Das Landesklinikum Waldviertel Allentsteig ist eine Einrichtung für neurologische Rehabilitation nach z.B. einem Aufenthalt in einem Akutspital. An der Abteilung für Neurologie und dem Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation werden PatientInnen mit neurologischen Erkrankungen, die der Kategorie C zugeordnet werden (wach, nicht überwachungspflichtig, zumindest teilweise kooperativ und imstande, mindestens drei Stunden Therapie am Tag in Anspruch zu nehmen), vom Standpunkt spezifischer rehabilitativer Ansätze behandelt. Das Durchschnittsalter der PatientInnen liegt in etwa bei 68 Jahren.
Organisatorisch ist das LK Allentsteig der Abteilung für Neurologie am Landesklinikum Waldviertel Horn zugeordnet. Die ärztliche Leitung der neurologischen Abteilung obliegt Herrn Prim. Univ.Doz. Dr. Christian Bancher, sowie Frau Univ.-Prof. Dr. Michaela Pinter, (Professur für Neurorehabilitationsforschung an der Donau-Universität und ehemalige Leiterin der neurologischen Abteilung am NRZ Rosenhügel, Wien).
In Allentsteig finden sich, neben der klassischen Bewegungstherapie auch modernste Therapiegeräte zur Durchführung der Physiotherapie. Katharina Wöchtl, PT ist die Leitende Physiotherapeutin und gibt einen interessanten Einblick in die Vielfältigkeit des Therapieangebotes, welches individuell auf die PatientInnen, sowohl in der Dauer der einzelnen Therapieeinheiten als auch in der Wahl der Therapieform, abgestimmt wird.
Die durchschnittliche Dauer einer Therapieeinheit (so von dem/der PatientIn toleriert) beträgt 45 Minuten, im Bereich der Lokomotion sogar 60 Minuten. Die Behandlungsziele werden erst nach einer genauen Befundung durch das multiprofessionelle Behandlungsteam gemeinsam mit dem/der PatientIn festgelegt.
Um den Aufenthalt der PatientInnen therapeutisch optimal zu gestalten, sind auch an den Samstagen zwei PhysiotherapeutInnen und eine ErgotherapeutIn im Einsatz. Neben dem umfangreichen Abschlussbefund und dem Heimübungsprogramm, gibt es die Möglichkeit der Angehörigenschulung, um den PatientInnen auch für die Zeit nach der Entlassung optimale Bedingungen zu bieten. Diese dauert jeweils eine Stunde und ist bis zu drei Mal pro Aufenthalt möglich.
Am „Balancetrainer“ (siehe Bild rechts) ist es auch für PatientInnen, die nicht alleine stehfähig sind, möglich, durch Gewichtsverlagerung das Gleichgewicht zu trainieren.
Die „Posturographie“ gibt u.a. Aufschluss über Stabilitätsgrenzen, Reaktionszeit, Richtungskontrolle, Gewichtsverlagerung und Bewegungsgeschwindigkeit. So kann die Therapie nach einem Eingangstest entsprechend den Fähigkeiten und Ressourcen der PatientInnen angepasst und effizient durchgeführt werden. Eine objektive Kontrolle ist jederzeit möglich und sowohl für PatientIn als auch TherapeutIn große Motivation.
Am „Zeptor“ erfolgt eine mehrdimensionale Reizsetzung, die an die natürliche Bewegungssteuerung des Menschen angelehnt ist. Durch randomisierte (zufällige) Reizsetzung wird ein breites muskuläres Aktionsmuster ausgebildet. Dies dient vor allem der Optimierung des muskulären Ansprechens unter Zeitdruck. Dies wiederum ist zur adäquaten Reaktion bedeutsam, um z.B .einen Sturz zu vermeiden.
Weiters stehen den PatientInnen die Lokomotion (hier arbeiten meisten 2 TherapeutInnen mit einer/m PatientIn) zur Verbesserung der Gehfähigkeit und die Ganganalyse, um die Qualität des Gangbildes zu beurteilen, zur Verfügung.
Das Therapieangebot des LK Allentsteig umfasst neben den hochmodernen, technischen Geräten, aber auch eine traditionelle Form der Bewegung: Seit kurzem steht den PatientInnen eine meditative Tanzgruppe zur Verfügung. Hier wird besonders Wert auf einen nicht leistungsorientierten, spielerischen Zugang zur Bewegung gelegt. Christa Scarletti, PT, Leiterin der Tanzgruppe ist es ein besonderes Anliegen, in der Neurologischen Rehabilitation ergänzend ein stressfreies, lustvolles Bewegungsangebot zu etablieren, welches den gesamten Menschen anspricht und auf diese Weise einen positiven Zugang zu den eigenen Ressourcen herstellt.
Im meditativen Tanz werden ruhige, aber auch beschwingte Tänze, je nach Fähigkeiten der TeilnehmerInnen meist im Kreis, in einer strukturierten Form und einer bestimmten Schrittfolge durchgeführt.
„Gerade für Frauen, die im Rollstuhl sitzen, ist es sehr wichtig, ihren Körper ästhetisch und schön zu erleben“, erklärt Scarletti. „Der meditative Tanz scheint eine sinnvolle Brücke zu einem positiven Körperbewusstsein zu sein und fordert meine Kreativität als Physiotherapeutin, Tanzformen zu kreieren, die diesen Bedürfnissen entsprechen.“
Das Gesamtangebot im LK Allentsteig, die Motivation und das große Engagement jeder einzelnen TherapeutIn sowie die hervorragende, interdisziplinäre Kommunikation und Zusammenarbeit bewirken ausgezeichnete Therapieerfolge. Die von Prim. Univ. Doz. Dr. Bachner gewünschte individuelle Zufriedenheit (siehe Interview nächste Seite) ergibt sich aus all diesen Faktoren als selbstverständliche, positive therapeutische Nebenwirkung.
Constance Schlegl, PT
Landesklinikum Waldviertel Allentsteig: Zufriedenheit als therapeutische Nebenwirkung





