In der Serie „Gesund werden. Gesund bleiben.“ des Hauptver­bandes der österreichischen Sozialversicherungsträger erschien Ende 2009 das Buch „rückenleiden“, von Primaria Dr. Silvia Brandstätter, ­Fach­ärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation und ­Vorstand des Institutes für PM&R im Hanusch Krankenhaus der Wiener Gebiets­kranken­kassa. Prim. Dr. Brandstätter beschäftigt sich darin mit dem Rücken als „Problembereich Nummer 1“ bei den chronischen Gesundheits­problemen in Österreich.

Das Buch beginnt mit umfangreicher Information über die Fakten (Funktion und Aufbau der Wirbelsäule, was ist Schmerz und wie funktioniert er, wie hängen Schmerz und Seele zusammen, etc.) führt weiter über mögliche Arten der Prävention, Bewegung im Alltag, günstige Sportarten sowie Information über Sekundärprävention. Schließlich erhalten LeserInnen Einblick in die Diagnosestellung zum Rückenleiden, Begriffe wie „Red Flags“ und „Yellow Flags“ werden ebenso erörtert wie der Unterschied von akuten und chronischen Rückenschmerzen. Das letzte große Kapitel widmet sich der Rehabilitation und es wird ein Überblick über eine Vielzahl am Markt befindlicher Therapien gegeben.

Multimodale Therapie ist der aktuelle, in Österreich erst vereinzelt angebotene Therapieansatz für PatientInnen mit chronifiziertem Schmerzgeschehen im Rückenbereich. „Multimodale Programme führen bei schwer chronifizierten PatientInnen mit längeren Krankenständen und beträchtlichen Einschränkungen ihrer Alltagsaktivität nachweislich zu positiven Veränderungen“ schreibt Brandstätter.

Diesen interdisziplinären Therapieprogrammen, deren Module inhaltlich und organisatorisch aufeinander abgestimmt sind, ist ein standardisiertes interdisziplinäres Assessment zur körperlichen, psychologischen und sozialen Abklärung vorangestellt.

Es kommen in erster Linie aktivierende Therapien zum Einsatz, so auch – unter fachkundiger physiotherapeutischer Anleitung – die „neue Rückenschule nach dem biopsychosozialen Modell“, für die auch die Evidenz spricht:

Hier liegt der Schwerpunkt auf Bewegungstraining statt Bewegungsvermeidung. Bücken, Heben und Tragen sowie Liegen, Sitzen, Stehen und die Übergänge dieser Bewegungen werden ohne Dogmatisierung einer Bewegungstechnik erlernt. Dazu kommen Übungen zur segmentalen Stabilisierung sowie Kräftigung der Rumpfmuskulatur zum Einsatz. Diverse Technikvarianten der erlernten „Bewegungsmodule“ sollen von den PatientInnen als wesentliches Ziel situationsangepasst gewählt werden können.
Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass die neben den körperlichen bestehenden seelischen und sozialen Faktoren angesprochen und mit den PatientInnen bearbeitet werden.

Bewegungstherapie wird neben der Verhaltenstherapie als Therapie der ersten Wahl in der Behandlung des chronischen und chronisch rezidivierenden Kreuzschmerzes genannt. Gemäß der derzeitigen Studienlage sollten folgende Inhalte in der Bewegungstherapie erarbeitet werden: Abbau von Bewegungsangst, Verhaltensänderung hin zu einem aktiven Lebensstil und mehr Bewegung, Betonen der Wichtigkeit des selbstständigen Weiterführens der erlernten Übungen und Bewegungsmuster sowie die Schulung der Körperwahrnehmung und des Beanspruchungsempfindens.

Brandstätter nimmt auch kritisch Stellung gegenüber Therapieformen, zu denen die Evidenzlage nicht eindeutig ist oder sogar fehlt und spricht sich klar gegen eine Behandlung mit ausschließlich passiven Therapiemodalitäten subakuter oder chronischer Rückenschmerzen aus, da dadurch keine Verhaltensänderung hin zu mehr und korrekt durchgeführter Bewegung im Alltag der PatientIn bewirkt wird und nicht klar werde, dass die PatientInnen selbst aktiv zu ihrer Genesung beitragen müssen. Ein nachhaltiges Ergebnis könne so nicht bewirkt werden, so Brandstätter.

Insgesamt ist das Buch „rückenleiden“ eine nicht nur für „Laien“, für die es primär geschrieben wurde, interessante und gut lesbare Lektüre, sondern auch aus physiotherapeutischer Sicht sehr informativ und lesenswert.

Constance Schlegl, PT

„rückenleiden“

Prim. Dr. Silvia Brandstätter

aus der Serie des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger „Gesund werden. Gesund bleiben.“
Verlag: Holzhausen GmbH
Erstauflage: 2009
ISBN: 978-3-85493-168-3
Preis: 19 Euro

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