Dr. Johanna Berger, Oberärztin im Landeskrankenhaus Bad Ischl und Wissenschaftliche Leiterin der ÖGH-Frühjahrsklausurtagung 2009, hat sich auf Rheumachirurgie spezialisiert und wird nicht müde, die Zusammenarbeit mit Physio- und ErgotherapeutInnen zu predigen.
Zwar haben RheumapatientInnen nie nur Handprobleme, dennoch sollte diesen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Gute Handfunktionen sind für die Lebensqualität dieser PatientInnen besonders wichtig – vor allem, wenn sie zum Beispiel auch Gehhilfen wie etwa Krücken benötigen.
Moderne Rheuma-Medikamente, weiß Dr. Berger, „verschleiern oft Sehnenrisse“. Um gute Handfunktionen erhalten zu können, sind aber „intakte Sehnen entscheidend“. Daher sollte gleich beim ersten Physiotherapietermin ein Schmerzstatus erhoben werden und in der Folge immer wieder die Hände angeschaut werden. „TherapeutInnen haben mit ihren PatientInnen regelmäßig und ausführlich Kontakt“, so Dr. Berger, das sei eine große Chance, rechtzeitig Veränderungen feststellen zu können „und bei uns zu intervenieren“. Denn „Rheumachirurgie soll präventiv und keine Reparatur sein“, erklärt Dr. Berger. „Leider kommen viele PatientInnen aber erst, wenn es zu
spät ist.“
Auf jeden Fall sei enge Zusammenarbeit zwischen ChirurgInnen und TherapeutInnen gefragt. Denn RheumapatientInnen weisen etliche Besonderheiten auf. So werde bei operativen Korrekturen „immer überkorrigiert“, da das Gewebe bei RheumapatientInnen weicher ist (weshalb sie auch Probleme mit der Kraft haben). Diese Überkorrektur könne dann in der Therapie „wegtrainiert“ werden. Andererseits weisen sie eine überdurchschnittlich gute Heilung von Frakturen auf. In Summe glaubt Dr. Berger, mache eine engmaschige therapeutische postoperative Nachbehandlung „fünfzig Prozent des Erfolges“ aus.
Ein Manko ortet Dr. Berger aber auch in den heimischen Versorgungsstrukturen. Spezialisierte Rheuma-Zentren, wie es sie etwa in Deutschland gibt, sucht man in Österreich vergeblich. Und die Therapien setzen oft viel zu spät ein. Fachkundige MedizinerInnen sind sich einig, das die Basistherapie spätestens nach vier Wochen beginnen sollte. „Zumindest in Linz“, weiß Rheumachirurgin Berger, „beträgt die Wartezeit auf eine Therapie aber rund sechs Monate“.
Otto Havelka
TherapeutInnen sind aufgerufen, zu intervenieren

Dr. Johanna Berger
Oberärztin im Landeskrankenhaus Bad Ischl und Wissenschaftliche Leiterin der ÖGH-Frühjahrsklausurtagung 2009




