicht blickt Toniutti etwas neidisch Richtung Westen in die Schweiz. Dort dürfen Therapiehunde auch in Krankenhäusern eingesetzt werden. In Österreich ist dies nach wie vor verboten.
Otto Havelka





