ExpertInnen-Treff zu Läsionen der Rotatoren­manschette

Am 9. Februar 2010 lud der Verband der freiberuflichen ­Physiotherapeuten OÖ zum mittlerweile achten „Physio Talk“ im Diakonissen Krankenhaus, und wieder war es ein voller Erfolg. 180 KollegInnen folgten der Einladung und füllten den ­Vortragssaal bis zum letzten Platz.

Dr. Gernot Aitzetmüller referierte über „Läsionen der Rotatorenmanschette und deren operative Versorgung“. Nach einem kurzen Streifzug durch Anatomie und Pathomechanik lieferte er Einblicke in die klinische und bildgebende Diagnostik, wobei ein wesentlicher Teil seines Vortrages den Entscheidungsprozess (Clinical Reasoning) näher beleuchtete, der die jeweils optimale chirurgische Maßnahme für den/die jeweilige/n PatientIn erörtert, sei es subakromiale Dekompression, Debridement, Sehnennaht oder eine Cuffarthropathieinverse Prothese. Neben der ursprünglichen, klassischen offenen Technik, wird außerdem noch unter der „Mini Open Repair“ und rein arthroskopischen Variante unterschieden. Die Vorteile einer schonenden, minimal invasiven Operationstechnik liegen demnach in einer verkürzten Rehabilitationszeit und niedrigeren Komplikationsrate. Interessant auch die prognostischen Faktoren: Anamnese (Alter, Pensionswunsch, Langzeitbeschwerden, Pseudoparalyse), schlechte Klinik (passive Bewegungseinschränkung, signifikante Kraftdefizite, anterosuperiore Subluxation, etc.) akromiohumerale Distanz sowie Sehnenretraktion und fettige Degeneration/Muskelatrophie. Fazit des Vortrags: Die frühzeitige Operation von großen Rotatorenmanschetten-Rupturen ist empfehlenswert, bevor irreversible Muskelschäden eintreten.

Peter Philip Herdin, MSc., lieferte im Anschluss tiefere Einblicke in die „physiotherapeutische Nachbehandlung nach operativer Versorgung der Rotatorenmanschette“. Nach einem einleitenden, wissenschaftlichen Teil der „Evidenz based Medicine“ wurden die einzelnen Phasen von der siebten (Beginn der aktiven Rehabilitationsphase) bis zur zwölften Woche besprochen. Die in diesem Zeitraum stattfindenden physiologischen Veränderungen von Bindegewebe, Synovialflüssigkeit, etc. bilden die Grundlagen für das Auswählen bestimmter Techniken in den einzelnen Reha-Abschnitten und haben Konsequenzen bezüglich der Intensität und Frequenz der Therapie sowie des Heimprogramms der PatientInnen.

Besonderen Fokus legte Herdin auf die Sicherstellung einer qualitativen, korrekten Arthrokinematik, bevor Aspekte wie Kräftigung und Belastung ins Spiel kommen. Um dies zu gewährleisten, wurden Möglichkeiten aufgezeigt, um die häufigsten Quellen von inkorrektem Bewegungsverhalten des Humeruskopfes in der Cavitas zu identifizieren: Selektive posteriore Kapseltests, differentialdiagnostische Unterscheidungen zwischen ligamentären oder kapsulären Außenrotationseinschränkungen, Differenzierungstests zwischen internen beziehungsweise externen Impingement sowie skapulohumerale Tests zur Identifikation von möglicher Dyskinesie. Weiteres Augenmerk wurde auf die Bedeutung von Schmerz in Bezug auf kräftigende Maßnahmen gelegt. Studien zufolge bestätigt sich die Annahme, dass Schmerzen eine negative Auswirkung auf die dynamische Stabilität im Glenohumeralgelenk haben. Demzufolge sei Schmerzfreiheit unerlässlich als Grundlage für den Beginn eines Kräftigungstrainings. Abschließend wurden verschiedene Übungsbeispiele aufgezeigt zwecks Verbesserung des Bewegungsumfanges in Anteversion, welche insbesondere auf die Mobilisation der posterioren Kapselanteile abzielten.

Peter Philip Herdin, MSc., PT

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von links nach rechts: Peter Philip Herdin, MSc., PT, Martin Weidinger, MSc., PT,  Prim. Josef Macher, Dr. Gernot Aitzetmüller

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