Im Rahmen der vormals gültigen Ausbildungsverordnung wurde von den Studierenden am neurologischen Zentrum im Otto Wagner Spital das Verfassen von einem Befund eines/r neurologischen PatientIn gefordert. Die Fachhochschul-Ausbildungsverordnung sieht hingegen für das gesamte Physiotherapiestudium die Erstellung von mindestens 20 Physiotherapeutischen Prozessen vor. Für die Studierenden an der FH Campus Wien bedeutet dies, mindestens fünf Physiotherapeutische Prozesse im Bereich der Neurologie während ihrer Ausbildung erstellen zu müssen. – Eine Anforderung, die auch eine große Veränderung für den/die PraktikumsanleiterIn darstellt, da er/sie sich der Verpflichtung gegenübersieht, die Studierenden in diesem Prozess zu unterstützten.
Um bei dieser deutlichen Mehranforderung in der Praktikumsanleitung und bei gleich bleibender bis steigender Arbeitsanforderung im Bereich der PatientInnenbetreuung als Physiotherapieteam die Qualität des Praktikums weiter hoch halten zu können, wurde durch die PraktikumsanleiterInnen des Neurologischen Zentrums im Otto Wagner Spital Wien eine Lösung entwickelt, die hier vorgestellt wird.
Vorweg wurden die Ziele der Abteilung für Studierendenpraktika in der Neurologie vom TherapeutInnenteam wie folgt, definiert:
- Kennenlernen des Tätigkeitsspektrums des/r PhysiotherapeutIn in der Neurologie
- Auseinandersetzung mit verschiedenen neurologischen Krankheitsbildern
- Praktisch-therapeutische Arbeit mit PatientInnen
- Keine Überforderung von Studierenden und PraktikumsanleiterInnen
Aus der Notwendigkeit, die Studierenden mit einem Struktur gebenden Ablauf fachspezifisch durch die vierwöchige Praktikumszeit zu führen, wurden folgende Leitfäden mit ausgewählten Schwerpunkten aus dem Tätigkeitsbereich der Physiotherapie in der Neurologie erarbeitet:
Physiotherapeutischer Befundungsleitfaden für Praktikanten der Fachhochschule für Physiotherapie Fachbereich Neurologie©
Inhalt: Anamnese, Allgemeine Befundaufnahme, Spezifische Befundaufnahme: funktionelle Fähigkeiten bei Lagewechsel, Bewegungsanalyse der oberen Extremität, Detailkomponenten der Bewegung, Funktionelles Hauptproblem, Therapieziele, Therapieansätze und Maßnahmen, Verlauf
Physiotherapeutischer Befundungsleitfaden für Praktikanten der Fachhochschule für Physiotherapie Fachbereich Neurologie Schwerpunkt Obere Extremität©
Inhalt: Anamnese, Allg. Befundaufnahme, Spezifische Befundaufnahme: Funktionelle Fähigkeiten der OE, Inspektion der OE, Detailkomponenten der Bewegung, Qualitative Beurteilung des funktionellen Einsatzes der OE, Funktionelles Hauptproblem der OE, Therapieziele, Therapieansätze und Maßnahmen, Verlauf
Physiotherapeutischer Befundungsleitfaden für Praktikanten der Fachhochschule für Physiotherapie Fachbereich Neurologie Schwerpunkt Gang©
Inhalt: Anamnese, Allgemeine Befundaufnahme, Spezielle Befundaufnahme: Funktionelle Fähigkeiten des Gehens, Detailkomponenten des Gehens, Funktionelles Hauptproblem beim Gehen, Therapieziele, Therapieansätze und Maßnahmen, Verlauf
Physiotherapeutischer Befundungsleitfaden für Praktikanten der Fachhochschule für Physiotherapie Fachbereich Neurologie Schwerpunkt Lagewechsel©
Inhalt: Anamnese, Allgemeine Befundaufnahme, Spezifische Befundaufnahme: Funktionelle Fähigkeiten bei Lagewechsel, Funktionelles Hauptproblem bei Lagewechsel, Therapieziele, Therapieansätze und Maßnahmen, Verlauf
Physiotherapeutischer Befundungsleitfaden für Praktikanten der Fachhochschule für Physiotherapie Fachbereich Neurologie Schwerpunkt Lagerung im Rollstuhl/Selbsthilfetraining bei rollstuhlpflichtigen PatientInnen©
Inhalt: Anamnese, Allgemeine Befundaufnahme, Spezielle Befundaufnahme: Rollstuhlbeschreibung, Beurteilung des Sitzes im Rollstuhl, Selbständigkeit beim Rollstuhlhandling, Fortbewegung im Rollstuhl, Beurteilung des Rollstuhles hinsichtlich der Funktionalität für den/die PatientIn, Therapieziele, Therapieansätze und Maßnahmen, Verlauf
Nach Verwendung der Leitfäden im Rahmen eines definierten und strukturierten Praktikumsablaufes können folgende Erfahrungen berichtet werden:
- Auf Grund der unterschiedlichen Thematik der Leitfäden kann bereits zu Praktikumsbeginn die Bandbreite des Tätigkeitsfeldes der Physiotherapie im Fachbereich Neurologie dargestellt werden.
- Die Leitfäden, mit ihren klar definierten Inhalten, begünstigen durch ihre Strukturgebung die Sicherheit und daraus folgend den Selbstständigkeitsgrad der Studierenden während der Umsetzung des Physiotherapeutischen Prozesses mit den PatientInnen.
- Die Verwendung der Leitfäden führte zu einer vollständigen Prozesserstellung.
- Die vorgegebenen Befundungsschritte erleichtern den Studierenden die Erfassung komplexer Problemstellungen von PatientInnen und die Formulierung individueller Behandlungsziele.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Leitfäden eine deutliche Unterstützung für die Arbeit mit den Studierenden sind, wiewohl die Entwicklung einen beträchtlichen Zeitaufwand beanspruchte und ohne die Befürwortung durch die Führungsebene nicht möglich gewesen wäre.
Die Unterlagen sind als Arbeitsinstrument zu verstehen, erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und werden auf Anfrage zur Verfügung gestellt.
E.Bem, PT
M.Hirsch, PT
M.Linden, PT
I.Maier, PT
K.Pakanecz, PT
E.Pöltl, PT





